Kultursorten

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In Deutschland gibt es viele alte, vorzüglich schmeckende Obstsorten, die in der jüngsten Vergangenheit leider durch makellos aussehende Supermarktware aus den Geschäften verdrängt wurden. Doch die oft unscheinbar wirkenden alten Obstsorten haben es in sich: Sie sind süß und saftig, erstaunlich aromatisch oder würzig im Geschmack. Zudem sind sie oftmals robuster als die meisten hochgezüchteten Sorten.

Alte schmackhafte Apfelsorten

Der Geheimrat Dr. Oldenburg ist eine 1897 in der Lehranstalt Geisenheim in Hessen gezüchtete Apfelart. Er ist ein süß-säuerlicher und saftiger Tafelapfel, der ab Anfang September erntereif ist und nach einer Einlagerung von Oktober bis Dezember sein volles Aroma entfaltet. Dieser Apfelbaum wächst optimal in nährstoffreichen Böden. Aber auch auf nährstoffarmen Böden kann er gepflanzt werden. Dies verringert jedoch die Wuchshöhe und erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten.

Die Goldparmäne ist eine seit 1510 bekannte Apfelart, die lange als beste Tafelapfelart galt. Sie ist sehr wohlschmeckend mit einem nussigem Aroma, säurearm und sehr süß. Leider ist die „Goldparmäne“ anfällig für Mehltau und Schorf und deshalb aus dem ertragsorientierten Obstbau nahezu verschwunden. Die „Goldparmäne“ reift ab Mitte September, muss aber vor der Genussreife (von Oktober bis zum Januar) eingelagert werden. Die „Goldparmäne“ wächst optimal auf nährstoffreichen Böden.

Der Rheinischer Krummstiel ist eine seit 1810 bekannte fein-säuerlich bis süßliche Apfelart mit einem angenehmen typischen Aroma und reichlichen Ernteerträgen. Erntereif ab Ende Oktober, sollte dieser Apfel jedoch bis Ende Dezember eingelagert werden, um sein volles Aroma zu entfalten. Der „Rheinische Krummstiel“ ist wenig anfällig gegen Schädlinge und Krankheiten. Durch den starken und ausladenden Wuchs der Krone empfiehlt es sich, diese regelmäßig zu schneiden, um ausreichenden Platz zum Gedeihen des Baumes zu sichern.

birne_volwiAlte Schmackhafte Birnensorten

Das Stuttgarter Geishirtle ist eine um 1850 gezüchtete körnig-saftige Birnensorte mit zimtartig würzigem Aroma und kleiner Fruchtgröße. Sie eignet sich gut als Tafel-, Einmach- und Dörrfrucht. Mit seinem harmonischen und mittelstarken Wuchs ist er ein schöner Hof- oder Gartenbaum. Die Sorte stellt geringe Ansprüche an den Boden und ist darüber hinaus auch widerstandsfähig gegen Schädlinge und Krankheiten. Sie ist genussreif ab August und zählt daher zu den Sommerbirnen.

Die Salzburger Birne oder Braunrote Sommerrusselet ist eine sehr alte, aus dem Donaugebiet stammende, saftig-süße und angenehm würzige Birne. Der Baum hat einen kräftigen Wuchs, bildet eine große Krone aus und kann sehr alt werden. Er hat geringe Ansprüche an Boden und Klima und erbringt dabei einen sehr hohen Ertrag. Zudem ist die „Salzburger Birne “ widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge. Sie ist eine Sommerfrucht mit kleinen Früchten, die im Juli bis September ihre Genussreife erreicht.

Die Peters- oder Honigbirne ist eine um 1750 in Sachsen und Thüringen gezüchtete saftig-süße Sorte mit würzigem Aroma. Die eher kleinen rötlich-gelben Früchte schmecken zimtartig würzig. Der Baum der „Petersbirne“ hat einen kräftigen Wuchs, ist beachtlich ertragreich und kann sehr alt werden. Die Petersbirne ist genussreif ab Mitte Juli.

Pflaume gleich Zwetschge?

Pflaume ist der Oberbegriff für die Art Prunus domestica und gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). In Teilen Österreichs und Süddeutschlands wird jede Pflaumenart als Zwetschge, Zwetschke oder Zwetsche bezeichnet. Sowohl im Saarland als auch in der Pfalz verzichtet man darauf, zwischen Zwetschge und Pflaume zu unterscheiden.

Die Pflaume ist rund, violett, dunkelrot bis rot oder grünlich-gelb. Das weiche, saftige Fruchtfleisch ist wässriger als das der Zwetschge. Pflaumen zerfallen leicht beim Kochen und werden oft sauer. Außerdem sind sie transportempfindlich.

Im Gegensatz zur Pflaume ist  die Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica) weniger rundlich, mit einer länglichen Form. Zwetschgen haben eine dunkelblaue Färbung und eine ausgeprägte Naht. Das Fruchtfleisch lässt sich leichter vom Stein lösen, als das der Pflaumen.

Die Früchte der Reneklode (Prunus domestica subsp. italica) haben eine kugelige Form mit 3 bis 7 cm Durchmesser und sind gelb, rot oder grün in der Farbe. Das Fruchtfleisch ist saftig und fein im Aroma. Sehr oft lässt sich ihr Stein schlecht lösen. Der Reifezeitpunkt der Reneklode ist ab Mitte August. Das Kern umfassende Fruchtfleisch ist hellgrün, aromatisch würzig, saftig und meist sehr süß.

Die Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca) hat kleine, runde, gelbe bis gelb-rote Früchte von 3 bis 5 cm Durchmesser mit festem, süßem und aromatischem Fruchtfleisch. Die kleinen Früchte haben einen relativ runden Stein, der sich meist gut vom Fruchtfleisch löst. Sie reifen von Juli bis September.

Alte wohlschmeckende Pflaumensorten

Die MEDION Digital CameraHauszwetschge oder Bauernpflaume ist eine seit dem Mittelalter in Deutschland angebaute Pflaumensorte. Sie hat eine aufrechte Wuchsform und eine dichte Krone und bevorzugt leichte, nährstoffreiche und feuchte Böden. Die Früchte sind bläulich, oval und klein und haben ein festes, gelb-grünes bis orangefarbenes Fruchtfleisch. Der Saftgehalt der Früchte  ist mäßig, dafür ist der Geschmack aber stark würzig bis ausgeglichen süß-sauer mit einem starken Aroma. Der Reifezeitpunkt der Hauszwetschge ist Mitte September.

Die Fellenberg-Zwetschge ist eine Frucht mit kräftigem Aroma und angenehmer süß-säuerlicher Note, die seit 1823 in Deutschland angebaut wird. Die Wuchsform des Baumes ist aufrecht bis breitwüchsig. Die Krone ist locker mit herabhängendem Fruchtholz. Die Früchte reifen im September. Auch in kühleren Lagen reifen die Früchte gut, bei nassem Wetter neigen sie jedoch zum Platzen. Diese Zwetschgen sind klein bis mittel, oval, und mit starker Bereifung. Die Fruchtfarbe ist violett-blau, das Fleisch gelb-grün bis gelb mit mittlerem Saftgehalt.

Die Königin Viktoria-Pflaume ist eine sehr große, ovale Frucht mit blass-goldgelber und sonnenseitig hell-violetter bis bläulich-roter Färbung. Das gelbliche Fruchtfleisch ist sehr saftig und aromatisch. Sie ist zwischen Ende August bis Mitte September erntereif. Die „Königin Viktoria–Pflaume“ bevorzugt lockere, nährstoffreiche und leicht feuchte Böden. Die Früchte sind zum Frischverzehr, Kuchenbacken und Einkochen sehr gut geeignet.

Alte schmackhafte Süßkirschensorten

Die Süßkirschensorte Werdersche Braune ist eine alte deutsche Kirschsorte, die erstmals 1850  in Werder angebaut wurde. Der Baum der „Werderschen Braunen“ ist mittel bis stark wachsend und breitwüchsig. Er hat keine besonderen Bodenansprüche, bevorzugt jedoch warme sonnige Lagen. Der Reifezeitpunkt der braun-roten Kirschen ist im März. Das Fruchtfleisch ist weich bis mittelfest und besitzt einen süßen, leicht säuerlichen Geschmack. Diese Kirsche ist besonders lecker, wenn man sie frisch isst.

Die Große Schwarze Knorpelkirsche wurde um 1540 in Halle an der Saale erstmals angebaut. Der Wuchs des Baumes ist kräftig, mit vielen aufrechten Trieben. Die „Große Schwarze Knorpelkirsche“ hat keine besonderen Bodenansprüche, verträgt jedoch keine Staunässe. Sie hat eine mittelgroße schwarz-rot gefärbte Frucht und ist mäßig saftig. Der Geschmack ist süß-säuerlich und sehr wohlschmeckend aromatisch mit einer pikanten Würze. Die Früchte der „Großen Schwarzen Knorpel Kirsche“ sind relativ zeitig reifend (Juni bis Juli).

Empfehlenswerte Literatur:

Farbatlas alte Obstsorten: Hartmann, Walter; Fritz, Eckhart; Verlag Eugen Ulmer; Stuttgart; 3. Auflage 2008; 318 Seiten.

Lucas’ Anleitung zum Obstbau: Lucas, Eduard; Link, Hermann; Verlag Eugen Ulmer; Stuttgart; 32. Auflage 2002; 504 Seiten.

Alte und Neue Apfelsorten: Mühl, Franz; herausgegeben vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege München; 3. Auflage 2004; 370 Seiten.

Alte und Neue Birnensorten, Quitten und Nashi: Mühl, Franz; herausgegeben vom Bayrischen Landesverband für Gartenbau und Landespflege München; 3. Auflage 2004; 156 Seiten.

Obstsortenatlas: Silbereisen, Robert; Götz, Gerhard; Hartmann, Walter; Verlag Eugen Ulmer; Stuttgart; 2.Auflage 1996; 420 Seiten.


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