35 Jahre nach der Friedlichen Revolution blickt die Berliner Umweltzeitung Der Rabe Ralf auf ihre Ursprünge in der ostdeutschen Umweltbewegung zurück. Die Ausstellung „Den Vogel zeigen“, die ab heute auf der Sonderausstellungsfläche des Bundesumweltministeriums (BMUKN) am Potsdamer Platz zu sehen ist, würdigt diese einzigartige Geschichte zwischen Opposition, Aufbruch und ökologischem Engagement.
Am Montag, 10. November, und am Montag, 17. November, jeweils ab 12 Uhr, stehen Mitglieder der Rabe-Ralf-Redaktion für Presse- und Hintergrundgespräche in der Ausstellung zur Verfügung.
Umbruch und Untergrund
Was Umweltverschmutzung betrifft, stand die DDR der BRD in nichts nach. Doch während die SED-Obrigkeit Umweltprobleme verschwieg, wurde Ökologie zum Thema der Opposition. In Kirchenräumen, Umweltbibliotheken und privaten Netzwerken formierte sich eine der kreativsten Strömungen der DDR-Zivilgesellschaft.
„Wir im Grüne-Liga-Netzwerk waren uns immer sicher, dass wir nicht den Weg einer Partei gehen wollten. Von Parteien hatten wir 1989 erst mal genug nach zig Jahren SED“, erinnert sich Leif Miller, Gründungsmitglied des Rabe Ralf und heutiger Vorsitzender des GRÜNEN LIGA Berlin e.V. „Wir verstanden und verstehen uns als parteiunabhängige Bürgerbewegung, Teil der Zivilgesellschaft und überparteilich agierendes Netzwerk.“
Erst im November 1989, neun Tage nach dem Mauerfall, wurde die GRÜNE LIGA als Dachorganisation dieser Gruppen gegründet – ein basisdemokratisches Netzwerk, das bis heute besteht. Auch Steffi Lemke, Bundesumweltministerin a.D., betont:
„Umweltgruppen hatten einen relevanten Anteil an der friedlichen Revolution.“
Eine Zeitung aus der Bewegung
Im Dezember 1990 erschien die erste Ausgabe des Rabe Ralf, herausgegeben von der GRÜNEN LIGA Berlin. Der Name stammt aus Christian Morgensterns Galgenliedern – eine augenzwinkernde Referenz an den subversiven Geist.
Von Beginn an verstand sich der Rabe Ralf als überparteiliche, unabhängige und offene Umweltzeitung, die Ökologie in einem weiten Sinn verstand – sozial, kulturell, ökonomisch. Er war (und ist) eine Zeitung von unten, getragen von Ehrenamtlichen, Engagierten und Leser:innen.
Heute, 35 Jahre später, ist der Rabe Ralf die letzte kontinuierlich erscheinende Umweltzeitung Berlins – ein Stück Zeitgeschichte, das sich bis heute in aktuelle ökologische und gesellschaftspolitische Debatten einmischt.
Die Ausstellung „Den Vogel zeigen“ präsentiert Originalausgaben, historische Fotografien, Dokumente und Zeitzeugenberichte aus 35 Jahren ehrenamtlichem Umweltjournalismus. Sie zeigt, wie aus der DDR-Opposition eine lebendige Zivilgesellschaft hervorging und wie sich Umwelt- und Demokratiebewegung gegenseitig beeinflussten.
Die Ausstellung stellt nicht nur die Geschichte und Praxis des Raben Ralf in den Mittelpunkt, sondern auch die wichtigsten Themen, die seit seiner Gründung kontinuierlich behandelt werden. Dazu zählen Verkehrswende, Landwirtschaft, Klimagerechtigkeit, Subkultur und diverse sozialökologische Fragen. Es wird sichtbar, welche ökologischen und gesellschaftspolitischen Themen den Raben über Jahrzehnte hinweg geprägt haben – und wie sie sich im Lauf der Zeit weiterentwickelt (Energiewende), im öffentlichen Diskurs verschoben haben (Frieden) oder weiter hochaktuell sind (Verkehrswende).
Ausstellung und Pressegespräche
„Den Vogel zeigen – 35 Jahre Rabe Ralf“
10.–21. November 2025
Mo–Fr, 12–17 Uhr (Eintritt frei)
Bundesumweltministerium (BMUKN), Sonderausstellungsfläche,
Stresemannstraße 128–130 / Ecke Erna-Berger-Straße, 10117 Berlin-Mitte
Pressegespräche:
Montag, 10. November & 17. November, jeweils ab 12 Uhr
