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Pressemitteilung 29/2007

Berlin, 3. Juli 2007

Die GRÜNE LIGA fordert: NOlympia in Sotschi!

Olympische Winter-Spiele 2014 unter Palmen? – Ein hoher Preis für die Natur!

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Morgen am 4. Juli 2007 fällt in Guatemala-Stadt die Entscheidung über den Austragungsort der Olympischen Winter-Spiele 2014. Im Rennen sind noch Süd-Korea, Österreich und Russland. Von russischer Seite geht die Stadt Sotschi am Schwarzen Meer an den Start. In der Touristenmetropole gibt es genügend Hotelkapazitäten. Im Hinterland erstreckt sich der Große Kaukasus mit Höhen über 3000m. Zurzeit bemüht sich Putin persönlich in Guatemala um noch unentschlossene Stimmen, während zu Hause Nichtregierungsorganisationen gegen diese Pläne protestieren.
Im Fall Sotschi sollen alle olympischen Objekte in wertvollen, teilweise unberührten Naturlandschaften errichtet werden. Dies hat es in der Geschichte der Olympischen Spiele noch nicht gegeben. Sieben Objekte sind direkt im Nationalpark Sotschi geplant, drei davon (die Bobbahn, das Olympische Dorf, die Biathlonanlagen) sogar in der schmalen Pufferzone des Staatlichen Kaukasischen Biosphärenschutzgebietes, einem seit 1999 als Weltnaturerbe anerkanntem Totalreservat. Alle anderen Sportstätten sollen in einem noch weitgehend natürlichen Tal mit für Russland einzigartig erhaltenen Sumpfgebieten angesiedelt werden, welches u.a. als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel dient.

„Die für Olympia geplanten Bauten und insbesondere ihre spätere Weiternutzung führen zu einer Degradierung und weitgehenden Zerstörung bisher natürlicher Ökosysteme und erhöhen zudem den Nutzungsdruck auf das angrenzende Weltnaturerbegebiet”, so Annette Baumann, Leiterin der Bundeskontaktstelle Internationale Arbeit der GRÜNEN LIGA. „Das Weltnaturerbe “Westkaukasus” ist das einzige Beispiel einer großräumigen, weitestgehend unbeeinflusst gebliebenen Hochgebirgslandschaft Europas und Westasiens und steht seit über 120 Jahren unter Naturschutz.”

Diese Ausrichtung der Planung ist durch nichts zu rechtfertigen, vor allem, weil es durchaus weniger sensible Alternativen gegeben hätte. Damit würde das IOC auch seine eigenen – erst in Turin 2006 bekräftigten – Grundsätze ad absurdum führen: Natur- und Umweltschutzaspekte bei der Auswahl der Austragungsorte zu berücksichtigen.
Außerdem wird sowohl auf Teile der Bevölkerung von Sotschi als auch betroffener Bergdörfer erheblicher Druck ausgeübt, um ihre Grundstücke und Wohnhäuser den Bedürfnissen der Olympiaplanung unterzuordnen. Demokratische Entscheidungsstrukturen sind dabei nicht zu beobachten. Ein Zitat des Leiters des russischen Olympischen Komitees (September 2006) ist wahrscheinlich ausreichend, um diese Haltung zu demonstrieren: „Wenn bestimmte Leute beginnen, mit der Verfassung zu wedeln und zu schreien, dass man nichts abholzen darf, dann wird es einfacher sein, die Verfassung umzuschreiben”.
Die alarmierte russische Gesellschaft, die sich der Bedeutung Olympias für Russland durchaus bewusst ist, war zu Verhandlungen über alternative, weniger schwerwiegende Eingriffe in den Naturhaushalt bereit. Die Verantwortlichen (Handelsministerium, die Leitung des nationalen Programms – „Entwicklung der Stadt Sotschi”, das russische Olympische Komitee) lehnten jedoch jegliche Gespräche ab, so die russischen Umweltschützer.

Die GRÜNE LIGA, die sich seit vielen Jahren in der Region engagiert, kann die Art und Weise der Planung in höchst sensiblen Hochgebirgsökosystemen nicht akzeptieren und unterstützt den Protest der russischen Umweltschutzorganisationen. Diktatorische und massiv umweltzerstörerische Entscheidungsprozesse sollten nicht durch den fortschrittlichen Olympischen Gedanken unterstützt werden. Wir sagen Nein zu Olympia in Sotschi!

Nähere Informationen:
Annette Baumann, Bundeskontaktstelle Internationale Arbeit, GRÜNE LIGA Berlin,
Tel.: 030/44 33 91 70