Obstbäume

Für jeden Geschmack etwas dabei!

Hochstamm, Halb- und Niederstamm

Grundsätzlich wird bei Obstbäumen zwischen Hoch-, Halb- und Niederstamm unterschieden. Als Hochstamm werden Obstbäume bezeichnet, die einen geraden, möglichst astlosen Stamm besitzen und deren Kronenansatz in 180–200 cm über dem Erdboden beginnt. Diese haben den Vorteil, dass nach einer Pflanzung unter dem Baum genügend Platz zur Verfügung steht, um die darunter befindliche Fläche zu nutzen. Niederstämmige Gehölze haben einen Kronenansatz von 80–100 cm über dem Erdboden. Als Halbstamm werden Obstbäume bezeichnet, deren Kronenansatz bei einer Höhe von 100–160 cm beginnt.

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Unterm Apfelbaum

Hochstämme tragen im Verhältnis zu Halb- und Niederstämmen weniger Obst. Dies ist leider auch ein Grund für den starken Rückgang von einheimischen Obstsorten, da in der modernen Obstproduktion im großen Maßstab der Ernteertrag mehr zählt als der Erhalt alter Kultursorten. Wer mehr Wert auf die traditionelle Form eines Obstbaumes legt und wem nicht allein Erträge wichtig sind, sollte immer einen Hochstamm auf dem Hof oder im Garten pflanzen. Zudem sind hochstämmige Obstbäume ideale Schattenspender und auch Schaukeln für die jüngsten Mitbewohner tragen sie besser als niedrigstämmige.

Bodenvorbereitung

Fast alle Obstbäume brauchen zur Stabilität Pfähle. Diese sollten jedoch in jedem Fall vor dem Einpflanzen eingeschlagen werden, andernfalls könnten die Wurzeln verletzt werden. Die meisten Obstbäume benötigen sauren Boden. Das heißt, wo Kalk im Boden fehlt, ist das Wachstum eingeschränkt. Äpfel entwickeln sich in humosen, etwas feuchten Böden am besten und Birnen in eher tiefgründigen und mehr trockenen Böden. Pflaumen, Pfirsiche und Aprikosen mögen warme, gut durchlüftete und nährstoffreiche Böden. Sehr trockene aber auch sehr schwere Böden sagen ihnen nicht zu. Achtung, Pfirsichbäume müssen im Herbst „eingepackt werden“, damit sie keine Frostschäden erleiden.
Die „Goldparmäne“ gedeiht gut auf feuchten und nährstoffreichen Böden und in freier Lage. Von den Birnen ist „Clapps Liebling“ bezüglich Lage und Bodenverhältnissen relativ anspruchslos.

Auspflanztermine

Apfelblüte
Apfelblüte

Die beste Pflanzzeit liegt im Oktober. So können noch vor Eintritt der ersten Fröste zahlreiche neue Wurzeln ausgebildet werden. Natürlich kann auch gut im Frühjahr gepflanzt werden, aber dann ist auch mehr Bewässern nötig. Das Einwachsen wird begünstigt, wenn die Wurzeln vorher in Lehmbrei (2/3 Lehm, 1/3 Kuhmist) getaucht werden. Die Wurzeln dürfen nicht angeschnitten werden, da sich in ihnen wichtige Reservestoffe befinden, die der Baum zum Auftrieb und Anwachsen benötigt.
Beim Einschlagen der Obstbäume ist darauf zu achten, dass ausreichend Erde auch zwischen die Wurzeln gelangt. Am einfachsten wird das per Hand erledigt. Die Veredlungsstellen müssen frei über der Erde stehen. Danach wird die Erde angetreten und kräftig gegossen. Ein Stammschutz sollte gleich nach dem Pflanzen angebracht werden. Geeignet dafür ist ein verzinktes engmaschiges Drahtgeflecht mit einer Höhe von mindestens 1 m. Es sollte gewährleisten, dass beispielsweise Kaninchen auch nicht von unten an den Stamm gelangen können. Das Umbinden von Stroh sollte vermieden werden, da es als Unterschlupf für Mäuse und Schädlinge dienen kann.

Pflanzenpflege

Neben Reifkompost sollten Obstbäume mit 50kg Trockenmasse je Art gedüngt werden.
Kälteeinbrüche können Frostrisse und ein Austrocknen des Stammes oder sogar Berostung der Früchte verursachen. Schutz kann eine Brühe aus 1/3 Betonit, 1/3 Algenkalk und 1/3 Kuhmist bieten. Man lässt die Brühe einige Tage auslaugen, und dann wird sie an einem warmen Tag gespritzt, so dass sie bis zum Abendfrost getrocknet ist.
Nur eine Hornkiesel-Spritzung sorgt dafür, dass die Frostempfindlichkeit der Knospe abnimmt. Dadurch wird vermieden, dass sie einfriert, während die stärkste Wachstumskraft im Baum wirksam ist. Vor Blütenfrösten kann ein Baldrian-Präparat (10ml auf 10 Liter) schützen. Die Blüten dürfen jedoch nicht tropfnass sein.
Zur Pflanzenpflege gehört auch ein regelmäßiger Schnitt, der von Sorte zu Sorte unterschiedlich anzusetzen ist. Innerhalb weniger Jahre verwildert ein Baum, bietet Platz für Schädlinge und trägt häufig minderwertige Früchte, da nicht an alle Triebe ausreichend Sonnenlicht gelangt. Allgemein sollte beim Erziehungsschnitt die zukünftige Kronenform im Auge behalten werden. Der Erhaltungsschnitt hat die Aufgabe, durch jährliches Kürzen von Neutrieben ein Überschreiten der Drei-Meter-Grenze zu vermeiden.

Krankheiten und Schädlinge

Abgestorbene einzelne Triebe oder das Aufreißen und Absterben von Rindenpartien sind Anzeichen für eine Erkrankung, hervorgerufen durch Pilze oder Bakterien. Auch Gummifluss kann ein Hinweis sein. Alle befallenen Stellen werden sofort entfernt und die „Wunden“ mit Baumwachs bestrichen. Danach ist eine Spritzung mit organischen Kupferpräparaten ratsam. Besonders Wunden und Blattnarben sind zu behandeln, sie bilden Eingänge für Krankheitserreger.
Äpfel und Birnen sind sehr oft von Schorf befallen, der sich durch rissige und raue Früchte, sowie an rundlichen Flecken auf den Blättern kenntlich zeigt. Nachdem er die Blätter zerstört, fallen sie ab. Um gesunde Blätter und Früchte zu erhalten, ist eine Schorfspritzung unbedingt nötig. Vor der Blüte wird Bio-S oder Oscorna-Pilzvorbeuge mit 10g je 10l Wasser und nach der Blüte mit 50 bis 60g auf 10 Liter Wasser gespritzt. Das sollte im Abstand von 7-14 Tagen wiederholt werden.
Prophylaktisch helfen Hornmistel-bzw. Ackerschachtelhalm-Spritzungen.
Der sog. Obstbaumkrebs wird durch einen Pilz hervorgerufen. Es handelt sich um einen Pilz, der besonders häufig bei Apfelbäumen in älteren Zweigen auftritt. Dabei wird das Holzinnere zersetzt. Kalte Lagen und feuchte Böden begünstigen die Erkrankung und zu bekämpfen ist sie nur durch Entfernen krebsiger Äste oder gar des ganzen Baumes. apfel_webGegen Blattläuse hilft eine Brühe aus Brennnesseln (1kg wird 24 Std in 10l kaltem Wasser angesetzt).
Sollte der Obstbaum im Frühling kahlgefressen sein, ist er höchstwahrscheinlich vom Frostspanner befallen. Das Männchen besitzt Flügel und das Weibchen nur Stummel, sodass es am Stamm hochklettern muss, um seine Eier in der Baumkrone in den Triebspitzen ablegen zu können. Zum Schutz auch vor anderen kriechenden Schädlingen werden sog. Leimringe angebracht. Diese mit Leim bestrichenen Bänder müssen oben und unten dicht am Stamm angebracht werden, sodass ein „Drunter Durchkriechen“ nicht möglich ist. Auch die Stützpfosten müssen gesichert werden.
Wenn die Obstbäume zu nah einander gepflanzt wurden, vergrößert sich zunehmend die Gefahr, dass sich Schädlinge und Krankheiten gut vermehren können.

Ernte

Zum richtigen Zeitpunkt wird durch Pflücken, Schütteln oder Auflesen geerntet. Tafelkernobst (zum direkten Verzehr) wird immer gepflückt. Äpfel können in der Regel zwischen Juli und Oktober geerntet werden. „Goldparmäne“ oder „Cox Organe“ sind im September reif. „Golden Delicious“ und „Boskoop“ gehören mit der Ernte im Oktober zu den späten Sorten.

Literatur

„Rat für jeden Gartentag“, Franz Böhmig, Neumann Verlag Leipzig 1982

„Das biologische Gartenbuch“ von v. Heynitz/ Merckens, Ulmer 1982

„Das Grosse Garten Lexikon“, Südwest Verlag 1990


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