Rezensionen

Aus DER RABE RALF Dezember 2019/Januar 2020, Seiten 22/23

Das wilde Grün

Neuauflage des preisgekrönten Berliner Pflanzenführers

Der preisgekrönte Pflanzenführer durch Berlin erlebt nach 2009 und 2010 seine dritte Auflage. Dass das Buch weggehen würde wie warme Semmeln, war bereits bei der Erstausgabe vor zehn Jahren abzusehen – auch damals wurde der Bestseller hier im Raben Ralf besprochen. So viel vornweg: Die Texte mussten nur unwesentlich überarbeitet werden – ganz anders die Grafik. Denn ein Teil der früheren Standorte der Pflanzen ist inzwischen bebaut, andere Orte haben sich neu aufgetan. Und leider ist das einst knuffige Hosentaschenformat einem „richtigen“ Buch gewichen.

Auf alle Fälle wird es den Autorinnen Heiderose Häsler und Iduna Wünschmann, zwei Journalistinnen mit grünem Herzen, nicht ganz leicht gefallen sein, alte Bekannte unter den Pflanzen wiederzufinden oder woanders neu zu entdecken. Darauf anspielend schreibt Häsler schreibt in ihrem Vorwort: „Es ist ein Buch ohne Garantie. Was am Reichpietschufer wächst …, kann im nächsten Jahr verschwunden sein. Oder die Straße ist umgebaut und der bunte Mittelstreifen … weg.“

Aus ehemals 20 Kapiteln sind in der dritten Auflage 22 geworden, die schönen Namen sind geblieben: „Mauerblümchen“, „Ein Chinese erobert die Stadt“, „Die Halbwilden“, „Das Kanzleramt im Rausch“, um nur einige zu nennen. Auf 136 Seiten sind Häsler und Wünschmann dem wilden Grün im Herzen Berlins auf der Spur, nehmen uns mit auf ihre Streifzüge durch die Jahrhunderte, lesen quasi im „grünen Gedächtnis“ der Stadt. Und sie fördern dabei Erstaunliches zutage!

Wir lesen spannende Geschichten von der Nachtkerze zum Essen und der Wegwarte zum Trinken, vom Schöllkraut zum Heilen und dem Stechapfel zum Morden. Es gibt das Seifenkraut zum Waschen und die Osterluzei zum Kinderkriegen.

Multikulti unter den Berliner Pflanzen war bereits angesagt, als der Begriff noch gar nicht existierte – zum Beispiel die nordamerikanische Robinie, benannt nach ihrem französischen „Importeur“ Jean Robin (1550–1629), oder das Indische Springkraut, das 1839 den Umweg über England nach Berlin nahm. Ganz zu schweigen von Rucola, der beliebten italienischen Salatpflanze, die massenhaft in der Stadt wächst. Interessant sind auch die Einreisewege der Pflanzen. Einige wurden bewusst als Zier- oder Nutzpflanzen ins Land geholt, andere kamen als blinde Passagiere zusammen mit Waren und Saatgut.

Es gibt Alteingesessene unter den Pflanzen und Neubürger, auch solche, die mal nur kurz vorbeischauen.

Von den über 2.000 wildwachsenden Pflanzen, die jemals in Berlin registriert wurden, haben sich rund 1.400 etabliert – etwa 15 Prozent sind unwiederbringlich verloren, fast ebenso viele (vor allem heimische) vom Aussterben bedroht. Doch Grund zur Panik besteht laut den Autorinnen kaum: „Nur etwas mehr als eine Handvoll der Neubürger macht wirklich Probleme“, allen voran die Ambrosia.

Jedes Kapitel beginnt mit einem wunderschönen Ganzseitenfoto. Im fortlaufenden Text erscheinen weitere Detail- und Standortabbildungen. Farblich abgesetzt zum botanischen Textteil schließen die Kapitel mit kurzen Einlassungen zur Stadthistorie, zu Begriffserklärungen und anderen pflanzenverwandten Themen. So erfährt der Leser beispielsweise, dass Berlin 1565 mit seinen gerade einmal 12.000 Einwohnern knapp hundert Weinberge und -gärten besaß und dass es um 1870 acht Kopfbahnhöfe gab. Auch was es mit der „Grünen Neune“ auf sich hat oder warum wir heute den Rasen „sprengen“, wird hier erklärt.

Kurz und gut: Dieses Buch ist nicht nur für Botaniker und Pflanzenfreunde eine interessante Lektüre, es sei auch allen Entdeckernaturen ans Herz gelegt.

Jörg Parsiegla

Heiderose Häsler, Iduna Wünschmann:
Berliner Pflanzen
Das wilde Grün der Großstadt
Terra Press, Berlin 2019
3. Auflage, 136 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-942917-47-6

 


Plädoyer für wilde Einsamkeit

Naturerfahrungen zwischen Metropole und Wildnis

„Niemandland“ ist kein gewöhnliches Buch. Sein Autor Gerhard Trommer, geboren 1941, genießt als Experte für Umweltbildung großes internationales Ansehen und prägte den Begriff der Naturbildung, um die besondere Bedeutung eigener Naturerfahrungen zu betonen. Bis 2005 war er Professor für Didaktik der Biowissenschaften an der Universität Frankfurt am Main. „Niemandland“ ist ein Plädoyer für wilde Einsamkeit als „Fluidum, in dem ohne Ablenkung Resonanz entsteht, die im Vergleich mit der Menschenwelt Kontrast und Trennschärfe vermittelt“, wie der Autor im Vorwort schreibt. Wir würden spüren, „wie abhängig, wie domestiziert und wie gehetzt“ wir schon lebten. Verweilzeiten in wilder Natur würden uns aufmerksamer und kritischer in den Alltag zurückkehren lassen.

Gleichwohl will Trommer mit seinem Buch keine verallgemeinerungswürdigen oder grundsätzlichen Anstöße für eine bestimmte Lebensführung geben. In neun Kapiteln schildert er vielmehr Episoden aus Tagebüchern, berichtet über konkret Erlebtes, über Irrwege, über Leichtsinn, über erfüllende, aber auch weniger angenehme Erfahrungen – und lässt sie für sich sprechen. Etwa, wenn er seine Hände in die Borke von kalifornischen Mammutbäumen vergraben und eins mit den Riesen werden will, wenn er als „Blechkisten-Nomade“ fast in seinem Mietwagen erfriert oder wenn er, wieder geerdet, Erfahrungen in einer amerikanischen Jugendherberge der YMCA sammelt.

Natürlich kommt Trommer, den seine Exkursionen überwiegend in die USA führen, nicht an Henry David Thoreau, dem großen Naturschilderer des 19. Jahrhunderts, vorbei. Auf Thoreaus Spuren bekommt der Leser nebenbei ein Kapitel amerikanischer Nationalparkgeschichte vermittelt. Schön auch, wie der Autor in seinen Aufzeichnungen immer wieder Bezüge zu kulturhistorischen und gesellschaftspolitischen Ereignissen der Zeit herstellt. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass ausgerechnet Thoreau sich an die Seite jenes John Brown als Gegner der Sklaverei stellte, der später mit dem gleichnamigen Song unsterblich werden sollte.

Exkursionen und Wanderungen gehören zu den bevorzugten Lehrformen, mit denen Trommer seine Studenten aus der Komfortzone holt. In „Niemandsland“ zieht er mit Studentinnen und Studenten aus seiner Frankfurter Zeit mehrere Tage durch unbesiedeltes norwegisches Hochland. Sie teilen Brot, Nutella und ihre Getränke miteinander, unterwegs gibt es nichts Gekochtes, nur heißes Wasser. „Wow!“, „hier, jetzt“ – in anonymisierten Tagebucheintragungen lässt der Autor auch seine Mitwanderer zu Wort kommen. Dahinter verbergen sich Empfindungen, „die von Verblüffung, Begeisterung …, aber auch von Sprachlosigkeit künden“. Mehr Kommentierung braucht es eigentlich nicht. Denn aus der Kontrasterfahrung heraus kehren alle verändert aus der Wildnis zurück.

Bei aller Liebe zur Natur und zum Wilden ist Trommer dennoch kein Verklärer. Er idealisiert beides nicht, sondern betont explizit ihre Unberechenbarkeit und Maßlosigkeit. Das bewahrt ihn auch davor, Wildnis und Zivilisation als absolute Gegensätze zu begreifen.

Überblickt man die Kapitelabfolge des Buches, die gelegentlich eingestreuten Ausführungen über die Lebensstationen (und -leistungen) des Autors, den Chile-Abstecher und die im letzten Kapitel („Natur ohne und mit uns“) ausgeführten Gedanken, dann drängt sich das Gefühl auf, dass da jemand Bilanz ziehen oder zumindest bislang Unsortiertes in eine Form bringen möchte, die überdauert. Das ist dem Autor gelungen.

„Niemandland“ kommt zu Beginn der Lektüre etwas gewöhnungsbedürftig daher. Der Autor schreibt von sich in der dritten Person, und spätestens wenn seine Frau oder der jüngste Sohn ihn begleiten, können kurzzeitig Irritationen entstehen. Über die Zeitsprünge in der „Handlung“ des Buchs (auch zurück) sieht man bald hinweg.

Jörg Parsiegla

PS: In einer Neuauflage bitte mehr solcher Wortschöpfungen wie „knatterkalt“.

Gerhard Trommer: Niemandland
Leibhaftig, einsam, fern und wild – Naturerfahrungen zwischen Metropole und Wildnis
Natur + Text, Rangsdorf 2019
320 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 978-3-942062-37-4

 


Handlungen, nicht Worte

„Land des Honigs“ – eine Dokumentation, von der man lernen kann

Hatidze Muratova. (Foto: Neue Visionen)

Ende November lief der Film „Land des Honigs“ bundesweit in den Kinos an. Die Trice-Films-Produktion unter der Regie von Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov wurde schon mehrfach ausgezeichnet, darunter als bester Dokumentarfilm beim Sundance-Filmfestival und mit dem Großen Preis der Jury beim Festival in Sarasota.Der Film spielt in einem kleinen entlegenen Dorf in Nordmazedonien. Hatidze, eine etwa 50-jährige Frau, steigt täglich einen Berghang zu ihren zwischen den Felsspalten lebenden Bienenvölkern hinauf. Ohne Gesichts- und Handschutz entnimmt sie vorsichtig die Honigwaben und singt dabei ein uraltes Lied. Zurück auf ihrem Bauernhof kümmert sich Hatidze um ihre handgemachten Bienenkörbe und ihre bettlägerige Mutter. Gelegentlich fährt sie in die Hauptstadt, um ihren Honig und die Körbe zu verkaufen.

Eines Tages lässt sich eine Nomadenfamilie auf dem Nachbargrundstück nieder und in Hatidzes beschauliches Bienenkönigreich ziehen 150 Kühe, sieben kreischende Kinder und Motorenlärm ein. Doch Hatidze freut sich über die neue Gesellschaft und lässt weder sich noch ihre Zuneigung zu den Tieren stören. Aber bald trifft Hussein, das Oberhaupt der zugezogenen Familie, Entscheidungen, die Hatidzes Lebensweise für immer zerstören könnten.

Geduldige Kämpferin

Der Film überzeugt mit einer einfachen Entfaltung der Handlung. Es wird nicht viel gesprochen. Es zählen die Taten und die daraus entstehenden Emotionen. Hatidze ist eine charakterstarke Frau, die durch ihre Lebensumstände viel erdulden muss, aber daran zu wachsen scheint. Sie versteht die Kraft der Natur und deren Bedeutung für die Menschen und tritt als Verbündete der Natur auf. Der sorgsame Umgang mit ihrer Bienenzucht sichert ihr ein geringes Einkommen, mit dem sie sich und ihre Mutter grundlegend versorgen kann. Sie hat nicht viel, aber sie macht alles daraus. Ihre Welt besteht aus Fürsorge, Disziplin und dem Zusammenleben mit der Natur. Trotz der ärmlichen Verhältnisse lässt sie sich nicht unterkriegen und überlebt Winter für Winter.

Für Bewohner der westlichen Länder gerät oft in Vergessenheit, wie die Welt jenseits des eigenen Horizonts aussieht. Hatidze in ihrer gelben, unmodernen Bluse und dem abgetragenen Blümchenrock auf dem Weg zu ihren Bienen ruft es einem wieder ins Gedächtnis. Sie wandert über grasbewachsene, steinige Pfade – über ihr ein Flugzeug. Der Kontrast ist deutlich. Die Flugpassagiere ahnen nichts von Hatidzes Leben und fliegen womöglich voll Vorfreude in den Strandurlaub. Wie vielen Menschen mag es so gehen wie jenen Passagieren? Wie vielen so wie Hatidze? Durch solche unterschwelligen Andeutungen schafft es der Film, den Zuschauer zum Nachdenken und – besser noch – zum Überdenken anzuregen. Die Lebensweise der passionierten Imkerin wird authentisch dargestellt und gewährt tiefe Einblicke in eine unbekannte Welt. Hatidze kämpft jeden Tag um ihre Existenz. Und sie tut dies mit einer Willensstärke und Geduld, die bewundernswert ist.

Die Störung

Auch als ihr harmonisches Zusammenleben mit der Natur, den Bienen und ihrer schwer kranken Mutter, durch den Einzug der türkischen Nomadengroßfamilie samt Viehzucht gestört wird, lässt sie sich nicht aus der Fassung bringen, sondern tritt hilfsbereit auf. Als der Familienvater Hussein beschließt, sich an der Bienenzucht zu versuchen, teilt sie gern ihre Erfahrungen mit ihm. Hatidze erklärt ihm mehrmals, dass es von großer Bedeutung ist, den Bienen die Hälfte des Honigertrags als Nahrungsreserve zu lassen. Hassan hört nicht auf sie und verkauft fast allen Honig.

Er müsse seine vielen Kinder ernähren, sie müssten zur Schule gehen und bräuchten Kleidung, so rechtfertigt er die Missachtung des Rats. Ob er es wirklich aus Liebe und Verpflichtung gegenüber seinen Kindern tut oder doch der Habgier verfallen ist, bleibt ungewiss. Jedenfalls muss Hatidze durch Husseins Handeln noch härter für ihre Existenz arbeiten. Der Konflikt offenbart deutliche Parallelen zu unserem westlichen System: Um den Gewinn zu steigern oder auch nur in Sorge um das eigene Fortkommen werden schon mal die Ellenbogen ausgefahren.

Handlungen, nicht Worte

Es wird immer deutlicher, dass Hatidze und Hussein in ihrem Verhältnis zur Natur sehr verschieden agieren. Dazu kommen Unterschiede im täglichen Umgang miteinander. Während sich zwischen Hatidze und ihrer Mutter trotz eines groben Tonfalls und Sturheit in der Beziehung dennoch Liebe und Verbundenheit abzeichnet, sind Hussein und seine Frau mit der Erziehung der Kinder vollkommen überfordert. Es kommt nicht selten vor, dass die Kinder angeschrien werden oder Gewalt angedroht bekommen. Außerdem gibt es Konflikte zwischen den Eheleuten.

Ein Sohn Husseins hat das Unrecht in dem Vorgehen seines Vaters erkannt und fühlt sich von Hatidzes Lebensstil angezogen. Obwohl die Kinder in denselben Verhältnissen aufwachsen, sticht er heraus und stellt sich sogar gegen seinen Vater. Bemerkenswert ist, dass in beiden Familien ein rauer Ton herrscht, bei Hatidze und ihrer Mutter jedoch Zuneigung durch das gegenseitige Handeln aufscheint. Dem Zuschauer wird einmal mehr vermittelt, dass es auf Handlungen und nicht auf Worte ankommt.

Kontrast und Nähe

„Land des Honigs“ ist ein Film voller Kontraste. Er zeigt nicht nur die unterschiedlichen Lebens- und Verhaltensweisen Hatidzes und der Nomadenfamilie auf und die damit einhergehenden Veränderungen mit und in der Natur, sondern bringt auch subtile Kritik am Gesellschaftssystem an. Durch die gewählte Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Beziehungen zur Natur gelingt es der Regie, ein Höchstmaß an Authentizität zu vermitteln und den Zuschauer gleichzeitig anzuregen, eigene Muster zu reflektieren. „Land des Honigs“ erzählt von Menschen in Mazedonien und hat doch ebenso Aussagekraft für die scheinbar weit entfernte westliche Welt.

Rebecca Lange

Land des Honigs
Regie: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov
Dokumentation, 90 Minuten
Mazedonien 2019
Kinostart: 21. November
www.neuevisionen.de

 


Müll statt Walnüsse?

Wie Eichhörnchen, Baum und Mensch zusammen leben können

Das Theater Jaro hat seine Wurzeln im osteuropäischen Theater. (Foto: Jaro Theater)

Müll gehört eindeutig in jene Kategorie, die keinerlei Vorteile zu bieten hat. Unansehnlich, gar hässlich und in vielerlei Hinsicht schlecht für Natur und Umwelt. Trotzdem produzieren wir viel davon. Schlimmer noch, wenn der Müll dort landet, wo er nicht hingehört. Da werden Zigarettenkippen weggeschnipst, Kaffeebecher stehen und Verpackungen fallen gelassen. Diesen Müll zu sammeln und zu entsorgen ist notwendig und richtig, aber besser wäre es doch, wenn er gar nicht erst entstehen oder zumindest richtig behandelt werden würde.

Verstehen und Bewusstsein sind hier die Schlüsselwörter. Der Grundstein dafür wird schon in der Kindheit gelegt. Doch besser nicht mit Tadel und Maßregelung, sondern mit Witz und Charme. So, wie es das Theater Jaro in seinem neuen Stück „Die Eichhörnchen-Story“ zeigt.

Teamwork für Nüsse

Eichhörnchen Nico muss umsiedeln, denn seine heimatlichen Waldbäume wurden gefällt. Waltraud Walnussbaum – Standort Parkplatz – wird sein neues Zuhause. Auf der Suche nach etwas zu essen bemerkt Nico ein Problem. Statt herabgefallener Nüsse ziert Müll den Boden.

Die Ratte namens Ratte, wohnhaft in einer Mülltonne, hat sich, wie es eine Ratte eben so kann, ganz gut eingelebt. Aber ein Eichhörnchen braucht leckere Nüsse, keinen Abfall. Es muss einen Grund für Waltrauds ausbleibende Nussproduktion geben.

Mit Rattes Hilfe sucht Nico Rat bei einer klugen Eule, und ihnen wird klar, dass sie die Hilfe eines Menschen brauchen. Hier kommt die Sportlerin und regelmäßige Parkplatzbesucherin Katharina ins Spiel, die zuerst nicht bemerkt, was ihr täglicher Coffee-to-go-Becher und der überfüllte Mülleimer neben Frau Walnussbaum anrichten. Doch Katharina versteht schließlich, dass sie Problem und Lösung zugleich ist, und wird aktiv.

Wichtig und herzlich

„Waltraud?“, ruft ein Kind im Publikum, als Frau Walnussbaum mal wieder eingeschlafen ist. Es wird ausgiebig gekichert, als Nico von einer Müll-Kostprobe pupsen muss. Das 45-minütige Stück hat die Aufmerksamkeit der anwesenden Kinder und holt sie mit der Geschichte und den Figuren ab. Die Größeren werden die Botschaft des Stückes verstehen, kleinere Kinder werden sich vielleicht später im Leben an das Eichhörnchen Nico erinnern. Johanna, eine achtjährige Zuschauerin, hat ein breites Lächeln auf dem Gesicht und meint: „Ich fand‘s mega cool!“ Die Geschichte über Umweltschutz hat überzeugt.

Die Inszenierung greift ein grundlegendes Umweltthema auf und verpackt es in einer lehrreichen Geschichte. Man merkt: Hier wurde mit Einfühlungsvermögen und Herz gearbeitet. Auch als Erwachsener bekommt man ein Lächeln ins Gesicht gezaubert – und wird einmal mehr daran erinnert, wie wichtig der Respekt vor Tieren und Pflanzen, vor der eigenen Umwelt ist. Denn wir sind kein losgelöster Teil der Natur, sondern gehören dazu, wie Eichhörnchen Nico und Waltraud Walnussbaum.

Neben dieser wichtigen Botschaft leistet das Theaterstück gleich selbst einen Beitrag zum Umweltschutz. Das gesamte Bühnenbild und die Figuren sind aus Resten früherer Stücke und aus Abfallstoffen entstanden. Eine lobenswerte Idee und eine tolle Umsetzung.

Rosa Wallow

Die Eichhörnchen-Story
Ein unterhaltsames und spannendes Stück zum Thema Müll und Umwelt mit einem Bühnenbild aus upgecycelten Materialien
Regie: Sylvia Niemann

Theater Jaro, Schlangenbader Str. 30/​Ecke Wiesbadener Str., 14197 Berlin-Wilmersdorf, Tel. (030) 3410442, www.theater-jaro.de

Eintritt 4,50 bis 8 Euro, 3–8 Jahre


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