Raubbau an Nordmanntannen

Alle Jahre wieder stellen die Deutschen zwischen 24 und 27 Millionen Weihnachtsbäume auf. Aber nur wenige wissen etwas über Herkunft, Alter und Aufzucht ihres Baumes. Der beliebteste Weihnachtsbaum Deutschlands, die Nordmanntanne (Abies nordmanniana), ist eine bis zu 80 Meter hohe Tanne mit nicht stechenden, bis zu knapp vier Zentimeter langen dunkelgrün glänzenden Nadeln. Der Marktanteil des Festtagsbaumes beträgt rund 70 Prozent.

Die Nordmanntanne ist eine Nadelbaumart aus der Familie der Kieferngewächse. Sie ist im westlichen Kaukasus und in der Nordosttürkei heimisch und wurde nach dem finnischen Biologen Alexander von Nordmann (1803-1866) benannt. Der erforschte die Flora des russischen Zarenreiches. Etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Nordmanntanne in Europa als beliebter Parkbaum eingeführt. Heute ist sie nur in Plantagen zu finden, aus denen mehr als 80 Prozent der Weihnachtsbäume kommen. Für die Holzgewinnung wird sie nicht genutzt.

KaukasusschluchtMehrere tausend Tonnen Samen für die Weihnachtsbaum-Plantagen werden jedes Jahr aus der Kaukasus-Region in Russland und Georgien nach Deutschland und Dänemark importiert. Geerntet wird Ende September auf 60 bis 80 Jahre alten Bäumen durch geübte Kletterer. Die Zapfen müssen noch geschlossen sein. Die einen Zentimeter großen, geflügelten Samen sitzen in bis zu 20 Zentimeter langen, braunen, mit Harztropfen bedeckten Zapfen. Nach einer Trocknungsphase von drei bis vier Wochen werden die Zapfen weiterverarbeitet. Der Samen wird aus dem Zapfen gebrochen, auf die ideale Größe abgesiebt und noch einmal getrocknet, bevor er versandfertig ist. Ein Sammler bringt es so auf rund 100 Kilogramm Zapfen am Tag, aus denen rund zehn Kilogramm Qualitätssamen gewonnen werden. Aus denen entstehen nach fünf bis sechs Jahren rund 7000 Weihnachtsbäume. Für Zapfenpflücker wird es jedoch immer schwieriger, noch geeignete alte Bäume zu finden.
Der natürliche Bestand der Nordmanntanne ist inzwischen durch verschiedene Faktoren bedroht. An den russischen und georgischen Berghängen des Kaukasus werden die Wälder zu stark eingeschlagen. Aber auch Vandalismus bedroht den Baumbestand. Oftmals werden nur noch die Spitzen der imposanten, zum Teil schon 150 Jahre alten Bäume gekappt, um an die wertvollen Zapfen zu gelangen. Dies ist eine immer beliebtere Methode der armen Bevölkerung, um schnell und einfach an Samen und Weihnachtsbäume zum Verkauf zu kommen. Denn Baumschulen, mit denen der Raubbau an den wild wachsenden Nordmanntannen unterbunden werden könnte, gibt es in der Kaukasus-Region nicht. Um langfristig diese folgenschweren Eingriffe in das Ökosystem zu unterbinden, ist viel Aufklärungsarbeit vor Ort notwendig. Ebenso könnte der Aufbau von Baumschulen einen Beitrag dazu leisten, die illegale Ausbeutung der Wälder einzudämmen.

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