Geringverdiener sind Umweltretter

Aus DER RABE RALF Juni/Juli 2022, Seite 23

Die Umweltbelastung steigt mit dem Einkommen, ergibt eine Studie des Umweltbundesamtes

 

Karikatur: Freimut Wössner

Wer mehr verdient, lebt meist umweltschädlicher, zum Beispiel durch mehr CO₂-Emissionen oder höheren Ressourcenverbrauch. Das hat eine Studie des Umweltbundesamtes ergeben. Es gibt zwei wesentliche Treiber dieser Entwicklung: mehr Mobilität und größere Wohnungen.

Wohnung, Auto, Flugreisen

Laut der Studie fahren Besserverdienende öfter mit dem Auto, unternehmen mehr Flugreisen und nutzen größere Wohnflächen. Die Spirale von wachsendem Einkommen und Umweltbelastung muss nach Ansicht des Umweltbundesamtes durch eine Veränderung der Rahmenbedingungen durchbrochen werden, um die Klimaziele zu erreichen und den Verbrauch von Rohstoffen und Flächen zu verringern. Vor allem müssen der Studie zufolge umweltschädliche Formen der Mobilität teurer und dafür umweltfreundlichere Mobilitätsformen billiger und attraktiver werden.

In den letzten Jahren war das Gegenteil der Fall: Von 2010 bis 2018 stiegen die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr mehr als doppelt so stark wie die Kosten der Pkw-Nutzung. Allein durch ihr Mobilitätsverhalten verursachen Spitzenverdiener fast dreimal so viele Treibhausgase wie Niedrigverdiener.

Die Studie untersuchte die Umweltbeanspruchung durch Treibhausgasemissionen, Flächennutzung und Ressourcenverbrauch im Zusammenhang mit dem Einkommen und anderen wichtigen Einflussfaktoren wie Alter, Wohnortgröße oder Bildungsgrad. Bei den Treibhausgasemissionen spielt neben dem Einkommen auch die Größe des Wohnorts eine wichtige Rolle. Haushalte in Großstädten verursachen im Schnitt 15 Prozent weniger Treibhausgase als Haushalte in kleineren Orten. Grund dafür sind vor allem weniger Pkw-Fahrten und die geringere Wohnfläche.

Weniger wichtig: Alter und Bildung

Weniger entscheidende Faktoren sind Alter und Bildung. Haushalte mit älteren Mitgliedern belasten das Klima beim Wohnen etwas mehr – das liegt vor allem an größeren Wohnflächen und höheren Verbräuchen für Strom und Heizen. Bei der Mobilität ist es umgekehrt, weil ältere Menschen weniger reisen. Insgesamt sinken mit dem Alter die Treibhausgasemissionen.

Menschen mit hohem Bildungsabschluss – auch hier wurden ganze Haushalte untersucht – verursachen etwa zehn Prozent mehr Emissionen als einkommensgleiche Haushalte mit geringerem Bildungsniveau. Das liegt vor allem daran, dass Personen mit Hochschulabschluss häufiger Flugreisen antreten. Dagegen sind es beim Autofahren meist Haushalte mit mittlerem Bildungsniveau, die bei gleichem Einkommen die höchsten Emissionen aufweisen.

Reiche Länder in der Sackgasse?

Schon vor sechs Jahren hatte das Umweltbundesamt festgestellt, dass der Ressourcen- und Energieverbrauch nicht vom Umweltbewusstsein abhängt, sondern vom Einkommen. Menschen, die sich für umweltbewusst halten, verbrauchten oft sogar besonders viel (Rabe Ralf Oktober 2016, S. 3).

2012 ermittelten Forscher, dass kein Land der Welt hohe Einkommen mit einem niedrigen Treibhausgasausstoß vereinbaren konnte. Allerdings erreichten in einigen Ländern die Menschen mit niedrigen Einkommen und niedrigen Emissionen trotzdem einen hohen Lebensstandard. Die Forscher schlussfolgerten, dass in den reichen Staaten Wirtschaftswachstum keine positiven Wirkungen mehr hat.

Benjamin Sommer 

Studie und Zusammenfassung: www.uba.de/publikationen/keine-wende-in-sicht

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