Wohin mit dem Elektroschrott?

Aus DER RABE RALF August/September 2020, Seite 10

Der einfachste Weg zum richtigen Recycling

Jena sammelt E-Schrott in umfunktionierten Altkleidercontainern. (Foto: Kommunalservice Jena)

Wenn der Toaster durchbrennt oder der Drucker den Geist aufgibt, stellt sich die Frage: Wohin damit? In Deutschland wurden 2017 über zehn Kilogramm Elektroschrott pro Kopf und Jahr erfasst. Und das ist nur der Teil, der ordnungsgemäß entsorgt wurde. Denn leider landen ausgediente Geräte oft im Hausmüll oder an der nächsten Straßenecke. Dabei können nicht nur Schadstoffe in die Umwelt gelangen, es gehen auch wertvolle Rohstoffe verloren, die man zurückgewinnen könnte.

Handel muss Geräte zurücknehmen

„14 Tonnen Elektrokleingeräte enthalten eine Tonne Kupfer. Um eine Tonne Kupfer bergmännisch zu fördern, müssen 1.000 Tonnen Gestein abgebaut werden“, rechnen die Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) vor. Die BSR betreibt in Berlin 15 Recyclinghöfe, bei denen man bis zu 20 Elektrogeräte gleichzeitig kostenlos entsorgen kann. Bei einem so großen Stadtgebiet ist der nächste Hof allerdings häufig weit weg. Deshalb arbeitet die BSR auch mit Baumärkten zusammen: Kleinere Geräte wie Computer, Monitore oder Kaffeemaschinen können genauso bei Hellweg, Hornbach oder Obi abgegeben werden.

Viele wissen außerdem nicht, dass der Handel verpflichtet ist, ausgediente E-Geräte zurückzunehmen. Elektronikhändler ab 400 Quadratmeter Ladenfläche müssen Kleingeräte bis 25 Zentimeter Größe auch dann kostenlos entsorgen, wenn man nichts bei ihnen einkauft. Alte Waschmaschinen oder Kühlschränke müssen zurückgenommen werden, wenn man sich ein neues Gerät holt.

Gute Idee

Die thüringische Stadt Jena hatte 2012 eine bessere Idee, wie man Altgeräte einsammeln kann: Elektroschrottcontainer. Mittlerweile stehen 144 Einwurfcontainer an Sammelplätzen zusammen mit Altkleider- und Glascontainern. Pro Kopf und Jahr landen fast drei Kilo Elektro- und Kleinschrott in den silbergrauen Behältern. Das städtische Unternehmen Kommunalservice Jena (KSJ) leert die Container und sortiert die Wertstoffe, die dann von einer externen Firma verwertet werden.

Die Container werden von der Bevölkerung gut angenommen, auch wenn manchmal anderer Müll eingeworfen wird oder große Geräte daneben abgestellt werden. Und Jena ist nicht die einzige Stadt mit einer dezentralen Elektroschrottsammlung. Unterschiedliche Modelle gibt es mittlerweile in ganz Deutschland.

Erstaunlich, dass Berlin bisher nicht dabei ist! Von einer vor zehn Jahren angekündigten orangefarbenen Tonne für Elektrogeräte, Metall, Holz und Altkleider blieb fast nur die Farbe übrig. In die jetzige „Wertstofftonne“ (gelb oder orange) dürfen zwar auch Kunststoffe und Metalle rein, die keine Verpackung sind – aber E-Geräte müssen genauso draußen bleiben wie Holz und Altkleidung.

Verantwortungsvoll verwenden

Die beste Lösung für Elektroschrott ist natürlich, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Wie wäre es mit reparieren, spenden oder leihen statt kaufen? Auf der interaktiven Karte www.remap-berlin.de findet man schnell Leihläden, Sozialkaufhäuser oder Repair-Cafés in der Umgebung. Nicht nur für Elektrogeräte, sondern auch für Möbel, Fahrräder und Co findet man so eine Alternative zur Wegwerfgesellschaft.

Finanziell ist Schrottsammeln übrigens keine Nullnummer, denn es handelt sich ja um Rohstoffe. Wer in seinen Schubladen noch ausrangierte Handys oder Smartphones hat, kann sie für einen guten Zweck abgeben. Der NABU sammelt die Geräte und verwendet den Erlös für den Insektenschutzfonds. Abgabestellen findet man unter www.nabu.de/handyrecycling. Die Geschäftsstelle der Grünen Liga Berlin in der Prenzlauer Allee 8 ist auch dabei.

Sarah Buron

Weitere Informationen:
www.bsr.de/elektrogeraete
www.ksj.jena.de


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