Vom Profil zur Strategie

Aus DER RABE RALF August/September 2020, Seite 2

Forum „Auf dem Weg zur Berliner Nachhaltigkeitsstrategie“ am 20. August

Um Umweltgerechtigkeit ging es in der Podiumsdiskussion beim Nachhaltigkeitsforum 2019. (Foto: Berlin 21)

Die Corona-Pandemie hat die Folgen der globalisierten Wirtschaft mit all ihren wechselseitigen Abhängigkeiten und Gefährdungen schlagartig sichtbar werden lassen. In der „Einen Welt“ ist plötzlich jede und jeder unmittelbar betroffen. Die Auswirkungen von Armut und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen nicht nur in den Billiglohnländern, sondern auch direkt vor unserer Haustür werden endlich öffentlich wahrgenommen. Die Pandemie breitet sich vor allem dort aus, wo solche Lebens- und Arbeitsbedingungen herrschen und wo die Gesundheitssysteme zusammenbrechen.

UN-Nachhaltigkeitsziele gelten für alle

Wie das Beispiel Tönnies drastisch vor Augen führt, werden auch in Deutschland Menschen über Werkverträge unzumutbar ausgepresst. Die Gewerkschaften fordern schon seit Langem gerechte Regeln für derartige Arbeitsverhältnisse. Aber auch der Umgang mit Tieren, um unseren Fleischkonsum zu möglichst niedrigen Preisen stillen und Fleischexporte bedienen zu können, zeigt drastisch, dass wir unseren Lebensstil und unser Wirtschaftssystem transformieren müssen.

Was die Pandemie heute sichtbar macht, ist schon seit vielen Jahren Gegenstand einer kritischen Auseinandersetzung und des Bestrebens, eine andere, eine nachhaltige Entwicklung durchzusetzen. Seit den „Grenzen des Wachstums“ (Club-of-Rome-Bericht 1972), diversen Gutachten, der UN-Konferenz in Rio 1992 und ihren Folgekonferenzen bis zum Beschluss über die UN-Nachhaltigkeitsziele im Jahr 2015 sind die Auswirkungen unserer „kannibalischen Weltordnung“ (Jean Ziegler) bekannt. Die 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) mit 169 Unterzielen verpflichten die Regierungen, bis 2030 extreme Armut und Hunger zu beseitigen und die natürlichen Lebensgrundlagen für alle Menschen zu schützen. Der Grundsatz „Niemanden zurücklassen“ ist für alle 17 Ziele gültig.

Berlin ist kein Vorbild

In Berlin existieren schon zahlreiche Initiativen, Projekte und kreative Start-ups, die auf dem Weg zur Transformation sind. Aber sie benötigen dringend eine verbindliche Rahmengebung. Deshalb plant der Verein Berlin 21 gemeinsam mit dem BUND Berlin, der Grünen Liga Berlin und Brandenburg 21 für 2020 und 2021 drei Veranstaltungen im Vorfeld der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksverordnetenversammlungen.

Berlin ist eines der letzten Bundesländer ohne eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie und ohne konkreten Fahrplan für eine sozial-ökologische Transformation. Die besondere Vorbildfunktion der Bundeshauptstadt wird hier nicht ausgefüllt, Berlin hat erheblichen Nachholbedarf. Im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag wurde vor drei Jahren angekündigt, dass zum Berliner Nachhaltigkeitsprofil ein Umsetzungs-Fahrplan erarbeitet werden soll. Die Legislaturperiode endet turnusmäßig im kommenden Jahr, doch zu den 17 Entwicklungszielen ist bislang in Berlin lediglich für einige Politikbereiche ein Kurs zur Nachhaltigkeit angekündigt worden.

Auftakt am 20. August

Mit der Auftakt-Veranstaltung am 20. August möchten Berlin 21 und seine Partner einen Beitrag leisten, um die Diskussion über Ausgestaltung und Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie für Berlin voranzubringen und auch kontrovers zu führen. Die Veranstaltung setzt damit die Berlin-21-Nachhaltigkeitsforen von 2018 und 2019 fort, in denen es um die Teilstrategien und Konzepte zum Klimawandel, zur Mobilität, zur Ernährung, zur „Charta Stadtgrün“, zur Umweltgerechtigkeit und zur Kreislaufwirtschaft ging.

Beim Auftakt am 20. August sollen die Anregungen ausgewählter Expertinnen und Experten genutzt werden, damit Berlin möglichst schnell und fundiert eine eigene Landesnachhaltigkeitsstrategie auf den Weg bringt – und zwar so, dass sie in einem offenen Diskurs zusammen mit der Zivilgesellschaft schrittweise entwickelt werden kann. Auf dem Podium diskutieren Christian Calliess vom Sachverständigenrat für Umweltfragen, die Referatsleiterin für die Nachhaltigkeitsstrategie in Hessen, Simone Ariane Pflaum, der Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Marc-Oliver Pahl, sowie Thomas Koch, Leiter des Nachhaltigkeitsreferats im Thüringer Umweltministerium.

An diesem Abend soll es auch um die Ausnahmesituation der Corona-Pandemie und die neuen Erfahrungen mit gesellschaftlichem Engagement und der erhöhten Aufmerksamkeit für wissenschaftliche Erkenntnisse gehen – und was sich davon für einen sozial-ökologischen Umbau nutzen lässt.

Pia Paust-Lassen, Sebastian Stragies, Verena Fehlenberg

Berliner Nachhaltigkeitsforum „Auf dem Weg zur Berliner Nachhaltigkeitsstrategie: Was kann Berlin von Anderen lernen?“, Do, 20.8., 18-21 Uhr, bUm – Raum für die engagierte Zivilgesellschaft, Paul-Lincke-Ufer 21, 10999 Berlin-Kreuzberg (U8 Schönleinstraße).

Weitere Informationen sowie verbindliche Anmeldung bis 12. August: www.berlin21.net (Termine)


Copyright © 2009 - 2020 GRÜNE LIGA Berlin e.V. Landesverband Berlin - Netzwerk Ökologischer Bewegungen - Alle Rechte vorbehalten.