Grüne Liga Berlin ganz groß

Aus DER RABE RALF August/September 2022, Seiten 8/9, 25

Endlich wieder Umweltfestival

Zehntausende waren zu Gast auf Europas größter ökologischer Erlebnismeile am Brandenburger Tor

Mareike Homann von der Grünen Liga Berlin klärt auf.
Mareike Homann von der GRÜNEN LIGA Berlin klärt auf. (Foto: Sebastian Hennigs)

Wasser – Elixier des Lebens! Unter diesem Motto strömten am 12. Juni Zehntausende Besucherinnen und Besucher aus aller Welt wieder auf die ökologische Festmeile am Brandenburger Tor. Mit rund 200 Ausstellungsständen, prominenten Gästen aus der Politik und viel guter Stimmung setzte das 27. Umweltfestival der Grünen Liga Berlin nach zwei Pandemiejahren die Tradition an der Straße des 17. Juni fort und machte Mut zum Mitmachen und Handeln.

 „Wir freuen uns sehr, dass nach zwei Jahren wieder so viele Menschen unserer Einladung gefolgt sind und ein ungebrochenes Interesse für Umwelt und Klimaschutz mitgebracht haben“, sagte Grüne-Liga-Geschäftsführerin Sandra Kolberg. „Wir wissen längst genug über unseren enormen Ressourcenverbrauch, das Müllproblem oder das rapide Artensterben. Ob Mobilität, Konsum oder Energiesparen – neben notwendigen politischen Weichenstellungen gibt es viele Dinge, die wir selbst auch im Privaten ändern können, um in der Summe positive Veränderungen für eine lebenswerte Zukunft zu erreichen.“

Fahrradsternfahrt, Erlebnisbauernhof und vegane Bühne

Das diesjährige Motto machte auf das kostbare Gut Wasser aufmerksam. Nicht nur im Programm der großen Bühne am Brandenburger Tor, auch an vielen Informationsständen und bei Aktionen wurde das Thema aufgegriffen. Für Höhepunkte auf der großen Bühne sorgten Talkrunden mit Umweltministerin Lemke und Landwirtschaftsminister Özdemir, Berlins Umweltsenatorin Jarasch und Umweltstaatssekretärin Karcher. Bei der Verleihung des Großen Preises wurde das Engagement der Gewinner*innen gewürdigt. Mit ihren Zukunftsvisionen zeigten sie eindrucksvoll, wie Umwelt- und Klimaschutz etwas bewegen können.

Das Umweltfestival 2022 war wieder ein großes umwelt- und familienfreundliches Fest. (Foto: Sebastian Hennigs)

Ein starkes Zeichen für Klimaschutz und Verkehrswende setzte wieder die große Fahrradsternfahrt des Radverkehrsverbands ADFC, die auf dem Umweltfestival endete. Gleich daneben hatte die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau einen „Bio-Erlebnis-Bauernhof“ zum Anfassen und Mitmachen auf die Straße des 17. Juni gestellt. Auch viele weitere Kinderaktionen machten das Umweltfestival wieder zu einem Fest für die ganze Familie. Die Älteren konnten fair und ökologisch einkaufen, neue Produkte testen und bei Kreativ- und Upcycling-Aktionen mitmachen.

Auf der zweiten, „kleinen“ Bühne wurde den ganzen Tag die vegane Ernährung in den Mittelpunkt gerückt. Das Bühnenprogramm wurde hier in diesem Jahr von Berlin-Vegan und der Albert Schweitzer Stiftung mit Unterstützung des Sponsors Veganz gestaltet.

Für die Grüne Liga Berlin war es ein gelungener und erfolgreicher Tag: „Wir bedanken uns bei allen, die das diesjährige Umweltfestival ermöglicht haben, und freuen uns auf das nächste Jahr, wenn es am 4. Juni 2023 wieder heißt: Umweltfreundlich feiern statt Stau am Brandenburger Tor.“

Gunnar Hamel

Weitere Informationen: www.umweltfestival.de


Ein letztes Mal?

Die Berliner Stadtnatur hat noch viel heimische Vielfalt zu bieten

Sand-Strohblume im Naturschutzgebiet Tegeler Fließ am Nordrand Berlins. (Foto: Michael Katzer/​Wikimedia Commons)

Der Sommer geht in die letzte Runde und auch die Berliner Pflanzen geben nochmal alles. Hitze und Trockenheit haben zwar vielen von ihnen stark zugesetzt, aber manche trotzen auch schwierigen Bedingungen. So gibt es noch zahlreiche Arten zu entdecken und manche von ihnen blühen jetzt erst so richtig auf – zum Glück, sonst wären Spätsommer und Herbst für viele Insekten kein Zuckerschlecken. Beispiele sind die Kanadische Goldrute – ein Neophyt, an dem sich aber viele Insekten noch einmal satt essen können – oder der Gemeine Efeu, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreuen und an vielen Orten in der Stadt zu entdecken sind. Der Efeu lockt mit seinem Nektar sogar Marienkäfer an, wenn die Blattlausquelle im Herbst versiegt.

Andere sind etwas schwieriger zu finden. Zwei speziellere spätblühende Berliner Pflanzen, die auch beim Grüne-Liga-Artenbingo (Rabe Ralf Juni 2022, S. 25) gefunden werden sollen, sind die Schwarze Königskerze und die Sand-Strohblume. Beide fangen zwar schon im Juni an zu blühen, tun dies aber bis fast in den Herbst. Sie sprießen auf Schotter, Trockenwiesen oder am Wegesrand, brauchen wenig Wasser und sind auch sonst anspruchslos. Vor allem die Sand-Strohblume mag es dabei nährstoffarm und wird von anderen Pflanzen schnell verdrängt, wenn zu viele Nährstoffe eingetragen werden, wie es in der Stadt oft der Fall ist. Einer der Gründe sind die vielen Berliner Hunde, die mit ihren Hinterlassenschaften zu einem Stickstoffüberangebot beitragen, sowohl am Wegesrand als auch in Naturschutzgebieten.

Jetzt noch erspähen

Wer bei der Fahrt mit der S-Bahn aus dem Fenster schaut, kann die Schwarze Königskerze vielleicht entdecken. Sie blüht an sonnigen Stellen entlang von Bahngleisen. Aber auch auf dem Tempelhofer Feld und im Naturschutzgebiet Biesenhorster Sand zwischen Tierpark und Wuhlheide ist sie ein typischer Vertreter. Man erkennt sie leicht an ihrer geraden, hohen Wuchsform, mit der sie nicht selten die Pflanzen um sie herum überragt. Anders als bei anderen Königskerzen erscheinen ihre gelben Blüten in der Mitte dunkel.

Demgegenüber kommt die Sand-Strohblume nicht nur kleiner und unscheinbarer daher, sie wirkt auf den ersten Blick auch so, als ob sie vertrocknet ist. Erspähen lässt sie sich vielleicht auf dem Tempelhofer Feld und im Biesenhorster Sand, dort ist sie eine häufige Vertreterin im offenen sandigen Bereich. Sie ist eine Zeigerpflanze für Sand, Licht und Trockenheit. Mal von den Nährstoffen abgesehen, ist sie somit eigentlich ideal geeignet für Bedingungen, wie sie in Berlin immer häufiger werden.

Also jetzt noch schnell die Kamera schnappen und auf Pflanzenpirsch gehen! Wer mindestens sechs der zwölf gesuchten Pflanzen entdeckt, kann gewinnen. Und auch wenn manches schon verblüht ist – macht nichts. Jedes Foto einer korrekt identifizierten Pflanze zählt, auch das vertrocknete Hirtentäschel oder die verblühte Wilde Möhre. Als Erkennungshilfe sind auf der Artenbingo-Website die Pflanzen im Porträt zu finden. Einsendeschluss ist der 30. September.

Anke Küttner, Lena Assmann 

Artenbingo-Teilnahmebedingungen und weitere Informationen: artenvielfalt.grueneliga-berlin.de

Das Projekt „Heimische Artenvielfalt vor der Tür“ wird von der Senatsumweltverwaltung gefördert.


Zusammen radeln – gemeinsam gärtnern

Eine Fahrradtour zu den Gemeinschaftsgärten in Marzahn-Hellersdorf

Unterwegs mit dem Rad zu Gemeinschaftsgärten in Marzahn und Hellersdorf. (Foto: Ines Fischer)

Zum Langen Tag der Stadtnatur am 11. und 12. Juni gab es ein berlinweites buntes Angebot zum Kennen- und Schätzenlernen der vielseitigen Stadtnatur. Die Grüne Liga Berlin nutzte den Anlass für eine Radtour durch Marzahn-Hellersdorf im Rahmen ihres Projekts „Gemeinsam gärtnern, zusammen wachsen“. In Kooperation mit dem Fahrrad-Club ADFC waren Interessierte eingeladen, auf einer etwa 15 Kilometer langen Strecke den weitläufigen Bezirk zu entdecken. Abseits großer Straßen führte die Tour vorbei an Parks, Wiesen und Gewässern.

Auf mehreren Stopps wurden grüne Orte des Bezirks vorgestellt, die zum Kennenlernen und Pausieren einladen, beispielsweise der Bienenlehrgarten des Imkervereins Wuhletal, der Kienberggarten hinter dem Umweltbildungszentrum im Kienbergpark, der Naschgarten als einer der drei Paradiesgärten oder das Stadtwerk mrzn am Otto-Rosenberg-Platz. Trotz unterschiedlicher Standorte, Konzepte und Teams war schnell zu erkennen: Alle Projekte zeichnen sich durch die Begeisterung und Nähe zur Natur aus und durch den Wunsch, grüne Orte zum Austausch und Lernen zu erschaffen. Die Verantwortlichen freuten sich über den Besuch und berichteten gern von den vielfältigen erfolgreichen Projekten, aber auch über Schwierigkeiten, beispielsweise den nötigen Umzug des Stadtwerks mrzn, das die Fläche neben dem Don-Bosco-Zentrum noch dieses Jahr räumen muss.

Gutsgarten Hellersdorf: Umgetopft und angewachsen

Ein Stopp auf der Tour wurde auch im Gutsgarten Hellersdorf eingelegt. Nahe dem historischen Dorfkern liegt der Garten auf dem Gelände des ehemaligen Guts Hellersdorf – bisher noch umgeben von einer großen Baustelle. Hier soll das Quartier „Stadtgut Hellersdorf“ entstehen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gesobau plant hier neben 1.500 Wohnungen, von denen ein großer Teil gefördert sein wird, Platz für Kultur und Gewerbe. Die denkmalgeschützten Gutsgebäude und viele der vorhandenen Grünflächen sollen erhalten werden.

Üppige Hochbeete im Gutsgarten. (Foto Margit Lilli)

Auf einer dieser Freiflächen hat der Gutsgarten Hellersdorf sein Zuhause gefunden. Der Garten wurde vom Prinzessinnengarten-Kollektiv Berlin initiiert. Die namensgebenden Prinzessinnengärten, die sich seit 2009 am Moritzplatz in Kreuzberg befanden, sind inzwischen auf den Neuen St.-Jacobi-Friedhof in Neukölln umgezogen. Der Hellersdorfer Gutsgarten existiert seit 2016 und lädt seitdem Interessierte aus nah und fern zum Verweilen und Gärtnern ein. Nach einem Standortwechsel im vergangenen Jahr liegt der Gemeinschaftsgarten jetzt nordwestlich des Gutsgeländes. Neben 60 Hochbeeten und 15 Fässern zur Bepflanzung stehen auch ein Multifunktionsraum, eine Werkstatt und eine Küche zur Verfügung. Viel Platz also für Ideen und Veranstaltungen.

Alle Beete werden mit essbaren Pflanzen bepflanzt und gemeinschaftlich bestellt, private Pachtbeete werden nicht angeboten. Was gepflanzt und später geerntet wird, wird gemeinsam entschieden. Der dafür erforderliche Einigungsprozess und die geteilte Verantwortung sind gewollt, sie stärken die Gemeinschaft. Als Belohnung wird natürlich auch die Ernte geteilt und gemeinsam freudig verzehrt. Während der Gartensaison finden zweimal wöchentlich öffentliche Gartenarbeitstage statt, zu denen alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

Stadtnatur als Rückzugsort

Gemeinschaftsgärten erfüllen im städtischen Raum viele Funktionen. Sie bieten einen Ort für Gemeinschaft und können zum Anbau eigener Nutzpflanzen dienen. Themen wie nachhaltige Ernährung und Umweltbildung bekommen hier Raum und ein Gesicht. Bei ihrem Besuch im Gutsgarten wurden die Teilnehmenden der Fahrradtour eingeladen, den Garten ganz bewusst und in Stille auf sich wirken zu lassen. Den Verantwortlichen war es ein Anliegen, einen Rückzugsort zu schaffen, in dem sich Hektik und Alltagsstress der Großstadt ausblenden lassen. Hier gibt es die Möglichkeit, sich Zeit zum Ankommen zu nehmen und sich der Natur verbunden zu fühlen, umgeben von der Hochhauskulisse Marzahns. Orte wie der Gemeinschaftsgarten Hellersdorf tragen viel dazu bei, kleine Oasen zu schaffen, in denen sich alle eingeladen und willkommen fühlen.

Margit Lilli

Lust, die Radtour nachzufahren? Routenbeschreibung:
www.dein-marzahn-hellersdorf.berlin/radtour-garten-paradies

Gutsgarten Hellersdorf: www.prinzessinnengarten-kollektiv.net/gutsgarten

 „Gemeinsam gärtnern, zusammen wachsen“: www.urbanegaerten.grueneliga-berlin.de


Bunter Sommer im Grünen Kassenzimmer

Vielfältiges Ferienprogramm auf der Landesgartenschau in Beelitz

Unsere Freundinnen, die Pflanzen. (Foto: Mareike Homann)

Schon mehr als die Hälfte der Sommerferienzeit ist rum, genauso wie die Zeit im „Grünen Klassenzimmer“ auf der Landesgartenschau in Beelitz. Allein bis zum Ferienstart fanden 165 Veranstaltungen statt. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht! Es kommen Gruppen aus Beelitz, aus ganz Brandenburg und Berlin. Über 3000 Kinder und Jugendliche haben die von der Grünen Liga Berlin organisierten Umweltbildungsangebote bereits wahrgenommen.

Die brandenburgische Landesgartenschau verspricht nicht nur Erwachsenen ein Gartenfest für alle Sinne. Im Grünen Klassenzimmer nehmen Kinder und Jugendliche die Natur ganz genau unter die Lupe und betrachten die Gartenschau aus neuen Blickwinkeln. Neben einer Vielfalt an buchbaren Workshops für Kitas und Schulklassen erwartet die Besucher*innen über die gesamten Sommerferien ein buntes Familienprogramm.

Kostenfreie Mitmachaktionen

Im Juli begannen die sechs Themenwochen. Seitdem werden junge Menschen hier kreativ mit der Natur, verwandeln sich in Artistinnen, Clowns und Akrobatinnen, erforschen Naturräume, lernen grüne Berufe kennen und gehen der Herkunft ihrer Kleidung auf den Grund. Der Juli startete mit einem kreativen Insekten-Tag, es folgten die Schwerpunkte Upcycling und Naturkunst. Die kostenfreien Mitmachaktionen im Grünen Klassenzimmer finden immer dienstags bis donnerstags von 12 bis 14 Uhr im Slawendorf statt.

Jessica Gadzikowski

Weitere Informationen, Termine und Startzeiten: www.laga-beelitz.de/veranstaltungen

Ferienprogramm im August

2.-4.8. Kreativ im Grünen Klassenzimmer – spielerisch Natur erfahren

9.-11.8. Zirkus im Grünen: Manege frei für Nachwuchs-Clowns und Clowninnen, Artistinnen und Balancekünstler

16./17.8. Textilwerkstatt: Vom Schaf zum Garn

18.8. Upcycling-Textilwerkstatt

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