Tadschikistan

In der Stadt Rumi, im Süden von Tadschikistan, unweit der Grenze zu Afghanistan, liegt die Waisenschule A. Kacharova. Rumi hat 150.000 Einwohner. In Kooperation mit der Deutsch-Tadschikischen Gesellschaft und der NGO Ahmadschon aus Rumi realisiert die GRÜNE LIGA Berlin seit Sommer 2013 ein Projekt in der Waisenschule, in dem Trinkwasser- und Bewässerungsanlage erneuert sowie ein Grünes Klassenzimmer aufgebaut werden. Das Projekt wird von der Stiftung Natur.Mensch.Kultur finanziert.

Waisenschule in Rumi, Tadschikistan © GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Ausgangssituation in der Waisenschule

In der Waisenschule werden ca. 270 Waisen und Kinder aus armen Verhältnissen von 28 Lehrern und 10 Erziehern unterrichtet und betreut. In der Schule arbeiten außerdem zehn Küchenkräfte, acht Frauen in der Wäscherei und vier Arbeiter in der Landwirtschaft. Zum Internat der Waisenschule gehören neben Gebäuden 24 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Davon sind etwa sechs Hektar mit Dauerkulturen wie Kaki, Mandeln, Aprikosen, Wein, Granatapfel und Walnüssen bepflanzt. Dazu kommt Weizen- und Kartoffelanbau.

Einfache Maßnahmen für eine bessere Eigenversorgung

Die Versorgung mit Trinkwasser erfolgte bisher über eine Pumpe, die jedoch nur zwei Stunden pro Tag (!) Wasser lieferte. Das Rohrsystem für die Bewässerung war defekt, so dass die landwirtschaftlichen Flächen nur zum Teil bewässert und damit genutzt werden konnten. Grundlegende Maßnahme war also, die maroden Wasserleitungen zu reparieren und ggf. zu erweitern. Im August 2013 begannen die Arbeiten: Notwendige Gräben wurden auf ca. einen Kilometer Länge ausgehoben und neue Rohre verlegt. Zwei neue Wassertanks mit je 25 Kubikmeter sowie Trinkwasserfilter wurden installiert. Inzwischen konnte auch eine neue Wasserpumpe in Betrieb genommen werden. Somit konnten die landwirtschaftlichen Flächen besser bewässert und die Grünanlagen um die Gebäude nun mit Trinkwasser versorgt werden. Ein Gemüse- und Kräutergärten konnte angelegt werden und endlich die gesamte Flächen bewirtschaftet werden. Überwiegend wurden Wassermelonen ausgesät. Durch den Anbau von Obst und Gemüse verbesserte sich nun schrittweise die Ernährungssituation in der Schule.

Obstbaumplantage der Waisenschule in Rumi, Tadschikistan © GRÜNE LIGA Berlin e.V.

Modellprojekt in Tadschikistan: Das Grüne Klassenzimmer wird errichtet

Gemeinsam mit Schüler/-innen und Lehrer/-innen planten und errichteten die Projektpartner darüber hinaus ein Grünes Klassenzimmer in der Waisenschule – das erste in Tadschikistan mit Modellcharakter für weitere. Der Pavillon besteht aus einem Eisenskelett. An den seitlichen und oberen Gerüsten wird Wein gezogen, um die extrem hohen Temperaturen im Sommer zu senken. Im Klassenzimmer kann nun Unterricht in angenehmerer Atmosphäre stattfinden, der gepflasterte Raum zusätzlich als Spiel- und Tanzflächegenutzt werden.

Die oben genannten Partner entwickeln gemeinsam für den Unterricht im Grünen Klassenzimmer eine Broschüre mit Informationen zu den Themen Trinkwasserversorgung und Feldbewässerung sowie einen Grundkurs zur Schulgartenarbeit mit Vorstellung wichtiger Kulturpflanzen. Das Grüne Klassenzimmer und die Broschüre für den Unterricht steht auch den Schulen in der Region zur Verfügung.

Projetkbegleitung durch die GRÜNE LIGA Berlin

Wichtig für die GRÜNE LIGA Berlin ist es, über das Projekt einen langfristigen Kontakt mit entsprechendem Austausch zur Waisenschule aufzubauen. Im Projektzeitraum waren die Partner zweimal in Rumi, um die Projektarbeit zu dokumentieren und Details mit den Ausführenden vor Ort abzustimmen. Bei unserem zweiten Besuch Ende März 2015 konnten wir die Arbeiten kurz vor der endgültigen Fertigstellung begutachten. Bei unseren zweitägigen Besichtigungen lag der Schwerpunkt auf den neuen Einrichtungen der Bewässerung und der dazugehörenden Technik. Außerdem nutzten wir gemeinsam mit den anwesenden Schüler/-innen das Grüne Klassenzimmer. Nach den Inspektionen in der Waisenschule waren wir zu Besuch beim Bürgermeister, der sein Interesse an unserem Projekt durch seine zwei Besichtigungen der Bauarbeiten, deutlich zum Ausdruck gebracht hat. Die Besuche waren aus unserer Sicht sehr sinnvoll. Von Anfang wurde dem Projekt so eine gewisse Wichtigkeit gegeben, die auch die Arbeit der Beteiligten entsprechend würdigte und Bürgermeister und Schulamt integrierte.

Modellcharakter – Fazit

Mit einer funktionierenden Feldbewässerung, einer schonenden Bodenbearbeitung sowie der Erarbeitung von Anbau- und Pflegeplänen lassen sich die Flächen der Waisenschule nachhaltig bewirtschaften. Durch die höhere Eigenversorgung können Transportwege für die Beschaffung von Lebensmitteln vermieden sowie Schüler/-innen und Lehrer/-innen mit frischem Gemüse und Obst gesünder versorgt werden. Die Potenziale zur Eigenversorgung werden gestärkt und ermöglichen der Waisenschule vor Ort eine größere wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Durch die Entwicklung und Einführung von Umweltbildung werden Schüler/-innen nun für die Gartenarbeit und für die Übernahme von Verantwortung sensibilisiert. Durch die Einbeziehung in konkrete Arbeitsabläufe erhalten sie erste praktische Bezugspunkte zur späteren Berufs- und Arbeitswelt. Durch die Nutzung des Grünen Klassenzimmers und die Unterrichtseinheiten erfolgt über die NGO Ahmadschon eine regionale Vernetzung zu anderen Schulen und Partnern.

Für die Zukunft ist ein weiterer Austausch via Internet geplant. Schüler/-innen der Waisenschule können sich somit an Schulprojekten der GRÜNEN LIGA Berlin und internationalen Kooperationen beteiligen.

Hintergrundwissen zu Tadschikistan

Tadschikistan liegt in Zentralasien und grenzt an Usbekistan, Kirgisistan, die Volksrepublik China und Afghanistan. Knapp die Hälfte des Landes liegt auf einer Höhe von 3.000 m oder höher. Der Osten des Landes wird vom Pamir-Gebirge geprägt. Dort befindet sich auch der höchste Berg des Landes, der 7.495 m hohe Pik Ismoil Somoni (früher Pik Kommunismus).

Tadschikistan gehört zur trockenen subtropischen Klimazone. Das kontinentale Klima ist geprägt durch kalte Winter und heiße Sommer sowie relativ niedrige Niederschlagsmengen, so dass Steppenvegetation vorherrscht. Etwa sieben Prozent der Landesfläche sind landwirtschaftlich intensiv nutzbar, trotzdem arbeiten etwa zwei Drittel der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft. Neben dem Anbau von Baumwolle werden auch Getreide, Gemüse, Obst und Tabak kultiviert. Aufgrund von Höhenlage und Reliefs ist oft nur extensive Viehzucht möglich. Rinder, Schafe und Ziegen werden gehalten und Seidenraupen gezüchtet.

Der vollständige Artikel ist im RABEN RALF, Ausgabe Juni/Juli 2014, erschienen.


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