Die Vermessenheit des kurzfristigen Denkens

DER RABE RALF April/Mai, Seite 21

Zum geplanten Tesla-Autowerk in Grünheide bei Erkner

Trauerseeeschwalbe (Foto: Ómar Runólfsson, commons.wikimedia.org/?curid=15516777 )

Wie intelligent die Strategie der Grünen Liga Brandenburg in Bezug auf die neue Autofabrik in Grünheide war, wird sicher auch für Debatten im Umweltverband sorgen. Nichtsdestotrotz verlieren wir in Deutschland jeden Tag einen weiteren Quadratkilometer Naturfläche für neue Infrastruktur. Die Bäume in Grünheide kann man sicher durch höherwertigen Mischwald ersetzen, nur die Fläche eben nicht.

Mit Blick auf den globalen Flächen- und Ressourcenverbrauch bei starkem Bevölkerungszuwachs meint der Naturschutzprofessor Matthias Glaubrecht in seinem Buch „Das Ende der Evolution“, dass die Selbstverständlichkeit, mit der wir die gewebten Netze der Biosphäre zerstören, in ein sechstes Massenaussterben führt, selbst wenn man die kommende Klimakatastrophe als radikalen Beschleunigungsfaktor außen vor lassen würde. Wir werden unsere Verkehrs- und Klimaprobleme ganz sicher nicht mit überdimensionierten Tesla-Elektroautos lösen können, deren große „ökologische Rucksäcke“ ausgeblendet bleiben.

Schaut man nur fünf Kilometer westlich von Grünheide, kann man die vom Aussterben bedrohte Trauerseeschwalbe finden, ich habe sie im Sommer erstmals selbst beobachtet. Dummerweise quartiert sie direkt unter dem zukünftigen östlichen Landeanflug für die südliche Schönefelder Landebahn, wo die Flieger dann im Minutentakt mit 80 Dezibel ein Natur- und Vogelschutzgebiet durchschneiden. Diese staatlich organisierte Umweltkriminalität in Berlin gehörte in der Tat an den Pranger gestellt! Da wünschte man sich aktivere Umweltverbände.

Marko Ferst, Gosen


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