Obstsalat

Aus DER RABE RALF Februar/März 2022, Seite 14

In 80 Nutzpflanzen um die Welt – Teil 4: Obst

Wassermelonen, gemalt von Giovanni Stanchi um 1660. (Bild/​Ausschnitt: Wikimedia Commons)

Im vierten Teil unserer Reise wird es süß. Geht es diesmal um Zucker? Nein, um Obst, aber das ist süß und lecker – und der Grund, weshalb wir solche Schleckermäuler sind.

Leckeres, süßes Obst wie Erdbeeren oder Bananen – wer kann da widerstehen? Das ging schon den frühen Menschen so. Für sie war der süße Geschmack vermutlich ein wichtiger Indikator für energiereiche Nahrung. Beim Sammeln wurden bevorzugt süße, also reife Früchte gesucht, damit die Energie, die fürs Sammeln aufgewendet wurde, sich auch richtig lohnte.

Die Kultivierung passierte erst später – zumindest verglichen mit unseren Grundnahrungspflanzen, die seit mehr als 10.000 Jahren angebaut werden. Weintrauben wurden vermutlich schon vor 6000 bis 8000 Jahren kultiviert, Birnen vor 5000 und Erdbeeren vor mehr als 1000 Jahren. Wer sehen möchte, wie sehr sich unsere Obstpflanzen allein in den letzten 500 Jahren verändert haben, kann sich mal das eine oder andere Stillleben in einem Kunstmuseum anschauen. Dabei stößt man vielleicht auf ein Gemälde wie „Wassermelonen, Pfirsiche, Birnen und andere Früchte in einer Landschaft“ von Giovanni Stanchi aus dem 17. Jahrhundert und stellt fest, dass die Wassermelone damals noch gar nicht so schön gleichmäßig rot war, wie wir sie heute kennen (Bild oben). Auch ein Blick auf die Wildbanane lohnt sich (Bild unten). Manche hätten wohl Schwierigkeiten, sie überhaupt als Banane zu erkennen.

Wilde Banane: Unreif angeschnitten, zeigen sich viele große, harte Samenkerne. (Foto: Warut Roonguthai/​Wikimedia Commons)

Obst im Glas

Als die Kultivierung der wilden Weintraube im Mittelmeerraum und in Asien begann, hatte diese noch mehr Kerne als Fruchtfleisch. Die vergorenen wilden Trauben schmeckten außerdem lecker und die Weinherstellung begann. Der älteste Nachweis für Wein ist knapp 8000 Jahre alt. Die Gefäßfragmente mit den Spuren wurden in der Nähe der heutigen georgischen Hauptstadt Tbilissi entdeckt. Der zweitälteste Nachweis stammt aus China.

Mit den immer stärker verzweigten Handelsrouten und der Migration im späten Mittelalter kam der Wein auf alle Kontinente. Bekannte Weinanbaugebiete gibt es heute mit Ausnahme von Asien auf jedem Kontinent, nichtsdestotrotz liegt China heute auf Platz zehn der weltweiten Weinproduktion.

Südafrika nimmt Platz sieben ein. Der Weinbau hat dort in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung gewonnen. Deutschland ist nach Großbritannien der zweitwichtigste Abnehmer. Viele der Weinberge und Plantagen gehören weißen Zugewanderten, während die Arbeit überwiegend von schwarzen Einheimischen geleistet wird. Die Arbeitsbedingungen sind, wie in den meisten Bereichen der Landwirtschaft, hart und ungerecht. Auch im Weinberg werden viele Pestizide eingesetzt. Sie machen die Arbeiter*innen krank und schaden der Umwelt. Dazu kommt die soziale Ungleichheit. Importländer wie Deutschland bestimmen den Preis und damit auch den Lohn. Erklärungen von hiesigen Discountern, dass faire Löhne gezahlt würden, sind der blanke Hohn, denn die Verantwortung dafür wird an die Produzenten und Ursprungsländer abgeschoben – das gilt nicht nur für Südafrika. Wie bei Kaffee und Co. gibt es natürlich auch hier Ausnahmen. So ist Stellar Organics, das erste Fairtrade-zertifizierte Bioweingut weltweit, ein südafrikanisches Projekt. Ein Teil der Erlöse fließt in die Dörfer und Townships und hilft das Sozialgefüge zu verbessern. Dies ist jedoch bei Weitem noch nicht die Regel.

Gleichzeitig ist der „junge“ Wirtschaftszweig auch in Südafrika durch den Klimawandel bedroht. Der Weinanbau steht wie in vielen anderen Ländern vor großen Herausforderungen. Die Dürren der letzten Jahre und die steigenden Temperaturen machen ihm zu schaffen. In Südafrika werden die angebauten Sorten einen Wechsel erleben, statt Chardonnay wird künftig wohl eher Cabernet Sauvignon angebaut werden. Der Klimawandel hat zudem Einfluss auf Schädlinge und Krankheiten, die sich zumeist noch stärker verbreiten, was wiederum den Einsatz von Pestiziden erhöhen könnte.

Süße Früchte zu jeder Zeit

Weintrauben werden aber nicht nur zu Wein verarbeitet. Wie viele andere Früchte können wir sie inzwischen das ganze Jahr über im Supermarkt kaufen. Irgendwo auf der Welt hat unsere Lieblingsfrucht immer „Saison“ – oft allerdings mit etwas Hilfe. Die weit gereisten Früchte könnten nicht selten spannende, oft auch traurige und schreckliche Geschichten erzählen: von Giften auf Ananasplantagen in Costa Rica, wo einmal die Woche sauberes Wasser für die Dorfbevölkerung angeliefert werden muss, oder von den dramatischen Arbeitsbedingungen auf den Erdbeerplantagen in Marokko – und natürlich von den langen Transportwegen, die nicht nur Treibstoff verbrauchen, sondern auch Lebensmittelabfall produzieren.

Anke Küttner

In der übernächsten Ausgabe geht es in unserer siebenteiligen Reihe um Samen und Nüsse.

Das Projekt „In 80 Nutzpflanzen um die Welt“ wird durch Engagement Global mit Mitteln des Bundesentwicklungsministeriums gefördert.

Weitere Informationen: 80nutzpflanzen.grueneliga-berlin.de


Wettbewerb

Aus dem Leben einer Gurke

Vielleicht ist deine Lieblingsnutzpflanze ein Obst wie Horngurke, Melone oder Erdbeere? Vielleicht magst du auch Möhre, Kakao oder Cashew am liebsten? Zeig uns, wie dein Liebling angebaut wird und wie die Pflanze zu uns auf den Teller oder in die Tasse kommt! Mach bei unserem Wettbewerb mit und erzähle ihren Lebensweg.

Wie? Das ist dir überlassen. Alles ist erlaubt, egal ob gemalt, fotografiert, gefilmt oder geschrieben – als Comic, Gedicht, Collage oder etwas ganz anderes.

Bis zum 31. August kannst du mitmachen. Dein Einsatz wird natürlich auch belohnt. Die besten Beiträge werden veröffentlicht und es gibt tolle Sachpreise zu gewinnen.

Weitere Informationen und Kontakt: 80nutzpflanzen.grueneliga-berlin.de
E-Mail: umweltbildung@grueneliga-berlin.de

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