Rauchwolken über den Wäldern

Aus DER RABE RALF August/September 2020, Seite 14

Gefährliche Waldbrände zu verhindern heißt vor allem die richtigen Bäume zu pflanzen

Bei Fichtenwalde wächst ein Mischwald heran. (Foto: Thomas Thierschmann)

Die Wälder Brandenburgs stehen unter Dauerbeobachtung. Kameragestützte, digitale Fernbeobachtungssysteme suchen über den Baumkronen die Luft nach Rauchwolken ab. Ein Indiz für des Landes flammendsten Missetäter – das Feuer. Noch in guter Erinnerung sind die Waldbrände vor den Toren Berlins im trocken-heißen Sommer 2018, als der Geruch von verbranntem Holz bis in die Innenstadt zog. Der Rabe Ralf berichtete.

Bei Treuenbrietzen brannten 400 Hektar Wald. Mehrere Tage wüteten die Flammen. Drei Dörfer – Klausdorf, Frohnsdorf und Tiefenbrunn – mussten evakuiert werden. Auch bei Fichtenwalde in unmittelbarer Nähe zum Autobahndreieck Potsdam zerstörte ein Feuer 30 Hektar Wald. Einigen Landhauseignern, die erst vor wenigen Jahren in ihre neu errichteten Anwesen gezogen waren, wird noch heute bange, wenn sie an den Waldbrand denken, berichtet der Sender RBB: „Eine Feuerwand bewegte sich bis auf wenige hundert Meter an den Ort heran.“

Süd- und Nordeuropa stärker betroffen

Wenn’s im Wald brennt, rückt nicht nur die Feuerwehr aus. Im Mai 1971 brannten bei Märkisch-Buchholz südöstlich von Berlin 300 Hektar Wald. An die 2.000 Helfer kämpften gegen die Glut. Bei den Löscharbeiten halfen auch sowjetische Soldaten. Einer von ihnen kam dabei ums Leben.

1975 brannte es in Niedersachsen lichterloh. Bei dem bis zum heutigen Tag größten Waldfeuer Deutschlands kamen fünf Feuerwehrleute um. 82 Menschen wurden verletzt. Von 6.000 Hektar Wald in den Kreisen Lüchow-Dannenberg, Celle und Gifhorn blieben nur verkohlte Baumstämme übrig. Weitere 2.000 Hektar waren geschädigt. Tagelang kämpften 35.000 Feuerwehrleute, Technisches Hilfswerk und freiwillige Helfer gegen das Feuermeer. Dörfer wurden evakuiert. Zwölf Häuser brannten nieder. Erst der Einsatz der Bundeswehr half die Großfeuer einzudämmen.

So tragisch die Waldbrände für die Betroffenen hierzulande auch sind: An Ausmaß und Folgen werden sie von den Feuersbrünsten im Süden und Norden Europas deutlich übertroffen. Allein in Portugal vernichteten im Juni 2017 Großbrände 26.000 Hektar Wald. 66 Menschen starben, 200 trugen zum Teil schwerste Verletzungen davon. Bei erneuten Bränden im Herbst desselben Jahres kamen weitere 45 Menschen ums Leben.

„Mit dem Eukalyptus kamen die Brände“

Waldbrände sind in der sommertrockenen Mittelmeerregion aber nichts Ungewöhnliches. Die ursprünglichen Hartlaubwälder aus weitständigen Stein- und Korkeichen, Zistrosen, Lorbeer und Myrte waren daran bestens angepasst. Der sklerophytische Bau der Pflanzen mit kleinen, lederartigen und oft mit Wachs oder Haaren überzogenen Blättern schützte vor Austrocknung und Brand. Die Feuer verblieben am Boden. Von Bauern und Landarbeitern wurden sie dafür geschätzt, wandelten sie doch Stroh und Gras in Asche und damit in für Pflanzen leicht verfügbare Mineralien um.

Das änderte sich mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, als aus Australien Eukalyptusbäume importiert wurden. Im vergangenen Jahrhundert avancierte der Eukalyptus zum „grünen Gold“ Portugals. Sein Holz wird ausschließlich zu Papier und Zellulose verarbeitet. Industrie und Waldbesitzer profitieren, berichtet der Deutschlandfunk. Nur die Umwelt hat nichts davon: „Erst mit dem Eukalyptus kamen die Brände“, zitiert „Die Zeit“ einen örtlichen Waldbrandexperten. Die neobiotischen Eukalypten, an und für sich eine sehr interessante Baumgattung, mit denen die australischen Aborigines folgenlos umzugehen wussten, sind für manche heute „Europas Pest in Baumgestalt“. Die Bäume sind bestens an Feuer angepasst. Gewaltige Kronenfeuer brennen alles nieder. Ebenso schwungvoll verläuft die anschließende Erholung der Brandbäume. Tief reichen ihre Wurzeln, groß ist ihr Durst. Kein europäischer Baum hat an der Seite des Eukalyptus auch nur den Hauch einer Wachstumschance. Sie sind Monopolisten in Reinform. Einzig zum Wohle der Wirtschaft.

Bodenfeuer sorgen für gesunde Wälder

Von den gigantischen Waldbränden Portugals geschossene Fotos werden in den Online-Netzwerken millionenfach geteilt. Unter Ergänzung von weiteren Brandbildern aus anderen Weltgegenden ist daher verständlich, dass Waldfeuer überwiegend als destruktiv und schädlich wahrgenommen werden. Dabei können sich viele Wälder nur mit Feuers Hilfe natürlich entfalten und eine hohe Artenvielfalt entwickeln.

Beispielgebend dafür steht der boreale Nadelwald nördlich der sommergrünen Laub- und Laubnadelmischwälder. Frostig und doch immergrün bedeckt er Teile Skandinaviens, des Baltikums und weite Gebiete Russlands, das ihm den Namen Taiga gab. Die Taiga kühlt das Klima, ist aber auch ein Wald, der in Jahrtausenden der Evolution Pflanzenarten hervorgebracht hat, die an Bodenfeuer angepasst sind. So die hochwachsende Waldkiefer, deren Verbreitungsgebiet bis nach Mitteleuropa reicht. Daneben die kleinblättrigen Laubhölzer Birke und Pappel. Des Weiteren Zwergsträucher, Farne, Moose und Flechten. Allesamt sorgen sie für eine mächtige Streuauflage, die in der niederschlagsarmen Taiga im Frühjahr nach der Schneeschmelze stark austrocknet. Blitzschläge von Trockengewittern sind in der Regel der Auslöser der Brände, die als Lauffeuer kilometerweit durch die Wälder ziehen, die Streuschicht abbrennen und so den Mineralboden freilegen, auf dem dann vom Wind herangetragene Sämlinge keimen können.

In jüngster Zeit häufen sich jedoch die Trockenperioden. Es kommt vermehrt zu Waldbränden. Einige Feuer entwickeln sich zu Kronenfeuern, mit desaströsen Folgen für Wald, Tier, Mensch und Besitz. In Schweden brannten 2018 im Sommer 25.000 Hektar Nadelwald. 188.000 Hektar waren es in Russland 2010, wo großflächige Wald- und Torfbrände mindestens 50 Menschenleben forderten.

Schlimmere Waldbrände durch Brandbekämpfung

Als Reaktion auf die verheerenden Waldbrände wurden in den vergangenen Jahren die Ressourcen zur Waldbrandbekämpfung europaweit erhöht. Mit dem Ergebnis, dass kleine und mittlere Brände – also Bodenfeuer, die eine weitgehend feuerresistente Waldstruktur ausbilden – mit Erfolg unterdrückt wurden. Mit jedem Jahr kommt mehr Streu aus Laub und anderem Pflanzenmaterial hinzu. Das bietet dann genügend Nahrung für Großfeuer, die den gesamten Baumbestand erfassen und auch mit Großtechnik nicht mehr zu kontrollieren sind. Dem ist wohl nur beizukommen, wenn Waldbau und Landschaftsplanung sich intensiver als bisher an naturnahen Landentwicklungsprinzipien orientieren, in die auch Erkenntnisse aus der feuerökologischen Forschung einbezogen werden.

Auf den Waldbrandflächen Brandenburgs ist man schon einen Schritt weiter. Der seit einigen Jahren praktizierte Waldumbau der Nadelholzreinbestände in standortgerechte und stabile Mischbestände soll forciert werden, heißt es in einem Bericht. Bei Treuenbrietzen ist bereits ein Mischwald aus Kiefern, Traubeneichen, Stieleichen und Birken gepflanzt worden. Und auch auf der Brandfläche bei Fichtenwalde zwischen der Autobahn 9 und dem Europaradweg wächst ein junger Waldbestand heran: eine Mischung aus Kiefern, Birken, Pappeln und Robinien. Ein Tipp für Interessierte: Vom Bahnhof Beelitz-Heilstätten aus ist die Fichtenwalder Brandfläche für Radfahrer in kurzer Zeit leicht zu erreichen.

Thomas Thierschmann


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