ZeitzeicheN in einer Zeit der Zeichen

Aus DER RABE RALF Oktober/November 2020, Seite 2

Beim Netzwerk21Camp in Nürnberg wurde zum 14. Mal der Deutsche Lokale Nachhaltigkeitspreis „ZeitzeicheN“ vergeben

Der ZeitzeicheN-Preis für lokales Nachhaltigkeitsengagement. (Foto: GRÜNE LIGA Berlin e.V.)

„Die Zeichen der Zeit erkennen“, also Geschehnisse und Entwicklungen richtig zu verstehen und entsprechend zu handeln, ist eine Redewendung, die wohl auf einen Vers aus dem Matthäusevangelium zurückgeht. Die Gegner von Jesus verlangen von ihm ein sichtbares Zeichen im Himmel als Beweis für seinen göttlichen Auftrag. Dass Gottes Sohn für Wundertaten auf Bestellung nicht zu haben ist, verwundert nicht. Stattdessen tadelt er seine Widersacher für ihre banale Oberflächlichkeit und dafür, dass sie zwar aus der Farbe des Himmels einen Wetterwechsel ablesen können, aber den wirklich tiefgreifenden Wandel in der Welt nicht erkennen.

Die Lektüre des biblischen Gleichnisses zeigt, dass der Name des Deutschen Lokalen Nachhaltigkeitspreises – ZeitzeicheN – auch im 14. Jahr seines Bestehens treffend gewählt und zeitlos ist. Denn die Aktiven, die am 16. September in Nürnberg für ihr vorbildhaftes Engagement ausgezeichnet wurden, wissen längst um die dringende Notwendigkeit, unsere Gesellschaft, unseren Lebensstil und unseren Umgang mit der Umwelt angesichts von Erderhitzung, Artensterben und massiven sozialen Verwerfungen nachhaltig zu gestalten. Um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, gibt es viel zu tun. Dass wir aber auch viel tun können, jetzt und hier, zeigen die Aktivitäten der ZeitzeicheN-PreisträgerInnen.

Preise nach Berlin, Bonn, Basedow und Weimar

Für ihr „Möhrchenheft“ wurde Ecodesign aus Weimar ausgezeichnet. Das nachhaltige Hausaufgabenheft  erweitert das Bildungsangebot im Grundschulbereich durch kindgerechte und alltagsnahe Aufbereitung von Themen wie Klimaschutz, fairer Handel oder nachhaltige Ernährung und vermittelt nachhaltige regionale Angebote.

Regionale Nachhaltigkeit voranzubringen ist auch das Anliegen der Vermarktungsinitiative Meck-Schweizer. Auf der Handelsplattform vernetzen sich bereits über 200 Unternehmen, die in der Mecklenburgischen Schweiz und Umgebung produzieren, verarbeiten und handeln.

Der Wissenschaftsladen Bonn wurde für das bundesweite Modellprojekt PikoPark ausgezeichnet. Hier planen Wohnungsunternehmen und Mieter gemeinschaftlich die Gestaltung des Wohnumfeldes und wandeln unternehmenseigene Flächen in kleine naturnahe Parks um.

Für die Förderung von Kleinbäuerinnen im brasilianischen Amazonasgebiet erhält die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt den ZeitzeicheN-Preis in der Kategorie Internationale Partnerschaften.

„Too Good To Go“ aus Berlin setzt sich seit 2015 gegen Lebensmittelverschwendung ein. Über die gleichnamige Smartphone-App können  Betriebe wie Bäckereien, Restaurants, Cafés, Hotels und Supermärkte ihr überproduziertes Essen zu einem vergünstigten Preis zum Selbstabholen abgeben.

Sonderpreis an Nürnbergs Nachhaltigkeitsszene

Gleich fünf Projekte aus Nürnberg wurden außerdem mit einem Sonderpreis geehrt. Mit der Entscheidung wollte die Jury auf die besonders lebhafte und vielfältige Nachhaltigkeitslandschaft der Stadt aufmerksam machen und noch einmal betonen, wie wichtig partnerschaftliches Engagement von Beteiligten aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft für das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele sind. 

In den Tagen des Netzwerk21Camps gingen die apokalyptisch anmutenden Bilder eines tieforangen Himmels über Kalifornien um die Welt, verursacht durch Waldbrände beispiellosen Ausmaßes aufgrund der lang anhaltenden Dürre und Hitze im Westen der USA. Klimakrise live und in Farbe: Vielleicht brauchen Menschen  manchmal doch erst ein sichtbares Zeichen am Himmel, bevor sie wirklich verstehen. Wenn wir dann auch entsprechend handeln, hätten wir uns alle gemeinsam eine Auszeichnung verdient. Es geht um nicht weniger als die Zukunft.

Christian Lerche

Weitere Informationen:
www.netzwerk21camp.de
Tel. (030) 4433910

Der ZeitzeicheN-Preis wurde gefördert durch die Engagement Global gGmbH mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt aus Mitteln des Bundesentwicklungsministeriums. Das Netzwerk21Camp wurde gefördert durch das Umweltbundesamt mit Mitteln des Bundesumweltministeriums.


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