Hilfe, wir essen die Welt auf!

Aus DER RABE RALF Dezember 2020/Januar 2021, Seite 9

Grüne Liga Berlin lud zum Austausch mit bunt gemischtem Publikum aus aller Welt

Zubereitung von Suppengrün zum Einsalzen. (Fotos: Anke Küttner)

Im weltweiten Durchschnitt braucht jeder von uns mehr als 1,5 Erden. Dass das nicht nachhaltig ist, sollte jedem klar sein, denn wir haben nur eine Erde. Das war eine wichtige Erkenntnis aus der letzten Veranstaltung der Bildungsreihe „So is(s)t die Welt“ am 10. Oktober auf dem Weltacker in Berlin-Blankenfelde.

Sehr erhellend war schon die Einführung in das Konzept des „ökologischen Fußabdrucks“. Das ist die Fläche, die nötig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen dauerhaft zu ermöglichen – von Nahrungsmittelproduktion und Energieversorgung über Müllentsorgung bis hin zur Kohlendioxidbindung und mit allem dazwischen. Für uns in Deutschland sind dafür im Durchschnitt drei Erden nötig.

Bei dem Workshop des Grüne-Liga-Projekts „Food Diaries“ mit Teilnehmenden von vier Kontinenten wurde anschaulich erklärt, was der Fußabdruck mit unserem Alltag zu tun hat und besonders mit unserer Ernährung. Diese macht bei uns zum Beispiel 35 Prozent des ökologischen Fußabdrucks aus. Für den Löwenanteil sind unser Fleischkonsum und die langen Transportwege der vielen importierten Lebensmittel verantwortlich. Der Anteil der Ernährung am Fußabdruck ist aber von Land zu Land unterschiedlich, in vielen afrikanischen Ländern ist er größer.

Aha-Effekte auf dem Weltacker

Praktisch illustriert wurden diese Zusammenhänge sogleich bei einer Führung über den Berliner Weltacker, der so wie alle anderen Weltäcker die Anbaufläche symbolisiert, die jedem einzelnen Menschen zur Verfügung stehen würde, wenn die gesamten Ackerflächen unter allen Bewohnern der Welt gerecht aufgeteilt wäre. Diese Fläche nimmt 2000 Quadratmeter ein – ein Fußballfeld ist drei- bis viermal so groß. Der Weltacker ist ein einfaches, aber sehr anschauliches Modell, um die uns zur Verfügung stehende Anbaufläche mit den Ressourcen in Verbindung zu setzen, die wir für eine nachhaltige Lebensweise verbrauchen dürften. Auf dem Weltacker werden nicht nur Nahrungspflanzen angebaut, sondern auch Pflanzen, die nur als Genussmittel dienen, wie Tabak oder Zuckerrüben, sowie Pflanzen für Bekleidung, etwa Baumwolle.

Bei der Führung über den Weltacker wurde auch die Bedeutung der angebauten Pflanzen für den Alltag erklärt. Übrigens wird auf dem Weltacker kein Hybridsaatgut verwendet, das jedes Jahr neu gekauft werden muss, sondern nur samenfestes Saatgut, aus dem Pflanzen wachsen, die selbst wieder neuen Samen liefern können.

Die nötigen Pflanzen für einmal Schnitzel mit Bratkartoffeln.

Über den Tellerrand geschaut

Doch was kommt anderswo auf den Teller? Um einen besseren Eindruck in die Ernährung in anderen Ländern der Welt zu bekommen, wurden zwei verschiedene Esskulturen vorgestellt: die von Kamerun, in der alles verwertet wird, was noch essbar ist, und die von Kuba, die aufgrund der Kolonisierung durch unterschiedlichste Einflüsse geprägt ist – von denen der Kolonisten bis zu denen der Sklaven, die von jenen nach Kuba gebracht wurden, um sie dort auszubeuten.

Haltbarmachen durch Salzen

Was können wir tun, um den eigenen Fußabdruck zu verringern? Um den Import von Gemüse während des Winters zu verringern, wurde am Ende der Veranstaltung praktisch vorgeführt, wie man Gemüse durch Salzen und Fermentieren haltbar machen kann.

Zutaten:

Sauerkraut
1 kg Weißkraut oder Spitzkohl
10 g Meersalz
Kümmel, Wacholderbeeren, Äpfel, Karotten und Weinbeeren können als Gewürze beigefügt werden

  1. Kraut sehr fein schneiden.
  2. Kraut in einer Schüssel mit dem Salz vermengen und so lange kneten und stampfen, bis Flüssigkeit austritt und das Kraut komplett damit bedeckt ist.
  3. In ein sauberes Gefäß füllen und fest andrücken, bis es keine Luftblasen mehr gibt und die Flüssigkeit über dem Kraut steht. Mit einem Krautblatt abdecken und mit einem Gewicht beschweren.
  4. Etwa eine Woche warm stellen, danach kühl lagern. Das Gefäß sollte verschlossen sein, aber die Gase müssen entweichen können. Das Gären macht sich durch Blubbern bemerkbar. Einmal in der Woche die weiße Schicht, die sich bilden kann, abschöpfen. Es ist Kammhefe.

Das Kraut kann bereits nach 14 Tagen gegessen werden. Tipp für Allergiker: Je länger das Kraut steht, desto höher der Histamingehalt – also mit dem Verzehren nicht zu lange warten.

Übrigens geht die Salzmethode auch mit vielen anderen Gemüsen, zum Beispiel den Zutaten für Suppengrün. In diesem Fall wird mehr Salz dazugegeben, im Verhältnis 5 zu 1. Die Suppe später nicht mehr salzen.

Lehrreich und unterhaltsam

Die gesamte Veranstaltung war nicht nur sehr lehrreich, sondern auch unterhaltsam, vor allem weil die Teilnehmenden aus aller Welt die ganze Zeit über einbezogen wurden. So kam es zum regen Austausch und alle hatten Spaß und konnten eine Menge für sich selbst mitnehmen.

Fabio Micheel

Weitere Informationen:
www.grueneliga-berlin.de


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