Baumschutz in Berlin

Berliner Bäume: Was können wir für sie tun?

Berlin ist mit über 400.000 Bäumen eine der grünsten Städte der Welt. Dazu kommen die vielen Bäume in Kleingärten, auf privaten Grundstücken und Berliner Hinterhöfen sowie auf Brachen. Bäume verschönern nicht nur das Stadtbild und steigern das Wohlbefinden der Menschen, sie sind auch unerlässlich für das ökologische Gleichgewicht: Bäume produzieren Sauerstoff, spenden Schatten, speichern Feuchtigkeit und bieten Lebensraum für Vögel, Insekten und andere Tiere.

Was gefährdet Bäume?

  • Pilze und Bakterien, die durch Verletzungen der Rinde (z.B. verursacht durch Nägel oder das Anschließen von Fahrrädern) in das Holz eindringen und den Baum schädigen können
  • Tiefbaumaßnahmen verletzen das Wurzelwerk
  • Zu kleine Baumscheiben verhindern die Belüftung und Bewässerung der Wurzeln unter den Gehwegplatten oder Straßen
  • Bodenverdichtung durch parkende Autos oder abgelegte Baumaterialien auf der Baumscheibe behindern die Belüftung der Wurzeln sowie die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen
  • Abgase von Verkehr, Industrie und Haushalten verbreiten Schadstoffe und tragen so zum Sommersmog bei, der Blätter und Rinde angreift
  • Hundekot und -urin beeinträchtigen den Nährstoffhaushalt des Baumes
  • Bodenverschmutzungen durch Öle, Salze und Abwasser greifen die Wurzeln an
  • Kronenrückschnitte, die zu stark und zu häufig durchgeführt werden, können eine Störung der Photosynthese verursachen und Eingangspforten für Pilze und Bakterien schaffen

Wann ist welcher Baum geschützt?

In Berlin stehen alle Laubbäume und die Nadelgehölzart Waldkiefer (Pinus sylvestris) sowie die Obstbaumarten Walnuss (Juglans regia) und Türkische Baumhasel (Corylus colurna) unter dem besonderen Schutz der Baumschutzverordnung, sofern sie bestimmte Stammumfänge erreicht haben. Hier finden Sie die gesamte Darstellung der Baumschutzverordnung.

Was tun, wenn Bäume in Gefahr sind?

1. Fakten ermitteln:

  • Standort des gefährdeten Baumes (Straße, Hausnummer, Baumnummer und Bezirk) notieren
  • Art der Gefährdung bzw. durchgeführte Maßnahmen vermerken
  • Mögliche/n Verursacher feststellen (Person, Firma oder Kfz-Kennzeichen)
  • Beweise sichern und evtl. fotografieren
  • Erkundigungen beim Verursacher einholen (z.B. nach Fällgenehmigung fragen, ohne die nicht gefällt werden darf). Im Notfall rufen Sie die Polizei und erstatten Anzeige!

2. Naturschutz- und Grünflächenamt (NGA) des Bezirkes informieren bzw. nach Gründen des Eingriffs fragen

3. Umweltverbände oder Bürgerinitiativen informieren, unterstützen und können Kontakte vermitteln

4. Bei Problemen empfiehlt es sich, die Bezirksverordneten Ihres jeweiligen BVV oder Mitglieder des Abgeordnetenhauses anzusprechen und um Unterstützung zu bitten. Machen Sie Anwohner aufmerksam oder gründen  Sie gemeinsam mit Mitstreitern eine Bürgerinitiative. Oft kann es hilfreich sein, sich mit Mahnwachen oder Flugblättern an Parteien zu wenden und die Medien einzubeziehen.

Hier finden Sie Ansprechpartner in Ihrem jeweiligen Bezirk und weitere Kontakte.


Baumscheiben – Patenschaft übernehmen

baumgießen

Als Baumscheibe wird die Wurzelplatte des Baumes bezeichnet, die für den festen Halt im Erdreich sorgt. Ist die Wurzelplatte beschädigt, kann es zu Fäulnis kommen, was im schlimmsten Fall zum Absterben oder zur Entwurzelung des Baumes führen kann. Bepflanzte Baumscheiben bieten oft Abhilfe und schützen vor Missbrauch durch Hundehalter oder Autofahrer. Die Patenschaft für eine Baumscheibe kann dazu beitragen, die Lebensqualität eines Baumes zu verbessern, die Artenvielfalt zu erhöhen und das Stadtbild zu verschönern.

Zur Unterpflanzung geeignet sind Akelei, Beinwell, Goldnessel, Frauenmantel, Immergrün, Maiglöckchen, Storchschnabel, Veilchen, Waldmeister und alle Frühlingsblumen.

Eine Bepflanzung sollte vorab mit dem zuständigen Grünflächenamt abgesprochen werden. Viele Bezirksämter in Berlin stehen einer Baumscheiben-Patenschaft inzwischen sehr offen gegenüber.
Weitere Informationen finden Sie hier.


Die Buche als Beispiel – Fakten und Bedeutung für den Menschen

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Eine etwa 100 Jahre alte Buche sollten Sie sich etwa 20 m hoch und mit etwa 12 m Kronendurchmesser vorstellen. Mit ihren rund 600.000 Blättern verzehnfacht sie ihre 120 qm Standfläche auf etwa 1200 qm Blattfläche. Durch die Lufträume des Schwammgewebes entsteht eine Zelloberfläche für den Gasaustausch von etwa 15.000 qm, was der Größe von zwei Fußballfeldern entspricht! Dieser Baum kann an einem sonnigen Tag 9.400 Liter Luft = 18 kg Kohlendioxid verarbeiten. Dies ist der durchschnittliche Kohlendioxidabfall von zwei Einfamilienhäusern. Bei einem Gehalt von 0,03 % Kohlendioxid in der Luft müssen etwa 36.000 cbm Luft durch diese Blätter strömen, mitsamt den enthaltenen Bakterien, Pilzsporen, Staub und anderen schädlichen Stoffen, die dabei größtenteils im Blatt hängen bleiben. Gleichzeitig wird die Luft angefeuchtet, denn etwa 400 Liter Wasser verbraucht und verdunstet der Baum am selben Tag. Die 13 kg Sauerstoff, die dabei vom Baum durch die Photosynthese als Abfallprodukt gebildet werden, decken den Bedarf von etwa 10 Menschen. Für sich produziert der Baum an diesem Tag 12 kg Zucker, aus dem er alle seine organischen Stoffe aufbaut. Einen Teil speichert er als Stärke, aus einem anderen baut er sein neues Holz. Wenn nun der Baum gefällt wird (zur bequemeren Bearbeitung des Ackers, auf Antrag des Automobilclubs, weil der Baum zu viel Schatten macht oder gerade dort ein Geräteschuppen aufgestellt werden soll), so müsste man etwa 2.000 junge Bäume mit einem Kronenvolumen von 1 cbm pflanzen, wollte man ihn vollwertig ersetzen. Die Kosten dafür würden etwa 125.000€ betragen.

Zuerst stirbt der Baum, dann der Mensch!!! (Die Idee stammt von G. Bruns)


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