Aussaat von Blühmischungen

Das klingt doch gut: Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten schaffen und es sich dazu noch hübsch bunt auf dem Balkon oder im Garten machen. Blühmischungen sind eine tolle Sache für Wildbienen und Co. Gerade heimische Wildblumenarten sind zur Erhöhung des Nahrungsangebotes für Insekten sehr sinnvoll, besonders dort, wo natürlicher Lebensraum für Insekten fehlt. Das eigentliche Problem ist, dass wir immer weniger artenreiche Wiesen und Blüten in unserer Landschaft haben. Bevor also eine naturnahe Wiese umgegraben wird, kann es sinnvoller sein, durch selteneres Mähen Gräser und natürlich vorkommende Blumen hochwachsen zu lassen, anstatt eine Blühmischung auszubringen.

Kulturpflanzen, also vom Menschen gezüchtete Pflanzen, sind für Blühwiesen oft weniger geeignet, weil sie nicht so viel Nektar und Pollen liefern. Handelsübliche Mischungen enthalten teilweise Zuchtsorten mit gefüllten Blüten oder exotischen Pflanzen. Diese Blühmischungen sind dann aber in erster Linie für das menschliche Auge zusammengestellt. Für viele Insekten sind nicht-heimische Pflanzen nicht als Nahrungsquelle geeignet, da sie als Spezialisten auf bestimmte Pflanzenarten angewiesen sind.

Mehrjährige regionale Wildpflanzenmischungen können den Lebensraum und das Nahrungsangebot von spezialisierten und nicht spezialisierten Insekten verbessern. Für sie bietet eine Wildblumenwiese wunderbare Plätze zur Eiablage, Entwicklung der Larven bis zur Verpuppung und als Überwinterungsmöglichkeit. Diese Mischungen enthalten sowohl mehrjährige Arten (Stauden), die jedes Jahr wieder neu austreiben, als auch ein- und zweijährige Arten, die sich durch Selbstaussaat von alleine vermehren, wenn man die Samen ausreifen und abfallen lässt, also die Blüten nicht vorzeitig abschneidet.

 

Anleitung zur Aussaat einer Blühmischung im Kübel

  1. Einen frostfesten Kübel mit Abzugsloch wählen, der groß genug ist, um verschiedenen Blumen Platz zu bieten, ggf. Loch bohren.
  2. Torffreie Gartenerde mit Sand mischen, torffreie Aussaaterde wählen oder alte Erde recyclen und in den Kübel füllen.
  3. Saatgut mit einer Handvoll Sand mischen und auf dem Kübel verstreuen. Ohne Sand darauf achten, dass die Samen nicht dicht an dicht liegen.
  4. Saatgut gut andrücken, aber nicht mit Erde bedecken (viele Wildblumen sind Lichtkeimer).
  5. Während der Keimung (mindestens drei Wochen) die Erde gut feucht halten.
  6. Geduld haben! Wildblumen brauchen oft länger, um zu keimen und viele Arten blühen erst ab dem zweiten Jahr.
  7. Der Kübel bleibt das ganze Jahr über draußen. Damit die Insekten darin überwintern und sich fortpflanzen können, sollten die Pflanzen und vertrocknete Blütenstengel nicht im Herbst, sondern erst im Frühling zurückgeschnitten werden.

 

Anleitung zum Anlegen einer Wildblumenwiese

  1. Die günstigsten Zeitpunkte für die Aussaat liegen im Frühjahr zwischen Februar und Mai oder im Spätsommer/Herbst zwischen August und Oktober.
  2. Schäl die Rasendecke ab und entferne die alten Grassoden.
  3. Der Boden sollte möglichst mager (nährstoffarm) sein. Der typische Berliner Sandboden ist meistens perfekt geeignet. Alternativ kannst du gewöhnliche Gartenerde (ohne Torf) auch einfach mit Sand vermischen.
  4. Den Boden lockern und glattharken, so dass eine feinkrümelige, ebene Oberfläche entsteht.
  5. Saatgut zum Ausstreuen mit Sand vermengen.
  6. Da Wildblumen häufig Lichtkeimer sind, brauchst du das Saatgut nicht mit Erde zu bedecken, leichtes Andrücken des Saatguts auf der Erde reicht vollkommen aus.
  7. Die ersten drei Wochen die angesäte Fläche gut feucht halten, also am besten jeden Tag gießen. Im Herbst reicht häufig der natürliche Niederschlag. Wenn die Keimung begonnen hat, darf das Saatgut aber auf keinen Fall austrocknen.
  8. Sechs bis acht Wochen nach der Keimung erfolgt der erste Schnitt, der sogenannte Schröpfschnitt, in ca. 10 cm Höhe. Wichtig ist, dass dabei scharfe Mähwerkzeuge genutzt werden.
  9. Ist die Wiese angewachsen, wird sie in der Regel zweimal im Jahr gemäht, einmal nach der Hauptblüte Ende Juni und einmal im Spätsommer. Das kann je nach Standort etwas variieren. Eine Dünung ist nicht nur unnötig, sondern meistens auch kontraproduktiv! Die meisten Arten auf der Blühwiese sind an nährstoffarme Standorte angepasst.

 

Wildblumenempfehlung

Ihr könnt euch zuhause ganz leicht eine eigene kleine insektenfreundliche Pflanzenmischung zusammenstellen:

Gewöhnlicher Thymian (mehrjährig)
Wiesen-Salbei (mehrjährig)
Kornblume (einjährig)
Wiesen-Margerite (mehrjährig)
Färberkamille (mehrjährig)
Acker-Witwenblume (mehrjährig)
Wilde Möhre (zweijährig)
Hopfenklee (mehrjährig)
Schafgarbe (mehrjährig)
Gewöhnliches Barbarakraut (zweijährig)
Natternkopf (zweijährig)
Ringelblume (einjährig)
Klatschmohn (einjährig)

Diese Wildpflanzen lassen sich auch gut im Kübel auf dem Balkon aussäen.

Tipp: Saatgut muss nicht immer teuer gekauft werden, sondern kann auch selbst von abgeblühten Pflanzen gewonnen werden. Bitte aber niemals Pflanzen oder Samen aus der freien Natur entnehmen!

 

Regiosaatgut

In der freien Landschaft ist es ein Muss, im Siedlungsbereich nicht zwingend notwendig, aber trotzdem von Vorteil: sogenanntes Regiosaatgut oder gebietseigenes Saatgut wurde von Pflanzen gewonnen, die in der jeweiligen Region gewachsen sind und entsprechend an die lokalen Bedingungen angepasst sind. Mit solchem Saatgut stellt ihr sicher, dass nicht nur die richtigen Arten enthalten sind und Wildbiene, Schmetterling und Co. von ihnen profitieren können, sondern auch, dass die Pflanzen am Standort zurechtkommen werden. Außerdem besteht keine Gefahr, die lokale Flora, also die Pflanzenzusammensetzung, durch Pflanzen aus anderen Ursprungsgebieten zu verfälschen.

Bezugsquellen

Eine Auswahl von Anbietern, die auch Saatgut versenden, findet ihr hier:

Helenion – essbare Kultur- und Wildpflanzen, Kräuter, Tee- und Würzpflanzen

Keimzelle Öko-Saatgut aus Brandenburg – Blumen- und Kräutersamen, Gemüse- und Getreidesaatgut

Nagolare – regionales Saatgut von Gräsern und Wildblumen und vorgezogene Pflanzen

Rieger-Hofmann – regionale Gräser- und Wildblumensamen aus gebietseigener Herkunft

Saaten-Zeller – regionale Saatgutmischungen

Samenbau Nordost – regionales, samenfestes Biosaatgut

Wildsamen-Insel – Wildsamen, Wildkräuter, Gemüse- und Kräutersamen

Hervorragend eignet sich auch die Mischung „Wildblumensamen für Bienen“ der Deutschen Wildtierstiftung.

 


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