Vogel und Schmetterling des Jahres

Kulturvogel in Gefahr

Aus DER RABE RALF Februar/März 2019, S. 12

Die Feldlerche ist erneut Vogel des Jahres

Zeichnung: Alena Schmidbauer

Normalerweise wird ein Lebewesen nur einmal als „Natur des Jahres“ ausgewählt. Die Feldlerche ist nun aber nach 1998 schon zum zweiten Mal zum Vogel des Jahres ernannt worden. Obwohl sie mit 150 bis 260 Millionen Brutpaaren weltweit ein häufiger Vogel ist, nehmen ihre Bestände rapide ab.

Ihr einmaliger Gesang inspirierte zahlreiche Dichter, diente Bauern als Wecker und Wettervorhersage. Nun verschwindet die Feldlerche langsam – genau wie die meisten anderen Feldvogelarten – von unseren Äckern. „Die Intensivierung der Landwirtschaft nimmt Feldvögeln den Lebensraum“, begründet der Naturschutzbund, der seit 1971 den Vogel des Jahres kürt, seine Wahl. „Die Feldlerche soll als Jahresvogel stellvertretend für sie und anklagend für die katastrophale Landwirtschaftspolitik in Berlin und Brüssel stehen.“

Unauffällig, aber mit Gesangstalent

Mit ihrem braunen Federkleid ist die Feldlerche perfekt vor dem Hintergrund des Ackerbodens, ihrem üblichen Lebensraum, getarnt. Während ihre Federn an der Brust hellbraun bis weiß sind, ist ihre Oberseite in einem rötlichen Braunton gehalten und wird von schwarzbraunen Längsstreifen geschmückt. Die Körperlänge beträgt durchschnittlich etwa siebzehn Zentimeter, wobei die Männchen oft etwas größer und schwerer als die Weibchen werden.

Wer die Feldlerche in der Natur finden möchte, kann nach der Federhaube auf ihrem Kopf Ausschau halten. Einfacher wird man sie aber an ihrem Gesang erkennen, der im Gegensatz zu ihrem Aussehen ganz und gar nicht unauffällig ist. Vor allem der rollende Balzgesang der Männchen zum Frühlingsbeginn ist besonders ausgiebig, schließlich müssen sie ein Weibchen beeindrucken. Nachdem sich das Paar gefunden hat, zieht es sich bis zum Ende der Brutzeit in ein Revier von zwanzig bis 200 Metern Durchmesser zurück. Andere Artgenossen sind unerwünscht und werden vom Männchen mit seinem Gesang abgewehrt.

Wie der Name vermuten lässt, bevorzugt die Feldlerche flache, vegetationsarme Lebensräume, wie Ackerfelder, Brachflächen, Dünen oder Salzwiesen. Dort baut das Weibchen unter den Augen ihres Partners, aber ohne seine Hilfe, das Bodennest für den Nachwuchs.

Wälder meidet die Feldlerche grundsätzlich, denn dort kann sie ihre Nahrung schlecht erspähen. Auf dem Speiseplan stehen Insekten, Spinnen, Würmer und Larven, aber auch Samen und Pflanzen zur kalten Jahreszeit. Während der Brutsaison ernähren sich die Vögel allerdings rein tierisch. Für die Nahrungsbeschaffung ist dann der Vater zuständig, während die Mutter die Küken behütet. Nach dem Schlüpfen brauchen die Jungen ungefähr einen Monat, um selbstständig zu werden. Danach bereiten sich die Eltern auf eine neue Brut vor. Bestenfalls brütet die Feldlerche drei Mal pro Saison. Das ist nötig, denn Nesträuber lassen häufig nur eines der bis zu sieben Jungen überleben.

Wie Feldlerchen den Winter verbringen, hängt vom Klima ihrer Heimat ab. Hierzulande wird es ihnen irgendwann zu kalt, weshalb sie ihr Revier aufgeben, sich in Gruppen zusammenschließen und gemeinsam in wärmere Regionen wie Südfrankreich oder Spanien fliegen. Zum Frühlingseinbruch kehren sie zurück nach Deutschland.

Bestände im Sinkflug

Die Feldlerche ist räumlich über den ganzen Globus verteilt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts schwinden ihre Bestände allerdings zunehmend. In Europa hat sich ihr Vorkommen seit 1980 mehr als halbiert, in Deutschland brachen die Bestände in den letzten dreißig Jahren um ein Drittel ein. Es scheint zwar suspekt, dass die Jagd auf Feldlerchen unter diesen Umständen immer noch legal ist, trotzdem ist die Ursache für den Rückgang eine andere.

Das Problem sind die mangelnden Brutflächen, die Gründe dafür sind vielfältig. Unbewirtschaftete Felder sind der perfekte Ort für das Aufziehen der Jungtiere, doch während vor dreißig Jahren ungefähr jedes zehnte Feld brach lag, sind es heute nicht einmal zwei Prozent. Gleichzeitig nimmt der Anbau von Wintergetreide wie Mais zu, was problematisch für die Feldlerche ist, da diese Sorten zu hoch und dicht wachsen, um Landemöglichkeiten zu bieten. Grünland wird so oft gemäht oder beweidet, dass die Nester immer wieder zerstört werden. Das Resultat: Statt dreier Bruten kann meist nur noch eine aufgezogen werden – wenn überhaupt. Hinzu kommt Nahrungsmangel durch die großflächige Verwendung von Pestiziden.

Schutz auf dem Tempelhofer Feld

Helfen kann nur eine Feldbestellung, die auf die Brutzeit der Feldlerchen abgestimmt ist, allerdings würde das mit Ertragseinbußen einhergehen. Nur wenige Landwirte sind bereit, diesen Preis zu zahlen.

Aber es gibt auch positive Beispiele: Auf dem Tempelhofer Feld wurde die Feldlerche zur Leitart ernannt. Das bedeutet, dass das gesamte Management des Biotops auf die Bedürfnisse des Vogels angepasst ist. Dementsprechend ist die Feldlerche der Hauptgrund, warum das Feld nicht bepflanzt wird und die Grünflächen während ihrer Brutsaison abgesperrt sind. Einmal im Jahr wird danach die gesamte Fläche gemäht, um einer Waldbildung entgegenzuwirken. Dank dieser Schutzmaßnahmen lebt ein Viertel aller Berliner Feldlerchen auf dem Flughafengelände.

Alena Schmidbauer

Weitere Informationen: www.vogel-des-jahres.de, Tel. (030) 2849840


Schachbrett en miniature

Aus DER RABE RALF Februar/März 2019, S. 13

Der Schachbrettfalter ist Schmetterling des Jahres 2019

Männliches Schachbrett. (Foto: Charles J. Sharp, CC BY-SA 4.0)

Ende November letzten Jahres wurde der Schachbrettfalter zum Schmetterling des Jahres 2019 gekürt. Zuständig für die Wahl sind seit 2003 die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen und die BUND NRW Naturschutzstiftung. Die Naturschützer möchten mit der Auszeichnung auf die Bedrohung der Schmetterlingsart durch die intensive Landwirtschaft aufmerksam machen. Denn entscheidend für das Vorkommen dieses Falters sind nährstoffarme, blütenreiche Wiesenbereiche, die bis Ende Juli nicht gemäht werden. Nur hier lassen die Weibchen ihre Eier einzeln zu Boden fallen, teilweise während des Fluges. Durch Düngung und frühe Mahd sind solche Wiesen in vielen Teilen Deutschlands selten geworden.

Von Nordspanien bis zum Bosporus

Melanargia galathea, so der wissenschaftliche Name des Tieres, kommt in weiten Teilen Europas und im nördlichen Afrika vor. Im Norden reicht das Verbreitungsgebiet bis in den Süden Englands. In Südosteuropa scheint die Meerenge des Bosporus ein Verbreitungshemmnis zu sein. In Deutschland ist die Art derzeit noch nicht gefährdet, aber rückläufig.

Die Art lebt in grasbewachsenen Gegenden, beispielsweise auf Wiesen und Lichtungen, sowie an Straßenrändern und Böschungen. Bevorzugt werden Standorte mit kalkigem Boden, auch Kalkmagerrasen an sonnigen Hängen sind gefragt.

Dank seines einzigartigen Flügelmusters ist der Schachbrettfalter auch für Laien recht gut von anderen Arten zu unterscheiden. Die Flügel sind auf der Oberseite intensiv schwarzbraun und weiß gefärbt und wirken daher wie ein Schachbrett. Die schwarze „Aderung“ der Flügel unterstreicht diesen Eindruck noch. Die Flügelunterseite ist zwar ebenso gefleckt, aber weniger kontrastreich. Sie wird von runden „Augenflecken“ gesäumt. Die Art bildet regionale Eigenformen aus. Mit einer Spannweite von 40 bis 50 Millimetern gehört das Schachbrett zu den mittelgroßen Tagfaltern.

Vorliebe für Violettes

Schachbrettfalter bekommt man hierzulande von Ende Juni bis August zu Gesicht, die Raupen krabbeln in der neuen Generation ab September und nach der Überwinterung bis in den Juni.

Die anfangs rosa gefärbten Raupen verbringen die kalte Jahreszeit in der lockeren Wiesenstreu am Erdboden, ohne vorher Nahrung aufzunehmen. Erst im März des neuen Jahres beginnen sie an verschiedenen Gräsern zu fressen. Ältere Raupen sind dicht behaart und entweder graubraun oder grün gefärbt. Zunächst sind die bis zu 30 Millimeter langen Raupen tagaktiv, später fressen sie nur noch nachts.

Ab Mai verpuppen sich die Tiere in einem unscheinbaren Gespinst aufrecht an einem Grashalm. Die Puppe des Schachbrettfalters ist weißlich bis ockerbraun gefärbt und besitzt zwei charakteristische, fast schwarze Augenpunkte. Nach wenigen Wochen schlüpfen ab Mitte Juni die voll entwickelten Schmetterlinge und ernähren sich dann hauptsächlich vom Nektar violetter Blüten wie Flockenblume, Kratzdistel oder Skabiose.

Zum Schutz des auch Damenbrett genannten Falters ruft die BUND NRW Naturschutzstiftung dazu auf, Wiesen mosaikartig zu mähen und Randstreifen von Bahndämmen, Feldwegen oder Gräben stehen zu lassen. Im Siedlungsbereich können Gartenbesitzer nährstoffarme und trockenwarme Wiesen für den Falter anlegen. Da Schachbrettfalter schon auf kleinen Flächen in größerer Anzahl leben können, helfen bereits solche kleinen Inseln, die Art zu erhalten.

Jörg Parsiegla

Weitere Informationen: www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de


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