Im Spandauer Forst

Aus DER RABE RALF August/September 2018, Seite 3

Vielfältige Lebensräume und interessante Landschaften: Eine Wanderung

Wer in Berlin einen Wald sucht, hat viele Möglichkeiten. Die Entscheidung fällt dann meist nach der Erreichbarkeit vom jeweiligen Wohnort aus. Das macht den Spandauer Forst für die meisten eher uninteressant, zumindest wenn es um kurze Spaziergänge geht. Für ausgiebige Wanderungen oder Radtouren lohnt sich aber der Weg.

Der Spandauer Forst ist das kleinste der drei über 1.000 Hektar großen Landschaftsschutzgebiete in Berlin. Auch drei Naturschutzgebiete gibt es in und an dem Wald, zwei davon gehören zu den ältesten in Deutschland.

Es gibt viele Orte, an denen man eine Tour durch den Wald beginnen kann. Mit dem Fahrrad schafft man zwar eine größere Strecke, die interessantesten Ecken erreicht man jedoch nur zu Fuß.

Diese Tour beginnt am Aalemannufer, das man mit dem Bus 136 vom Bahnhof Spandau aus erreicht. Hier angekommen überquert man die Straße und geht den erstbesten Weg in den hier sehr dichten Ahornwald, wo man auf eine Pumpstation der Wasserbetriebe trifft. Hält man sich nach Norden, gelangt man an die alte Bötzowbahn. Die Strecke verband ab 1912 den Bahnhof Spandau mit Nieder Neuendorf und Bötzow, wurde zum Großteil jedoch nach nicht einmal 40 Jahren stillgelegt. Vor zwei Jahren entfernte man die noch verbliebenen Schienen. Nachdem man den alten Bahnübergang überquert hat, geht man den schmalen Pfad am Bahndamm entlang, der durch mehrere im Lauf der Zeit umgestürzte Bäume in Schlangenlinien verläuft.

Die Abendsonne scheint durch den lichten Kiefernwald zwischen Schönwalder Allee und Kreuztränke. (Foto: Leonhard Lenz)

Nach einigen hundert Metern erreicht man einen durch „Xavier“ im Herbst 2017 entstandenen größeren Windbruch. Viele große Bäume haben den Halt in der nassen, weichen Erde verloren und liegen auf dem Boden, leben jedoch weiter.

Ein See kommt zurück

Direkt dahinter gilt es ein weiteres Hindernis zu umschiffen. Der Pfad entlang des Bahndamms ist, je nach Wasserstand im Teufelsbruch, überflutet, so führt der Weg den Bahndamm empor und auf den Bahnschwellen weiter. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war hier noch ein See, der Teufelssee. Durch die Entwässerung des Waldes verlandete dieser schnell und der Bau der Bahnstrecke kappte die Verbindung zur Havel. Direkt auf der anderen Seite des Bahndamms liegt der Kleine Teufelssee als Verlängerung des Teufelsseekanals, der als Hafen an der Havel das Kraftwerk Oberhavel und andere Fabrikanlagen versorgte.

Hinter dem noch mit Gleisen versehenen Abzweig zum abgerissenen Kraftwerk kann man wieder auf den jetzt auch breiteren Weg entlang des Teufelsbruchs zurückkehren. Nach einer Weile stößt man auf einen breiten Waldweg, der nach rechts zur „Bürgerablage“, einer beliebten Badestelle, führt. Mit etwas Glück hört und sieht man ein hier ansässiges Kranichpaar.

Auf der linken Seite führt ein Damm mit einem Pfad einmal quer durch das Teufelsbruch. Bis zum Juni 2017 kam man hier noch halbwegs trockenen Fußes durch, doch inzwischen erhöhte sich der Wasserstand so stark, dass der Weg komplett unpassierbar wurde. Es lohnt sich dennoch, dem Pfad so weit es geht zu folgen. Der Blick über das Moor und auf die Pflanzen am Weg ist faszinierend, dazu gesellt sich das Quaken von Kröten und das Schnattern von Enten.

Geht man statt in den Sumpf weiter geradeaus, kommt man wieder auf einen schmalen Pfad, an dessen Ende sich ein Biberbau befindet. Hier findet man auch einen gelben Pegel im Wasser, neben dem das Rohr zur künstlichen Bewässerung endet.

Der gerettete Wald

Am Nordrand des Teufelsbruchs führt nun ein laubbedeckter Pfad in Richtung Nordwesten. Der durch tiefhängende Äste teilweise tunnelartige Weg trifft irgendwann auf einen breiten Waldweg, der überquert wird. Nach einigen hundert Metern kommt man plötzlich in einen trockenen, lichten Eichenmischwald. Auch ein paar Blaubeerbüsche säumen den Weg.

Nun taucht ein fünf Meter breiter gepflasterter Weg auf, der Oberjägerweg. An diesem Waldweg sollten 1976 Tausende Bäume gefällt werden, um Platz für ein Kohlekraftwerk zu schaffen. Dazu kam es nicht, Proteste und ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts verhinderten den Bau. Stattdessen wurde dann das Kraftwerk Reuter West gebaut.

Auf der anderen Seite des Oberjägerwegs stößt man nach einer Links- und dann wieder Rechtswendung auf den im Sommer durch Farne und Gräser saftig grün leuchtenden Kleinen Rohrpfuhl. Nach einem Abzweig nach rechts kommt der Große Rohrpfuhl ins Blickfeld. Zusammen mit dem Teufelsbruch wurde dieses Moor schon vor 85 Jahren unter Schutz gestellt.

Vorbei am Rohrpfuhl, trifft man auf die kopfsteingepflasterte Schönwalder Allee. Auf der anderen Straßenseite geht man aber den Waldweg weiter, bis auf der rechten Seite ein kleiner runder Teich auftaucht. An der Kreuztränke lädt ein Schutzpilz zu einer Pause und dem Beobachten der Schildkröten ein, die hier vor vielen Jahren ausgesetzt wurden. Hier treffen sich die Kuhlake und der Kreuzgraben, die einst zur Entwässerung angelegt wurden und heute dem Gegenteil dienen. Vom Schutzpilz geht ein Weg Richtung Norden an der Kuhlake entlang.

Der Luchwald: Einer der schönsten Abschnitte der Strecke. (Foto: Leonhard Lenz)

Nach über einem Kilometer lichtet sich der Wald, und linkerhand tauchen die Wiesen des Eiskellers auf. Zusammen mit dem Spandauer Luchwald und dem Laßzinssee wurden die Wiesen Ende 2017 zum Naturschutzgebiet erklärt. Im Wald entlang der Wiesen führt ein schmaler Pfad südwestlich zum asphaltierten Mauerweg, den man aber bei der erstbesten Gelegenheit wieder nach links verlassen sollte, um zur Kuhlake zurückzukehren. Auf der linken Seite sieht man nun den Luchwald und auf der rechten Seite eine Lichtung, auf der man mit etwas Glück eine Damwildherde beobachten kann.

Wasser für Wald und Menschen

Am Ende des Weges geht es nach rechts, bis zu einem teichartigen Graben, dem über die Wiese bis zum Waldrand gefolgt werden sollte.

Von hier aus geht es noch einmal am Waldrand über die Wiese bis zu einem großen runden Gebäude, dem Horizontalfilterbrunnen der Wasserbetriebe. Anders als bei herkömmlichen Brunnen führt hier ein Schacht bis in 26 Meter Tiefe. Von ihm aus erstrecken sich acht lange horizontale Filterrohre, die bis zu tausend Kubikmeter Wasser in der Stunde fördern können – eine Menge, für die es etwa 15 konventionelle Brunnen bräuchte. Um Waldbäume und umliegende Gräben durch die künstliche Grundwasserabsenkung nicht auszutrocknen, wurde schon bald nach Inbetriebnahme des Brunnens im Jahr 1955 begonnen, die Kuhlake und den Kreuzgraben wieder mit Wasser aus der Havel aufzufüllen. Seitdem wird das Grabensystem regelmäßig ausgebaut.

Vom Platz vor dem Brunnen führt ein Pfad über eine Brücke zum Mittelheidesee. Hier rufen Sitzbänke zur Pause. Im weiteren Wegverlauf begegnet man erneut dem Oberjägerweg, der schnurgerade durch den kompletten Wald verläuft.

Egal, ob man nun den Rückweg südlich oder nördlich der Kuhlake nimmt, kommt man an Wildgehegen an. Hier bestaunen jedes Wochenende viele Familien Rothirsche, Mufflons und Wildschweine, seit diesem Jahr von aufgeschütteten Schotterwegen aus. Von hier sind es nur noch wenige hundert Meter zur Bushaltestelle in der Wendeschleife am Johannesstift.

Die etwa 13 Kilometer lange Route durch den Spandauer Forst zeigt, wie vielfältig ein Wald auf so kleinem Raum sein kann und wie wenig davon wirklich natürlich ist.

Leonhard Lenz

Karte mit dem gesamten Weg:
www.spandau-gallery.de/karte


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