Naturschutz und Zivilgesellschaft in Südrussland stärken

In März 2009 startete die GRÜNE LIGA Berlin zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) das Projekt „Naturschutz und Zivilgesellschaft stärken – Entwicklung von Ökotourismus im Naturpark „Bolshoj Tchatch“ (Weltnaturerbegebiet „Westkaukasus“) als Modellprojekt zur Förderung demokratischer Entscheidungsprozesse in der Republik Adygea und Krasnodar-Region“. Dieses ambitionierte Projekt, das auf ca. 15-jährige Erfahrungen und Vorarbeiten in der Region aufbaut, wird in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern aus Majkop durchgeführt.

Fluss KaukDas Projekt verfolgt das Ziel, den Naturpark als Teil des Weltnaturerbegebietes durch den Aufbau von Ökotourismus weiterzuentwickeln. Dabei wird eine modellhafte Kommunikationsplattform zwischen den verschiedenen territorialen Verwaltungen und den staatlichen regionalen Behörden zweier angrenzender föderaler Einheiten Russlands (Republik Adygea und Krasnodarer Krai) aufgebaut und von ihnen moderiert. Unter Einbeziehung aller beteiligten Akteure wird ein Pflege- und Entwicklungsplan erarbeitet. Dies geschieht durch runde Tische, Fachgespräche und andere demokratische Beteiligungsformen.

Die Einbeziehung der Zivilgesellschaft soll dezentrale und lokale demokratische Mechanismen stärken und die Herausbildung von Umweltbewusstsein fördern, welches langfristig wichtig für die nachhaltige Entwicklung der Region ist. Die Förderung eines umweltverträglichen Tourismus dient dem Erhalt der unberührten Bergwelt und bietet gleichzeitig der Bevölkerung eine alternative Einkommensquelle.

Mit den im Projekt vorgeschlagenen Maßnahmen wird ein Beitrag zur Erfüllung der Anforderungen der Welterbekonvention geleistet sowie eine allgemeine Politik unterstützt, die dem Naturerbe eine Funktion im öffentlichen Leben gibt und den Schutz dieses Erbes in zukünftige Planungen einbezieht. Während den ersten sechs Monate der Projektlaufzeit wurden zwei Fachgespräche und zwei Runde Tische zu Entwicklung von Ökotourismus im Naturpark durchgeführt, ein Entwicklungsbeirat gegründet, mehrere Veranstaltungen einschließlich eines Schülerwettbewerbes durchgeführt und die ersten Infomaterialien, u.a. ein Reiseführer, vorbereitet.

guseripelstrasseAls nächster Schritt der Projektarbeit ist eine Studienreise der wichtigen lokalen Akteure und Entscheidungsträger in verschiedene Naturparks Deutschlands im November dieses Jahres geplant, um den Wissens- und Erfahrungsaustausch auf der internationalen Ebene zu ermöglichen. Während der Reise sollen deutsche Modelle des Naturschutzmanagements präsentiert und Ideen für die Umsetzung in Südrussland gesammelt werden.

Im Zuge der Verschärfung des innerrussischen Konfliktes zwischen Wirtschaftsinteressen und Naturschutz bzw. dem Staat und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werden dem Naturschutz immer engere Fesseln angelegt. Jedoch kann diese Entwicklung aufgefangen werden, wenn die bestehenden zivilgesellschaftlichen Strukturen stark genug sind, sich trotz eingeengten rechtlichen Spielraums zu behaupten. In der Republik Adygea und Krasnodarer Region waren die NGOs in den vergangenen Jahren insbesondere im Kampf um die Unantastbarkeit des Weltnaturerbegebietes erfolgreich, u.a. wenn es darum ging, bei Straßenbauprojekten die ökologisch verträglichen Umgehungstrassen durchzusetzen oder Umweltvergehen gerichtlich anzuzeigen und verfolgen zu lassen. Im Rahmen dieses Projektes sollen sie weiter gestärkt und durch den neu entstandenen Entwicklungsbeirat in ihrer kontinuierlichen Arbeiten unterstützt werden.

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