Schicksal des Wisents erneut besiegelt?

Nach langem Ringen um das Überleben des europäischen Wisents steht die Zukunft der zottigen Riesen erneut auf Messers Schneide. Im Arbeitskreis Kaukasus versuchen Naturfreunde verzweifelt, das Überleben dieser Tiere zu sichern. Wisente beeindrucken allein schon durch ihre Größe. Die Wildrinder werden bis zu dreieinhalb Meter lang, zwei Meter hoch und bis zu einer Tonne schwer. Sie sind Europas größte und schwerste Landsäugetiere. Das dichte Fell bietet bei eisigem Frost ausgezeichneten Schutz. Es sind 20.000 Jahre alte altsteinzeitliche Höhlenzeichnungen erhalten geblieben, die bereits den mächtigen Wisent zeigen. Früher war der Wisent in den Wäldern Europas Wisentund in Teilen Asiens weit verbreitet. Sein Lebensraum erstreckte sich von Großbritannien im Westen bis nach Sibirien im Osten, von Spanien im Süden bis nach Schweden im Norden. Wisente waren typische Großsäugetiere der Wälder. Es gab zwei Unterarten: den Flachlandwisent (Bison bonasus bonasus) in europäischen Wäldern und den leichter gebauten, dunkleren Bergwisent (Bison bonasus caucasicus) im Kaukasus. Mit der Besiedlung der Wälder durch den Menschen wurden seine Bestände jedoch immer stärker vermindert. Zum einen machte der Mensch eifrig Jagd auf das große Wildrind, weil er dessen schmackhaftes Fleisch und strapazierfähiges Leder sehr zu schätzen wusste und auch an den Hörnern interessiert war. Zum anderen rodete er die Wälder, um Platz für seine Kulturpflanzen und sein Vieh zu schaffen, und zerstörte dadurch auf großen Flächen den Lebensraum des Wisents.

Das Aussterben der zottigen Wildrinder begann bereits im 8. Jahrhundert in Europa. In Brandenburg lebte der Wisent noch bis ins 15. Jahrhundert. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in freier Wildbahn nur noch zwei Wisentpopulationen – im Urwald von Bialowieza in Polen und im russischen Westkaukasus.

Anfang des 20. Jahrhunderts starben dann auch dort die letzten wilden Wisente aus, im Kaukasus wahrscheinlich 1927. Lediglich ein Bulle überlebte dort in Gefangenschaft. Dieser und weitere in Gefangenschaft lebenden Wisente wurden zu den Ahnen der heutigen Gesamtpopulation. Auf Initiative von Kurt Priemel, Direktor des Zoologischen Gartens Frankfurt, wurde 1923 die „Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents“ gegründet. In letzter Sekunde unternahm man so einen Versuch, den Wisent vor der vollständigen Ausrottung zu bewahren. Der Gruppe von engagierten Menschen gelang es, mittels Rückzüchtungs- und Auswilderungsprogrammen Wisente in ihren ehemaligen Lebensräumen wieder anzusiedeln. In den 50er Jahren wurden die ersten Wisente in Polen ausgewildert. Heute leben weitere wilde Herden in der Ukraine, in Weißrussland, Litauen und im Westkaukasus. Dennoch ist der Wisent bis heute eine bedrohte Tierart und weitere Anstrengungen zu seinem Schutz sind notwendig. Mitte der 80er Jahre waren auch im Nordkaukasus wieder mehrere Wisentpopulationen heimisch. Doch in den 90er Jahren sank die Anzahl der Tiere innerhalb kurzer Zeit erneut stark ab. Hauptursachen dafür waren der Verlust und die Zerstückelung der Lebensräume sowie Jagd und Wilderei. In einigen Verbreitungsgebieten des nördlichen Kaukasus wurde der Wisent sogar erneut komplett ausgerottet. Im Biosphärenreservat Kavkazsky, einem besonders strengen Schutzgebiet im Nordwestkaukasus, ist die Anzahl der frei lebenden Wisente inzwischen auf ganze 220 Tiere zurückgegangen.

Hochgebirge

Der NABU setzt sich mit Unterstützung der Ursula-Merz-Stiftung daher für das Überleben des Kaukasischen Bergwisents ein. Alternative Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung, Aufbau von Ökotourismus und Umweltbildung sowie dringend erforderliche Sofortmaßnahmen zur Bekämpfung der Wilderei sollen der beeindruckenden Tierart einen Platz in der Zukunft sichern. Der NABU ist seit 1995 gemeinsam mit der GRÜNEN LIGA im Westkaukasus aktiv. Beide unterstützen den Arbeitskreis Kaukasus, der sich für die Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Norden des Schutzgebietes in Adygea einsetzt. Weitere Partner sind unter anderem die Technische Universität Berlin, die adygeische Abteilung des Biosphären-Reservates und die Technologische Hochschule in der adygeischen Hauptstadt Maikop.

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