Pressemitteilung 30/2007

Berlin, 5. Juli 2007

Sotschi 2014 – Teuer erkaufte Katastrophe für den Kaukasus

GRÜNE LIGA prangert folgenschwere Entscheidung des IOC an

bild_30_2007Mit Unverständnis und Kritik hat die GRÜNE LIGA auf die Wahl Sotschis als Austragungsort für die Olympischen Winterspiele 2014 reagiert. „Mit der Entscheidung Russland den Zuschlag zu geben und die Olympiade 2014 in Sotschi am Schwarzen Meer auszutragen, führt das Internationale Olympische Komitee seine eigenen – in Turin 2006 bekräftigten – Grundsätze ad absurdum: Natur- und Umweltschutzaspekte bei der Auswahl der Austragungsorte zu berücksichtigen. Es scheint so, als hätte sich das Sprichwort: ‚Der Teufel schei… immer auf den größten Haufen‘ mal wieder bewahrheitet“, so Annette Baumann, Leiterin der Bundeskontaktstelle Internationale Arbeit.

Im Fall Sotschi sollen alle olympischen Objekte in den wertvollen, teilweise unberührten Naturlandschaften des Westkaukasus errichtet werden. Das Weltnaturerbe „Westkaukasus“ ist das einzige Beispiel einer großräumigen, weitestgehend unbeeinflusst gebliebenen Hochgebirgslandschaft Europas und Westasiens und gehört zu den 25 weltweit bedeutendsten Naturräumen und am meisten gefährdetsten ökologischen Regionen der Welt (Hotspots).
Das Welterbegebiet steht seit über hundert Jahren unter strengem Naturschutz und repräsentiert fast alle Ökosystemtypen des Großen Kaukasus. Hier können sich Tier- und Pflanzenwelt völlig ungestört entwickeln. Auf der 3.000 km2 großen unzerschnittenen Fläche leben 74 Säugetier- und 246 Vogelarten. Von den Tier- als auch von den über 3000 Pflanzenarten gehören viele zu den endemischen Arten des Kaukasus oder sogar des Westkaukasus bzw. sind Tertiärrelikte. Außerdem ist das Weltnaturerbegebiet das letzte Rückzugsgebiet für bedrohte Großsäugerarten (Wisente u.a.) mit ausreichender Größe, um reproduktionsfähige Populationen zu erhalten.
Sieben Objekte sind direkt im Nationalpark Sotschi geplant, drei davon (die Bobbahn, das Olympische Dorf, die Biathlonanlagen) sogar in der schmalen Pufferzone des Staatlichen Kaukasischen Biosphärenschutzgebietes, dem seit 1999 als Weltnaturerbe anerkanntem Totalreservat. Alle anderen Objekte sollen in einem noch weitgehend natürlichen Tal mit für Russland einzigartig erhaltenen Sumpfgebieten angesiedelt werden, welches u.a. als wichtiges Rastgebiet für Zugvögel dient.

Die für Olympia geplanten Bauten und insbesondere ihre spätere Weiternutzung führen zu einer Degradierung und weitgehenden Zerstörung bisher natürlicher Ökosysteme und erhöhen zudem den Nutzungsdruck auf das angrenzende Weltnaturerbegebiet.
Eine Katastrophe ist die Entscheidung nicht nur hinsichtlich der Gefahr für Natur- und Umweltschutz. Einmal mehr werden demokratische Entscheidungsprozesse ausgehebelt werden müssen, um alle Bauvorhaben wie geplant durchzuführen. Schon jetzt wird auf Teile der Bevölkerung von Sotschi als auch betroffener Bergdörfer erheblicher Druck ausgeübt, um ihre Grundstücke und Wohnhäuser den Bedürfnissen der Olympiaplanung unterzuordnen. Ein Zitat des Leiters des russischen Olympischen Komitees (September 2006) ist wahrscheinlich ausreichend, um diese Haltung zu demonstrieren: „Wenn bestimmte Leute beginnen, mit der Verfassung zu wedeln und zu schreien, dass man nichts abholzen darf, dann wird es einfacher sein, die Verfassung umzuschreiben“.
Es bleibt zu befürchten, dass sich der Slogan, der russischen Olympiagegner „Sotschi gewinnt – die Menschen verlieren“ bewahrheiten wird.

Die GRÜNE LIGA, die sich seit vielen Jahren in der Region engagiert, kann die Art und Weise der Planung in höchst sensiblen Hochgebirgsökosystemen nicht akzeptieren und unterstützt den Protest der russischen Umweltschutzorganisationen. Diktatorische und umweltzerstörerische Entscheidungsprozesse sollten nicht durch den (einstmals) fortschrittlichen Olympischen Gedanken unterstützt werden.

Fotos aus dem Westkaukasus sind ab 18. Juli im Rahmen einer Ausstellung in der Landesgeschäftsstelle der GRÜNEN LIGA Berlin in der Prenzlauer Allee 8 in Berlin – Prenzlauer Berg zu besichtigen.

Nähere Informationen:
Annette Baumann, Bundeskontaktstelle Internationale Arbeit, GRÜNE LIGA Berlin,
Tel.: 030/44 33 91 70


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