Nutztierrasse und Fisch des Jahres

Sympathische wollige Genossen

Aus DER RABE RALF April/Mai 2019, S. 10

Das Wollschwein ist die gefährdete Nutztierrasse des Jahres

Mangalitza-Wollschwein in Ungarn. (Foto: Jörg Parsiegla)

Mit dem Wollschwein steht im Jahr 2019 eine Nutztierrasse im Mittelpunkt, die auf der Roten Liste in der Kategorie „Rassen aus anderen Ländern“ aufgeführt ist. Das Wollschwein ist eine der ältesten rein erhaltenen Schweinerassen Europas.

Seine Heimat war das alte Österreich-Ungarn, wo die Rasse auch Schwalbenbauch-Mangalitza genannt wurde. Wegen der ausgezeichneten Speckqualität eroberten die Tiere Mitte des 19. Jahrhunderts halb Europa und zählten zeitweilig zu den meistgehaltenen Schweinen gleich in mehreren Ländern. So gab es um 1890 im Stammland Ungarn neun Millionen Mangalitza. Selbst in der Schweiz war das Mangalitza damals das am häufigsten gehaltene Schwein.

Eben dieser üppige Speck war es aber auch, der die Rasse 100 Jahre später, aufgrund veränderter Essgewohnheiten hin zu mehr magerem Fleisch, an den Rand der Ausrottung drängte. Im Jahr 1993 gab es europaweit nicht einmal mehr 200 Tiere.

Schweineteuer und saulecker

Das Wollschwein kommt in drei verschiedenen Farbgebungen vor, die als eigenständige Rassen angesehen werden: das Blonde Wollschwein, das Schwalbenbäuchige Wollschwein und das Rote Wollschwein. Die Tiere haben feste, gekräuselte Borsten mit feiner Unterwolle im Winter und feine, glatte und kurze Borsten im Sommer. Die Ferkel kommen mit Frischlingsstreifen zur Welt – ein Zeichen für die nahe Verwandtschaft zum Wildschwein.

Die Tiere sind robust, krankheitsresistent und lieben Auslauf. Wenn ihnen ein Unterstand und eine Schlammsuhle zur Verfügung stehen, eignen sie sich gut für die ganzjährige Freilandhaltung. Zudem ist das Mangalitza ein Allesfresser. Es begnügt sich mit einfachen Futtermitteln wie Gras und Brennnesseln, Heu, Eicheln und Kastanien. Auch Gartenabfälle und Ernterückstände sowie Obst, Gemüse, Brot und Kartoffeln verschmäht es nicht. Allerdings dauert seine Mast länger als bei anderen Schweinerassen.

In der Landschaftspflege helfen die Schweine effizient, Brombeerhaine in Schach zu halten oder Baumkulturen zu pflegen. Wollschweine sind sehr umgänglich, bei guter Behandlung sind sie sehr zutraulich und lassen sich auch gerne anfassen.

Für die Bezeichnung Mangalitza (auch Mangaliza oder Mangalica) gibt es verschiedene Erklärungsansätze. So ist „mangala“ slawischen Ursprungs und beschreibt einen guten Ernährungszustand. Ein „mangala svinja“ wäre demnach ein Schwein, das gut im Futter steht. Das trifft in etwa die Beschreibung für das kompakte, walzenförmige Tier mit feinen, aber harten Knochen und kräftiger Muskulatur.

Fett ist das Mangalitza heute immer noch – als typisches Fettschwein kann das 150 bis 160 Kilogramm schwere Tier neben dem Fleisch bis zu 70 Liter Fett geben. Das ist inzwischen oft nicht mehr gewollt, bei mäßiger Fütterung hält sich der Fettanteil denn auch in Grenzen. Eine Besonderheit der Fettverteilung bei diesem Schwein und der Grund, warum die Rasse derzeit ihre Wiedergeburt erlebt, ist, dass ein Großteil des Fetts innermuskulär gebunden ist. Das Fleisch der Mangalitza-Schweine ist daher nicht durchgehend rot, sondern eher marmoriert. Zudem besitzt es einen hohen Anteil ungesättigter Omega-3-Fettsäuren sowie natürlicher Antioxidantien. Dadurch schmeckt das saftige Fleisch nicht nur vorzüglich, es ist auch noch gesund. Kein Wunder, dass es bei qualitätsbewussten Kunden und auch in der gehobenen Gastronomie immer beliebter wird. Allerdings sind gut zahlende Abnehmer der Produkte der Rasse auch notwendig, damit Züchtungsprogramme weitergeführt werden können und diese gefährdete Nutztierrasse erhalten bleibt.

Wollschweinregister und Mangalitzafestival

Heute werden Mangalitza-Schweine wieder in vielen Ländern Europas gezüchtet. Durch akribische Recherchearbeit und mit viel ehrenamtlichem Engagement und Unterstützung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium konnte in den vergangenen zehn Jahren der Grundstein für ein Wollschwein-Register gelegt werden. Dadurch wurde die Möglichkeit geschaffen, Zuchttiere zu registrieren und Abstammungen zu dokumentieren. Gegenwärtig sind in Deutschland rund 300 Wollschweine bei knapp 100 Züchtern erfasst.

Auch in Österreich und in der Schweiz erfreut sich das Wollschwein wieder großer Beliebtheit. Dort fördern die Interessensgemeinschaft der Wollschweinzüchter Österreichs und die Schweizerische Vereinigung für die Wollschweinzucht den Erhalt der Wollschweine.

Darüber hinaus haben sich ständige Kontakte zu den Züchtern in den Ursprungsländern der Rasse etabliert, vor allem nach Ungarn, Serbien und Bulgarien. Speziell in Ungarn ist seit einigen Jahren eine regelrechte Mangalitza-Manie zu beobachten. So öffnet in Budapest seit 2008 jährlich ein von Züchtern, Kleinbauern und regionalen Fleischverarbeitern organisiertes Mangalitza-Festival seine Pforten. Seine Beliebtheit ließ inzwischen auch in anderen Städten wie Debrecen, Szeged, Székesfehérvár und Szombathely ähnliche Veranstaltungen aus dem Boden sprießen.

Der Titel „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres“ wird seit 1984 von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) vergeben und soll deutlich machen, dass nicht nur bei den Wildtieren und Wildpflanzen, sondern auch in der Landwirtschaft ein Verlust der Vielfalt zu beklagen ist.

Jörg Parsiegla

Weitere Informationen:
www.g-e-h.de


Ein alter Bekannter

Aus DER RABE RALF April/Mai 2019, S. 12

Der Atlantische Lachs ist Fisch des Jahres 2019

Atlantischer Lachs. (Foto: William Hartley/​US Fish and Wildlife Service, Public Domain)

Es ist nicht das erste Mal, dass der Atlantische Lachs zum Fisch des Jahres gekürt wird. In Deutschland erhielt er bereits 1992 und 2000 und in der Schweiz 2015 diesen Titel. Da die Aktion kein Schönheitspreis ist, sondern zuerst auf den Erhalt der Lebensräume der jeweiligen Fischart abzielt, lässt sich schlussfolgern, dass bisherige Maßnahmen zum Schutz des Lachses nicht im gewünschten Maß erfolgreich waren oder zu kurz gegriffen haben. Zugegeben, diese Maßnahmen sind sehr komplex und der entsprechende Aufwand kann schon mal mehrstellige Millionenbeträge erfordern. Ganz oben bei den Aufgaben steht die Verbesserung der Wasserqualität und der Durchgängigkeit der Flüsse bis zu ihrem Ursprung. Der Lachs steht als vom Aussterben bedroht auf der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands.

Feine Nase

Salmo salar ist im gesamten nördlichen Atlantik anzutreffen, hier verbringt er die meiste Zeit seines Lebens. Im Spätherbst jedoch ziehen die Lachse die Flüsse Europas und Nordamerikas hinauf, um an den Oberläufen auf gut durchlüfteten Kiesbetten zu laichen – genau an den Stellen, an denen sie vor ein paar Jahren selbst aus den Eiern ihrer Eltern geschlüpft sind. Diese Prägung ist zwar nicht einmalig in der Tierwelt, die Zielsicherheit, mit der die Lachse diese Orte wiederfinden, aber schon. Fischexperten vermuten, dass die Tiere die Orte erschnüffeln, dass es also der Geruchssinn ist, der die erwachsenen Lachse präzise leitet.

In Deutschland war der Atlantische Lachs bis in das 20. Jahrhundert hinein heimisch. Er laichte zum Beispiel in den Zuflüssen des Rheins und der Elbe. Der Rhein galt sogar als wichtigster und größter Lachsfluss Europas. Noch heute erinnern Ortsnamen wie zum Beispiel Salmtal an die damalige große Bedeutung des Rheinlachses.

Die zunehmende Belastung mit Abwasser und der technische Ausbau der Fließgewässer zerstörten jedoch die Lebensräume des Lachses und blockierten die Wanderwege dieser und anderer Fischarten.

Seit den 1990er Jahren gibt es Bemühungen zur Wiederansiedlung des Lachses. Mit dem Inkrafttreten der europäischen Wasserrahmenrichtlinie im Jahr 2000 werden Fließgewässer schrittweise wieder durchwanderbar gemacht und flusstypische Lebensräume hergestellt.

Großer Fisch mit Laichhaken

Atlantische Lachse werden bis zu einem Meter lang und 15 Kilogramm schwer, es gibt jedoch auch noch größere Exemplare. Die Tiere haben einen spindelförmigen Körper und gut entwickelte Zähne. Im Meer sind sie durch silbrige Farbtöne gut getarnt. Kurz vor der eigentlichen Laichzeit legen sich die Männchen eine Laichfärbung mit goldenen, roten und moosgrünen Farbtönen zu. Der Unterkiefer des männlichen Fisches bildet sich dann zum charakteristischen Laichhaken um – ein Beispiel für den Geschlechtsdimorphismus zur deutlichen Unterscheidung von männlichen und weiblichen Tieren. Entkräftet von der langen Wanderung und dem anstrengenden Paarungsakt verenden viele Tiere nach dem Laichvorgang.

Lachse werden heute in großen Mengen in Aquakultur gezüchtet, besonders bekannt dafür sind Norwegen, Irland und Schottland. Der Lachs zählt in Deutschland zu den beliebtesten Speisefischen.

Der Fisch des Jahres wird seit 1984 gekürt – anfangs von der Petri-Stiftung, ab 1991 durch den Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) und seit dem Zusammengehen der beiden Anglerverbände VDSF (West) und DAV (Ost) im Jahr 2013 durch den Deutschen Angelfischerverband (DAFV).

Jörg Parsiegla


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