Neue Grüne-Liga-Projekte

Aus DER RABE RALF Oktober/November 2020, Seiten 8/9/16

Das summende, brummende Fensterbrett

Grüne Liga berät und informiert über insektenfreundliche Minigärten

Ein Großer Wollschweber saugt an einer Schleifenblume. (Foto: Isiwal/​Wikimedia Commons)

Die Balkonsaison neigt sich ebenso wie das Insektenjahr dem Ende zu. Die meisten Insekten haben bereits für Nachwuchs gesorgt. Nur noch wenige Wildbienen- und Schmetterlingsarten sind jetzt zu beobachten. Viele von ihnen nutzen hohle Blütenstängel für die Eiablage. Nur wenn Verblühtes im Herbst nicht zurückgeschnitten, sondern den Winter über stehen gelassen wird, kann der Nachwuchs sich ungestört entwickeln und die neue Generation im Frühjahr ausfliegen. Auch die Hauptblütezeit ist vorbei und das Nahrungsangebot für Blütenbesucher, die jetzt noch unterwegs sind, besonders knapp. Wer also Herbstastern, Fette Henne oder ungefüllte Dahlien blühen lässt, tut den spätfliegenden Arten etwas Gutes.

Grüne Liga und Senat starten Projekt

Auch wer keinen eigenen Garten hat, kann so einen Beitrag zum Insektenschutz in der Stadt leisten und Fensterbrett, Balkon oder eine Baumscheibe insektenfreundlich bepflanzen. Im neuen Projekt der Grünen Liga Berlin dreht sich unter dem Titel „Das summende, brummende Fensterbrett“ alles um solche Minigärten. Diese Kleinstflächen bieten reichlich ungenutztes Potenzial zur Schaffung und Vernetzung von Lebensräumen. Nicht nur Wildbienen sollen so gefördert werden, sondern auch weitere Blütenbesucher wie Schmetterlinge und Käfer – und auch weniger beliebte und bekannte, aber im Ökosystem ebenso wichtige Insektengruppen wie Wanzen oder Fliegen.

Zu den Fliegen gehört zum Beispiel der Wollschweber. Mit seinem flauschigen Erscheinungsbild ist er eher ein Sympathieträger, jedoch auch ein Parasit, dessen Larven sich von Wildbienennachwuchs ernähren. Als erwachsenes Tier lebt er nur noch von Nektar und Pollen und ist damit ebenso auf geeignete Blüten angewiesen wie die Wildbienen – unter denen es ebenfalls Brutparasiten gibt: Kuckucksbienen legen ihre Eier in die Nester anderer Arten ab. Zwar fressen sie diese nicht, bedienen sich aber an ihren Vorräten.

Im Rahmen des Projekts vermittelt eine Bildungsreihe mit Vorträgen und Workshops neben praktischen Kenntnissen auch solche Zusammenhänge. Dazu gibt es Porträts ausgewählter Berliner Pflanzen, von denen Insekten profitieren, Video-Tutorials und ganz individuelle Informationen für alle Minigarten-Interessierten, die dafür sorgen wollen, dass der Tisch für alle Summer und Brummer gedeckt ist. Und da es sich von Gleichgesinnten meist am besten lernt, startet außerdem der Wettbewerb „Berlins schönste Landebahnen“. Gefördert wird das Projekt von der Senatsumweltverwaltung.

Lena Assmann

Informationen zum Mitmachen:
www.grueneliga-berlin.de
E-Mail: stadtgruen@grueneliga-berlin.de


umweltfestival.de

25 Jahre Umweltfestival: Vom Brandenburger Tor ins World Wide Web

Talkrunde mit Expertinnen für klimaneutrale Veranstaltungen. (Foto: Gunnar Hamel)

„Mir ist es vor Freude heiß und kalt den Rücken runtergelaufen, als man uns am 2. April 1995 per Funk durchsagte, dass über 100.000 Radler unserem Motto ‚Prima Klima mit dem Rad‘ gefolgt sind und auf dem Weg zum Brandenburger Tor waren – zum ersten Umweltfestival! Das war einer der vielen Höhepunkte des Klimaforums´95.“ So erinnert sich Leif Miller von der Grünen Liga Berlin, einer der Mitinitiatoren. Zum ersten UN-Klimagipfel 1995 in Berlin entstand ein starkes Bündnis für den Klimaschutz aus mehr als 80 umwelt- und entwicklungspolitischen Organisationen. Inmitten dieser starken Bewegung liegt die Geburtsstunde des jährlichen Berliner Umweltfestivals – als Fest für eine Zukunft ohne Klimakrise.

Digitale Alternative

Doch wie sieht es 25 Jahre später aus? Die Klimakrise ist längst da und der Platz vor dem Brandenburger Tor blieb am ersten Juniwochenende 2020 erstmals leer. Also haben wir bei der Grünen Liga eine Alternative oder einen Ersatz für unsere Veranstaltung gesucht – und gefunden: Über räumliche und zeitliche Grenzen hinaus gestalten wir ein digitales Fest für die Umwelt!

Mehr als 140 „Stände“ sind bereits auf der digitalen Ausstellungsmeile zu entdecken. Sie präsentieren ihre Projekte, Workshops und die Vielfalt an Engagement für den Umwelt- und Klimaschutz. Hier geben wir ihnen eine Plattform, um unbegrenzt zu protestieren, zu präsentieren und auszuprobieren, was im digitalen Raum für mehr Klimaschutz so alles möglich ist.

Auf der Startseite befindet sich unsere digitale Bühne, die auf mehreren Slidern ständig wechselnde Themenwochen präsentiert. Wir entdecken außerschulische Lernorte, lernen die Vielfalt an Projekten zum internationalen Klimaschutz kennen, bringen ExpertInnen zur nachhaltigen Stadtentwicklung zusammen und rücken so immer neue wichtige Themen in den Fokus.

Talks, Konzerte, Workshops, Theater

Auf umweltfestival.de lohnt es sich immer wieder vorbeizuschauen, denn es gibt ständig Neues zu entdecken und zu lernen in der vielfältigen Welt des Umwelt- und Klimaschutzes. Programmwoche auf der Bühne verpasst? Kein Problem – im Archiv gibt es alle Bühnenthemen in der Übersicht. Auch das kulturelle Angebot kommt auf dem digitalen Festival nicht zu kurz. Ob Kreativworkshops, Kochkurse, Konzerte oder Familientheater – jedes Wochenende bietet umweltfestival.de umweltfreundliche Unterhaltung.

Und es geht weiter. Frisch aus der Studioproduktion kommen spannende Talks zu klimaneutralen Veranstaltungen oder Landwirtschaft, in der veganen Aktionswoche dreht sich alles um die Vielfalt eines von vielen alternativen Lebensmodellen, und die Auswirkungen unseres Konsums werden noch ganz genau unter die Lupe genommen. Also: Reinklicken, dem Lieblingsprojekt einen „Like“ für den Publikumspreis geben und die Umweltbewegung von einer ganz neuen Seite entdecken!

Mareike Homann

Digitales Umweltfestival noch bis zum 30. November: www.umweltfestival.de


Es krabbelt und rumpelt

Neue Grüne-Liga-Bildungsprojekte schaffen Naturerfahrungsräume in Brandenburg und Berlin

Die Archeninsel an der Nieplitz wird Teil der Landesgartenschau in Beelitz. (Foto: Thomas Lähns)

Die Strahlen der Herbstsonne fallen durch die Kronen der alten Bäume auf dem Friedhof Georgen-Parochial I im Prenzlauer Berg. Wer die Augen schließt und aufmerksam lauscht, hört den Wind rauschen, Vogelgezwitscher, wo sonst Stadtlärm ist, und das Lachen der Kinder, die auf kleinen Pfaden durch das wilde Gestrüpp aus Efeu, Giersch und Wildkräutern zwischen alten Grabsteinen umherspringen. Ein einzigartiger Naturraum inmitten der Großstadt verbirgt sich hinter den alten Friedhofsmauern.

Umweltbildung als Erlebnis

Abseits der Großstadt, am Rande des Naturparks Nuthe-Nieplitz, im Land Brandenburg, herrscht geschäftiges Treiben, Baumaterial wird angeliefert und Handwerkerinnen arbeiten an der Restaurierung der alten Wassermühle. In Beelitz, der Spargelhochburg inmitten des Urstromtals Beelitzer Sander, entsteht in Zusammenarbeit mit der Naturparkverwaltung das Gelände für die brandenburgische Landesgartenschau 2022.

Die zwei scheinbar völlig verschiedenen Orte haben etwas gemeinsam. Hier wie dort werden bald Umweltbildung und Nachhaltigkeit für alle Generationen erlebbar. Ob es die sorgfältig geschützte Friedhofsfläche ist oder das von Tausenden besuchte Gartenschaugelände – Umweltbewusstsein und nachhaltige Entwicklung spielen in jedem noch so alltäglichen Kontext eine gewichtige Rolle.

Ausstellung „Lebendiger Friedhof“ in Berlin-Prenzlauer Berg. (Foto: Mareike Homann)

Um weiter an einer ganzheitlichen und nachhaltigen Bildung nachfolgender Generationen zu arbeiten, startet die Grüne Liga Berlin in diesem Jahr diese beiden weitreichenden Bildungsprojekte.

Grüne Lernorte entdecken

Dank einer Förderung durch die Deutsche Postcode-Lotterie entsteht bis Juni 2021 auf einer ehemaligen Friedhofs-Teilfläche in der Heinrich-Roller-Straße im Prenzlauer Berg ein grüner Lernort für Schulklassen. Mit Übungen, Experimenten und Forschungsmaterial aus der Stadtnaturkiste können Kinder ab kommenden Sommer hier auf Entdeckungstour gehen.

Gleichzeitig laufen schon die Vorbereitungen für das „Grüne Klassenzimmer“ auf der Landesgartenschau in Beelitz. Die Mitarbeiterinnen entwickeln langfristige Schulprojekte, planen Naturerfahrungsräume  und stricken ein buntes Programm aus über 250 Angeboten. Die Bauarbeiten in Beelitz haben spannende historische Schätze zu Tage gefördert, die viel über die Geschichte des Ortes verraten werden.

Mit einem starken Netzwerk aus Bildungsprofis in und um Beelitz gestaltet die Grüne Liga Bildung für nachhaltige Entwicklung zum Anfassen und Mitmachen und erfüllt so die zukunftsorientierten Umweltbildungsziele der Landesgartenschau mit Leben.

Mareike Homann

Weitere Informationen:
www.grueneliga-berlin.de
Tel. (030) 4433910


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