Die TEEKAMPAGNE und SANCHO PANSA/WASCHBÄR

Aus DER RABE RALF Juni 1995

Wie im ersten Teil in der Mai-Ausgabe angekündigt, sollen zwei weitere Firmen betrachtet werden, die sich nach Selbstaussagen dem „ethischen“ bzw. „fairen“ Handel verschrieben haben oder zumindest so tun, als ob sie diesen praktizieren: die TEEKAMPAGNE und SANCHO PANSA/WASCHBÄR.

Die Berliner TEEKAMPAGNE

»1985 begann die Berliner Privatfirma “Projektwerkstatt GmbH” unter dem Namen TEEKAMPAGNE reinen Darjeeling-Tee in Großpackungen zu Dumpingpreisen zu verkaufen. Da nicht nur mit den geringen chemischen Rückständen im Tee, sondern anfangs auch mit einem „doppelten Lohnanteil“ der ProduzentInnen geworben wurde, gab es Verwechslungen mit der Weltladenszene. Obwohl die TEEKAMPAGNE inzwischen klargestellt hat, daß sie mit „gerechten Preisen“ und genossenschaftlichen Produktionsweisen nichts zu tun haben will, sondern auf rein marktwirtschaftliche Veränderungen bei den Privatplantagen setzt, gibt es einzelne Weltläden, die TEEKAMPAGNEN-Tee führen. Das TEEKAMPAGNEN-Konzept, von Oktober bis März über Versandhandel (75%) und einzelne Depots in mehreren Städten billigen Darjeeling-Tee anzubieten, ist wirtschaftlich sehr erfolgreich und hat daher auch schon kommerzielle Nachahmer gefunden. Der Umsatz der TEEKAMPAGNE dürfte inzwischen schätzungsweise bei 15 Mio DM liegen.«1

»Bereits drei Jahre nach der Gründung untersagte das Landgericht Hannover dem Unternehmen jedoch seine gefühlsbetonte Werbung, die unlauter an die „Mildtätigkeit der Kunden“ appelliere. Eine im Firmenprospekt ausgewiesene Förderung (rund 160.000 DM) für ein Dorfentwicklungsprojekt ist ebenfalls umstritten. „Daß die immer noch mit uns werben, ist verwunderlich“, sagte ein Sprecher der Berliner Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, die das Entwicklungsprojekt in Kerala betreut. „Mit der TEEKAMPAGNE arbeiten wir seit Jahren nicht mehr zusammen.“ Und über ein seit 1993 betriebenes Baumpflanzprojekt „serve“, daß mit angeblich 260.000 DM von der TEEKAMPAGNE unterstützt wurde, berichtet ein Mitarbeiter des Tea Board of India in Kalkutta: „Nach einer großen Fanfare wurde alles mangels Mitteln eingestellt.“ Daheim in Berlin mangelt es offenbar nicht an Geld. Demnächst wird die TEEKAMPAGNE ein neugebautes Geschäftshaus im brandenburgischen Potsdam beziehen.«2

Ernsthafte Publicity-Probleme gab es auch zu Beginn der 90er Jahre,als eine entwicklungspolitische Aktionsgruppe vom „Infoladen Dritte Welt“ Neukölln auf einem Flugblatt den Unterschied zwischen dem Soli-Handel der Weltladenszene und dem Handel der TEEKAMPAGNE veröffentlichte, darin auch politische Alternativen zur TEEKAMPAGNE nannte und diese Flugblätter an den Berliner Universitäten verteilte. Die Neuköllner Gruppe unterstützte selbst durch den Verkauf von allerdings nicht so qualitativ hochwertigem Darjeeling-Tee eine genossenschaftliche Vereinigung indischer TeearbeiterInnen. Durch eine solidarische Mehrzahlung erhielten diese dann tatsächlich höhere Erlöse, die insbesondere sozialen Projekten in diesem Gebiet zukamen. Für die bewußt kaufenden TeeschlürferInnen gab es also eine Gewissensentscheidung: entweder erstklassigen Darjeeling-Tee zu Billigstpreisen oder einen weniger hochwertigen Darjeeling inklusive Solibeitrag. (Wobei die Geschmacksentscheidung hier keine Rolle spielen soll.)

Das Umweltmagazin ÖKO-TEST veröffentlichte unlängst in einen Artikel zum Thema Tee viele Informationen über die TEEKAMPAGNE, worauf der SPIEGEL dem Umweltmagazin und der TEEKAMPAGNE Klüngelei vorwarf, da das Tee-Unternehmen mit seinem bundesweit versendeten „Journal 94“ Werbezettel von ÖKO-TEST verschickte.2, 3

Trotzdem finde ich die Informationen des ÖKO-TEST- Artikels interessant; dort heißt es: »Angefeindet wird auch die Berliner Projektwerkstatt TEEKAMPAGNE. Immer wieder wurde ihr auf Antrag herkömmlicher Teehändler per Gerichtsbeschluß verboten, mit „fairem Handel“ oder „100% reinem Darjeeling“ zu werben. Sie verzichtet auf eine Lagerhaltung und bietet nur zwei Teesorten in Großpackungen zu 250g und einem Kilogramm an: Darjeeling first flush und Darjeelin second flush. Beide Tees im Test  sind „empfehlenswert“. Den Biotee hat die TEEKAMPAGNE nicht einmal als solchen gekennzeichnet. Mit einem Durchschnittspreis von 17,00 DM pro Kilogramm zahlt sie dafür geringfügig mehr als konkurrierende Aufkäufer. Während die Verbraucher für diesen Tee 35,00 DM pro Kilogramm zahlen müssen, kalkulieren andere Teehändler ihren Endpreis mit dem zehnfachen Einkaufspreis. Bereits jetzt ist die TEEKAMPAGNE das größte Teeversandhaus Deutschlands und macht dabei 5% Gewinn vom Umsatz. Konventionelle Teehändler verdienen sich dagegen mit Spannen von 80% und mehr eine goldene Nase. Schelte bekommt die TEEKAMPAGNE auch aus der Bio-Ecke. Der Grund: Sie kauft nicht grundsätzlich von Bioplantagen, sondern nach vorherigen Rückstandskontrollen auf Auktionen.«3

WASCHBÄR/>SANCHO PANSA

Diese beiden Firmen versenden ihre Kataloge gezielt in etablierten Umwelt- oder anderen Zeitschriften, wie z.B. den WASCHBÄR-Katalog im ÖKO-TEST-Heft 4/95. »SANCHO PANSA ist eine Briefkastenfirma, mit der der Geschäftsführer des Freiburger WASCHBÄR-Umweltversands (das MANAGER-MAGAZIN nannte ihn 1992 „Öko-OTTO“; d.A.) einen Trittbrettfahrer-Erfolg im Dritte-Welt-Handels-Katalogversand erhoffte. Irritationen entstanden, als sich DWP Ravensburg (ein Mitglied der MITKA – siehe Teil 1; d.A.) 1992 mit einigen Produkten am ersten SANCHO-PANSA-Katalog beteiligte. Nachdem diese Zusammenarbeit wieder aufgekündigt wurde, dürfte es keine Verwechslungen mit der Weltladenszene mehr geben.«1

Geschäftsführer beider Firmen ist Herr Leo Pröstler, ehemals Mannesmann-Angestellter und späterer Leiter des Freiburger Öko-Instituts. Pröstler, der Besitzer eines Turbo-Pkw war (oder noch ist), ließ sich für die Kataloggestaltung auf einem Fahrrad ablichten (außer im letzten Katalog). Auf diesen Widerspruch angesprochen reagierte er im Herbst 1992 mir gegenüber äußerst unfreundlich. Dies geschah auf dem Lehnitzer Treffen der ostdeutschen WeltladenaktivistInnen, zu dem er eingeladen war, da auch er mit Begriffen wie „fair“ usw. in seinen Katalogen warb. In seinem ersten Katalog wurde sogar für verschiedene Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen geworben – auf Wunsch konnten die KundInnen bei Produktbestellungen auch Informationen über diese Organisationen erhalten. Nach meiner Meinung war das nur ein gelungener PR-Trick, denn wer Adressen von Umwelt- oder Menschenrechtsorganisationen haben will, bekommt diese auch an anderer Stelle, z.B. aus Telefonbüchern.

Pröstler warf den VertreterInnen der häufig kirchlichen oder in Vereinen tätigen Weltladengruppen eine bewußte Verzerrung der Marktwirtschaft vor, die er reformieren wolle. Inwieweit kapitalistische Marktwirtschaft reformierbar ist, möchte ich an dieser Stelle nicht untersuchen. Der Vorwurf der Verzerrung des Weltmarktgeschehens kam dagegen bei den Beschuldigten als Lob an, denn endlich fühlte sich ein kommerzieller Händler von denjenigen, die eine Alternative zum ungerechten Weltmarktsystem aufzeigen wollen, angegriffen. Als eine Aktivistin aus Dresden und ich nach dem Erscheinen des ersten SANCHO-PANSA-Kataloges einige uns bekannte Produkte aus diesem Angebot „zerpflückten“, indem wir vergleichbare Preiskalkulationen in einem Rundbrief veröffentlichten, erhielten wir postwendend eine Klageandrohung des Geschäftsführers, der anscheinend glaubte, als einziger zu wissen, wie den „armen Menschen in der Dritten Welt“ zu helfen sei.

Pröstlers Lieblingsprodukt und Magnet war die Luffagurke, und es scheint tatsächlich sein Verdienst zu sein, dieses Naturprodukt als Alternative zu den üblichen Plaste-Abwaschschwämmen in Deutschland etabliert zu haben. Wie zu lesen ist, kritisiere ich hier in keinem Fall die Qualität der Produkte, sondern die Geschäftsgebaren von Herrn Pröstler. Allerdings ist auch mir noch schleierhaft, wie er sich und seine Belegschaft entlohnt, denn Adresse, Geschäftsführer und Belegschaft von WASCHBÄR sind identisch mit denen von SANCHO PANSA, so die eigenen Aussagen des Doppelgeschäftsführers.

Im nächsten Teil möchte ich endlich eine Importorganisation mit eindeutig positivem Geschäftsgebaren und -anliegen vorstellen: die EL PUENTE GmbH aus Hildesheim.

Stefan Schrom

1 Aktionshandbuch Dritte Welt (1994), S. 96

2 DER SPIEGEL 17/1995 (gekürzt)

3 ÖKO-TEST 4/95 (gekürzt)


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