Baum des Jahres und Vogel des Jahres

Aus DER RABE RALF Dezember 2021/Januar 2022, Seite 9

Doppelte Preisträgerin

Die Rotbuche ist Baum des Jahres 2022 – Buchenwälder sind durch den Klimawandel in Gefahr

Rotbuche in Berlin zur Herbstzeit. (Foto: Alexis Orion/​Wikimedia Commons)

Mit der Wahl zum „Baum des Jahres“ sollen die Menschen über den gesellschaftlichen Wert und die Eigenschaften von Bäumen aufgeklärt werden. Auch auf Auswirkungen des Klimawandels wollen die rund 30 beteiligten Umweltorganisationen hinweisen. Die Rotbuche (Fagus sylvatica) hat nun den Titel bereits zum zweiten Mal verliehen bekommen – eine Premiere.

Schon 1990 war die in Europa dominierende Buchenart „Baum des Jahres“. Ihren Namen trägt die Rotbuche aufgrund ihrer leicht rötlichen Holzfärbung. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Süd-Skandinavien bis Sizilien sowie vom nördlichen Teil der Iberischen Halbinsel bis zum Schwarzen Meer. In Deutschland macht der wachsende Buchenbestand etwa 15 Prozent der gesamten Waldfläche aus und ist der vorherrschende natürliche Vegetationstyp.

Gefährdung trotz Schutz

Der Bestand der Rotbuchen wurde in den letzten Jahrzehnten durch den Menschen stark dezimiert. Aus Daten des „Alternativen Waldzustandsberichts“ geht hervor, dass alle natürlichen Waldtypen mit Buchen im Bestand als „stark gefährdet“ eingestuft werden müssen. Artenreiche Buchenwälder sind heute eine Seltenheit, obwohl die Europäische Union vor zwei Jahrzehnten die auch von Naturschützern gelobte „Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen“, kurz Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, in Kraft gesetzt hat.

Auch das EU-Rahmengesetz kann nicht verhindern, dass die Rotbuchenbestände durch den Klimawandel gefährdet sind. Immer häufigere und schwerere Wetterextreme wie Dürre- und Hitzeperioden ziehen die Buchen in Mitleidenschaft. Durch Verluste im Feinwurzelbereich werden die Bäume geschwächt, wodurch sie anfälliger für Schädlings- und Pilzbefall sowie Krankheiten werden. Die in Schutzgebieten gesicherten naturnahen Buchenbestände machen laut dem Zustandsbericht lediglich 0,3 Prozent der bundesweiten Waldfläche aus.

Wald als Rückgrat in der Krise

Die Entwicklung ist alarmierend, gerade auch, wenn es um die klimatischen Funktionen des Waldes geht. Die Blätter der Waldbäume filtern klimaschädliches CO₂ und zerlegen es in Kohlenstoff und Sauerstoff. Während sie den Sauerstoff wieder abgeben – für Mensch und Tier bekanntlich ein überlebensnotwendiges Element –, lagern die Bäume den Kohlenstoff im Holz ein. Werden Bäume alt und sterben ab, wird der Kohlenstoff bei der Zersetzung des Holzes in Form von Kohlendioxid wieder an die Luft abgegeben, was zur Erderwärmung beiträgt. Noch viel schneller geschieht das aber, wenn der Wald abgeholzt und das Holz verbrannt wird.

Umso wichtiger ist eine nachhaltige und naturnahe Waldwirtschaft (Rabe Ralf Oktober 2021, S. 26), um für die Zukunft einen gesunden Wald zu erhalten, damit das Verhältnis zwischen Ökosystem und Mensch im Gleichgewicht bleibt.

Kaya Thielemann

Weitere Informationen:
www.baum-des-jahres.de
www.naturwald-akademie.org/alternativer-waldzustandsbericht


Ein überraschender Sieger

Zehntausende Naturfreunde wählten den Wiedehopf zum Vogel des Jahres 2022

Wiedehopf im Ruppiner Wald- und Seengebiet nordwestlich von Berlin. (Foto: Mario Steinke/​Wikimedia Commons)

„Upupup“, so ungefähr hört sich der Ruf des Wiedehopfs (Upupa epops) an, der mit 45.523 Stimmen zum Vogel des Jahres 2022 gewählt wurde. Bei 143.000 Teilnehmern der öffentlichen Vogelwahl machen diese Stimmen fast 32 Prozent aus, womit der Wiedehopf einen ziemlich großen Abstand zum zweitplatzierten Vogel, der Mehlschwalbe mit 24 Prozent, erzielte. Doch was macht den Wiedehopf aus? 

Ungewöhnliche Merkmale 

Wenn man den Wiedehopf mit den anderen nominierten Vögeln vergleicht, erkennt man sofort einige Unterschiede, und er sieht in der Gesamtkombination fast schon ein wenig sonderbar aus. Das fängt bei dem langen, gebogenen Schnabel an, der leicht an den eines Spechts erinnert. Markant sind vor allem die schwarz-weißen Flügel, die immer wieder gelbe Punkte einschließen. Zudem besitzt der Wiedehopf eine Federhaube, die er nach Belieben ausfahren kann und die bis zu sechs Zentimeter misst. So kommt es, dass der Wiedehopf, der in etwa so groß wie eine Drossel ist, deutlich größer wirkt. Ein stehender Wiedehopf misst von Schnabelspitze bis Schwanzende 28 Zentimeter.

Auch wenn der Vogel durchaus schön anzusehen ist, ist der Sieg eine kleine Überraschung. Denn obwohl er in Mitteleuropa durchaus bekannt ist, wird es schwer, ihn in freier Wildbahn zu finden. Das liegt vor allem daran, dass die Population seit den 1950er Jahren massiv zurückgegangen ist. 

Population erholt sich langsam  

Die Hauptgründe für den massiven Artenrückgang sind Biotopzerstörung und der umfangreiche Einsatz von Pestiziden. Diese Faktoren, in Verbindung mit einem stärker vom Atlantik beeinflussten Klima, haben stark zum Schrumpfen des Wiedehopfbestands beigetragen. Während er in einigen europäischen Ländern als ausgestorben gilt, in anderen auf der „Roten Liste“ für bedrohte Tierarten steht, scheint der Wiedehopf auch hier und da zurückzukehren. Im Süden von England und Schweden erholen sich zum Beispiel einige Kleinpopulationen wieder. In Deutschland befindet sich der Wiedehopf auf der Roten Liste in der Kategorie 3 („gefährdet“), zwischen 2005 und 2009 wurde der Bestand auf 650 bis 800 Brutpaare geschätzt.

Umso besser ist es, dass der Wiedehopf durch den Titel ein wenig Aufmerksamkeit erhält. Das Interesse beschränkt sich nicht auf Deutschland, schließlich wurde der Wiedehopf 2014 in Armenien, 2015 in Ungarn und 2016 in Russland zum Vogel des Jahres gewählt, zudem ist er Nationalvogel von Israel. Auch war es nicht der erste Sieg des Wiedehopfs in Deutschland, da er bereits 1976 Vogel des Jahres war. Somit ist es an uns, dafür zu sorgen, dass das drollige Aussehen des Wiedehopfs auch unsere Nachkommen erfreuen kann.

Richard Sauer 

Weitere Informationen:
www.vogel-des-jahres.de

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