„Wir wollen im Alltag aktiv werden“

Aus DER RABE RALF Oktober/November 2017, Seite 13

Tanja Weiße über ihren Weißenseer Verein Solar e.V. und das neue Projekt „Prima Klima“

Was kann ich im Alltag für den Klimaschutz tun? Damit sollen sich die interessierten Mitmenschen in den Workshops beim Projekt „Prima Klima“ des Weißenseer Vereins „Soziales Leben und Arbeiten“ (Solar e.V.) beschäftigen. Was genau geplant ist und wie der Verein arbeitet, darüber gab die Mitgründerin des Vereins Tanja Weiße in einem Interview Auskunft.

Der Rabe Ralf: Was tut euer Verein?

Tanja Weiße: Unser Verein Solar e.V. macht politische Bildungsarbeit. Seit sechs Jahren arbeiten wir zusammen in einem gleichberechtigten Team, gerade sind wir drei feste Leute und zwei Bundesfreiwilligendienstleistende. Wir haben in den letzten Jahren viel Bildungsarbeit zu Antirassismus gemacht, hatten internationale Workshops und lokale Seminare.
Wir haben aber auch schon immer Umweltthemen im Programm gehabt, zum Beispiel ein Projekt zum Thema Wasser. Im Jahr 2013 hatten wir ein Seminar zum Klimawandel, mit TeilnehmerInnen aus verschiedenen Ländern. Und jetzt machen wir ein Klimaschutzprojekt speziell im Stadtteil Weißensee.

Wie kam es zur Gründung des Vereins?

Wir haben uns mit ein paar Leuten zusammengeschlossen, die politische Bildungsarbeit machen wollten, und waren uns einig, dieses Projekt hier, das Kultur- und Bildungs-Zentrum KuBiZ in Weißensee, hat eine sehr gute Infrastruktur für Bildungsarbeit, wir haben hier schöne Räumlichkeiten. Und dann haben wir 2011 angefangen gemeinsam zu arbeiten.


„Es geht darum, voneinander zu lernen“: Tanja Weiße im Garten des KuBiZ in Weißensee.(Foto: Leonhard Lenz)

Euer Verein macht vor allem Seminare. Wie läuft die Planung eines Seminars ab?

Wir schauen uns erst mal um, welche Themen wir gesellschaftlich wichtig finden und wozu wir Lust haben zu arbeiten. Dann konzipieren wir unsere Workshops und beantragen Gelder dafür. Wir gehen so vor, dass wir sogenanntes non-formales Lernen machen – das heißt, wir gehen nicht zu Gruppen und halten Vorträge, sondern wir bringen tolle interaktive Methoden an die Leute, bei denen die Menschen angeregt werden sich auszutauschen.
Wir gehen davon aus, dass bei den Teilnehmenden an einem Workshop immer ein interessanter Erfahrungsaustausch zustande kommen kann. Natürlich geben wir auch Informationen hinein, aber es geht vor allem darum, voneinander zu lernen, in einer Atmosphäre ohne Leistungsdruck, und darum, sich gemeinsam weiterzubilden.

Wie wählt ihr die Themen aus?

Wir gucken genau, was es für Probleme in der Gesellschaft gibt, zum Beispiel beim Thema Antirassismus. Mit der Flüchtlingswelle bekam das bei einem Teil der Bevölkerung Aktualität. Da haben wir gesagt, dem wollen wir etwas gegensetzen. Auch der Klimawandel ist natürlich hochaktuell und in der Diskussion, dazu wollten wir dann auch etwas anbieten.

An wen richten sich die Angebote?

Wir haben bisher viel mit Erwachsenen gearbeitet und auch mit Jugendlichen. Beim „Prima Klima“-Projekt richten sich die Angebote an verschiedene Altersgruppen. Wir haben Tagesworkshops für Erwachsene, zum Beispiel „Klimawandel und seine Folgen“, dazu findet am 28. Oktober, einem Samstag, unser erster Tagesworkshop statt. Innerhalb der zwei Jahre – das Projekt läuft bis Juli 2019 – folgen weitere Tagesworkshops für Erwachsene.

Das ist der eine Projektbereich, es gibt aber auch Aktivitäten, an denen verschiedene Altersgruppen teilnehmen können. Wir werden ab Anfang nächsten Jahres eine Klimaschutz-Ausstellung aufbauen, wobei sich Menschen aus allen Altersgruppen, die Interesse haben, beteiligen können – zum Beispiel malen oder fotografieren. Von Kindern bis zu Seniorinnen und Senioren können alle mitmachen. Diese Ausstellung soll später an öffentlichen Orten gezeigt werden.

Dann haben wir Wochenend-Workshops, „Zukunftswerkstätten“ und Open Spaces, wo auch verschiedene Altersgruppen kommen können. Dort geht es darum, wie wir in Weißensee im Alltag aktiv werden können. Wie können wir unseren Ressourcenverbrauch reduzieren – bei Ernährung, Mobilität, Energie? Aber auch: Mit welchen Aktionen können wir im Stadtteil andere auf das Thema aufmerksam machen? Oder wie können wir zeigen, welche Forderungen wir für den Stadtteil haben, vielleicht auch an die Lokalpolitik?

Wie war das Feedback zu den Projekten?

Ein gutes Feedback. Die Teilnehmenden fanden die Atmosphäre im KuBiZ sehr angenehm, und es hat fast immer geklappt, dass sie in unseren Workshops etwas dazugelernt und sich ausgetauscht haben, dass wir über interessante Themen diskutiert haben, miteinander gegessen haben und Spaß hatten. Alles in allem haben wir eine sehr positive Resonanz von denen, die bisher bei unseren Workshops waren.

Habt ihr schon Planungen für die Zeit nach dem Prima-Klima-Projekt?

Wir wollen weiter am Thema Klimawandel dranbleiben. Weil unsere Projekte nachhaltig sein sollen, möchten wir darauf achten, dass Teilnehmende unserer Workshops die Ideen, die entwickelt wurden, auch später im Alltag umsetzen und wir in Kontakt bleiben.

Erst mal suchen wir aber noch Teilnehmende für die Klimaschutz-Workshops, die übrigens alle kostenlos sind. Das ist gerade eine große Herausforderung, wir freuen uns also über Zulauf. Wir suchen Leute, die Lust haben sich weiterzubilden, sich auszutauschen und zu überlegen, was für Proteste man zum Beispiel organisieren kann. Außerdem eröffnen wir am 2. November, einem Donnerstag, ab 16 Uhr unseren Klima-Infopoint im KuBiZ. Dort bieten wir dann jeden Donnerstag von 16 bis 18.30 Uhr kostenlose Beratung zum Klimaschutz im Alltag an.

An den Themenbereichen Umweltschutz und Antirassismus wollen wir aber festhalten. Die Themen sind aber bei uns nicht so stark voneinander abgegrenzt, das soll gerade das „sozial“ in unserem Namen verdeutlichen. Wir wollen den Klimaschutz nicht nur unter Umweltgesichtspunkten sehen, wir wollen auch zeigen, was er mit sozialen Fragen zu tun hat.

Und es soll eine angenehme Lernatmosphäre geben. Menschen aus Weißensee und angrenzenden Stadtteilen – natürlich können auch Leute von weiter weg kommen – sollen sich kennenlernen, vernetzen, ein soziales Miteinander haben. Es soll darum gehen, dass wir uns im Alltag nicht mit dem Zeigefinger kommen: „Das dürft ihr alles nicht mehr.“ Wir können trotzdem umweltfreundlich leben, ohne uns wahnsinnig einschränken zu müssen.

Wo finden die Workshops statt?

Die Workshops finden im KuBiZ in der Bernkasteler Straße 78 in Berlin-Weißensee statt. Wir können aber auch von Gruppen eingeladen werden, weil das Projekt vom Bundesumweltministerium finanziert wird. Alle Termine sind auf der Webseite solarev.org zu finden und zum Teil auch im Terminteil des RABEN RALF. Wir bitten um Anmeldung. Bei Interesse gerne unter info@primaklimaweissensee.de anschreiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Leonhard Lenz


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