Eine heilende Blume, die überall ist

Aus DER RABE RALF August/September 2023, Seite 8

Die Kleine Braunelle ist Blume des Jahres 2023

Kleine Braunelle (Foto: Ivar Leidus/​Wikimedia Commons)

Die Kleine Braunelle (Prunella vulgaris), auch Gewöhnliche Braunelle oder Gemeine Braunelle genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler und gehört damit in die weitere Verwandtschaft von Taubnessel, Thymian, Salbei, Gundermann und Minze. Sie kommt vor allem in Europa, im gemäßigten Asien sowie in Nordafrika und Nordamerika vor. Ihren Gattungsnamen Braunelle (Prunella) muss sich die Blume mit einer Gattung der Sperlingsvögel teilen.

Die vielen kleinen blauvioletten Einzelblüten, die gedrängt am Ende des Sprosses sitzen, bieten während der langen Blütezeit von Mai bis Oktober Nektar und Pollen. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln und andere Hautflügler. Während der Fruchtzeit ist der Kelch abgeflacht mit geschlossenem Schlund. Die Klausenfrucht zerfällt in vier Bestandteile, sogenannte Klausen. Diese hellbraunen, glänzenden und glatten Nüsschen verschleimen, wenn sie feucht werden.

Der Name Braunelle bezieht sich auf die braune Farbe der verblühten Kelchblätter, die die blauvioletten Kronblätter umschließen und den Blütenstand wie einen kleinen Tannenzapfen aussehen lassen. Die Stängel können grün oder purpurfarben bis rötlich-bräunlich sein. Der Blattrand ist glatt bis gewellt oder unregelmäßig, meist schwach gekerbt oder seicht gezähnt. Die Blattflächen sind kahl oder auch weiß behaart, dies aber nur spärlich, kurz und angedrückt.

Bedroht durch Gifte und Mähen

Die Kleine Braunelle ist eine immergrüne, meist ausdauernde krautige Pflanze. Sie überlebt auch auf gemähtem Rasen und toleriert den Fraß und Tritt durch Vieh auf Weiden. Trotzdem sind die Bestände in den letzten Jahrzehnten regional zurückgegangen. Zu häufiges Mähen gibt der Braunelle zu wenig Zeit, um zu wachsen und Blüten und Samen ausbilden zu können. Auch die Unkrautbekämpfung durch Gifte und mechanische Verfahren trägt zum Rückgang bei.

Prunella vulgaris wurde schon im Mittelalter in der Heilkunde verwendet, vor allem zur Behandlung von Diphtherie. Sie enthält Tannin, Flavonoide, Terpene, Saponine und andere wirksame Bestandteile. In Asien ist sie eine traditionelle Heilpflanze. Eventuelle adstringierende Anwendungen sind durch die enthaltenen Gerbstoffe erklärbar, und die Terpene wirken genauso wie in anderen ätherischen Ölen. Die in der Kleinen Braunelle enthaltene Rosmarinsäure wird in der Kosmetikindustrie für Präparate zum Schutz der Haut vor UV-Strahlung verwendet. In Studien wurde die Wirksamkeit gegen Herpes-simplex-Stämme gezeigt, die gegen Aciclovir resistent waren.

Maiia Davletkhanova

Weitere Informationen: www.loki-schmidt-stiftung.de

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