Nicht häufig, aber weit verbreitet

Aus DER RABE RALF August/September 2018, Seite 8

Der Große Fuchs ist Schmetterling des Jahres 2018

Ja, es gibt auch Füchse unter den Schmetterlingen. Allerdings bezieht sich die Namensgebung weniger auf Schläue – hat schon mal jemand versucht, die Intelligenz bei Schmetterlingen zu messen? –, sondern einzig und allein auf die Farbgebung dieser filigranen Insekten.

Der Große Fuchs als ausgewachsener Falter. (Foto: Algirdas CC-BY-SA 3.0)

Apropos Schmetterlinge: Diese deutsche Bezeichnung, um das Jahr 1500 erstmals belegt, setzte sich erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts allgemein durch. Sie kommt vom slawischstämmigen ostmitteldeutschen Wort Schmetten für Schmand oder Rahm, dem einige Arten nicht widerstehen können. „Schmandlecker“ wäre also eine naheliegende Umschreibung. Der englische Name „butterfly“ weist in dieselbe Richtung. Vor der Bezeichnung Schmetterling sprach man eher von Tagvögeln oder Tagfaltern im Gegensatz zum heute noch gebräuchlichen Wort Nachtfalter. Das altgriechische Wort für Schmetterling ist übrigens „psychē“ (ψυχή) für Hauch, Atem, Geist, da die Tiere als Verkörperung der menschlichen Seele angesehen wurden.

Der Überwinterer

Der Große Fuchs kommt nicht häufig vor, ist aber weit verbreitet. Er lebt in großen Teilen Europas und Asiens in trockenwarmen, halboffenen Landschaften, an sonnigen Waldrändern, aber auch in naturnahen Gärten und auf Streuobstwiesen. Der Große Fuchs fliegt, wenn er nicht in hiesigen Gefilden überwintert, oft aus dem Süden, das heißt aus Mittelmeerländern oder Nordafrika, als Wanderfalter nach Mitteleuropa ein.

In Deutschland steht der Große Fuchs auf der Vorwarnliste der bedrohten Arten; in Nordrhein-Westfalen ist er vom Aussterben bedroht. Seine langfristige Bestandsentwicklung schätzt das Bundesamt für Naturschutz als „sehr stark rückläufig“ ein.

Einer der Hauptgründe dafür ist, wie so oft, kommerzieller Natur. Aus deutschen Wäldern und Fluren verschwinden immer mehr Salweiden – ihr Holz bringt zu wenig ein. Mit ihnen verschwindet allerdings auch die erste Futterquelle für den Großen Fuchs im Frühjahr – blühende Weidenkätzchen. Während nämlich die meisten der rund 200 in Deutschland lebenden Schmetterlingsarten die kalte Jahreszeit als Raupen verbringen, überwintert der Große Fuchs als ausgewachsener Falter und braucht schon im zeitigen Frühjahr Nahrung. Zum Schutz des Großen Fuchses sollten daher Weichholzarten wie die Salweide nicht mehr unbedacht abgeholzt, sondern erhalten werden. Zusammen mit Eichen dienen die Weiden als wichtigste Futterpflanze der Raupen und auch als Nektarpflanze.

Eine weitere Ursache für den Bestandsrückgang des Falters ist der Verlust seines Lebensraumes durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und den Flächenverbrauch für Siedlungsbau und Verkehr.

Fleckig, schuppig, haarig

Nymphalis polychloros, so der lateinische Name, saugt nur selten an Blüten, er bevorzugt austretende Baumsäfte. Mit 50 bis 55 Millimetern Flügelspannweite gehört der Große Fuchs zu den großen Schmetterlingen. Als wechselwarme Wesen „sonnen“ sich Schmetterlinge häufig mit aufgefalteten Flügeln, um beispielsweise ihr Blut- beziehungsweise Lymphsystem auf Betriebs-, das heißt Flugtemperatur hochzufahren. In dieser Position lassen sie sich gut beobachten.

Die Oberseiten der Flügel sind beim Großen Fuchs orange und tragen mehr dunkelbraunschwarze als gelblichweiße flügelsymmetrische Flecken. Die größten unter ihnen schließen bündig mit dem in Flugrichtung zeigenden Vorderflügelrand ab. Die Seiten- und Hinterflügelränder ziert eine dunkle, wieder fleckfarben gehaltene Binde mit einer Art bläulicher „Maserung“. Die Flügel sind komplett mit feinsten Schuppen überzogen, der Körper selbst mit Härchen.

Achtung: Der Große Fuchs wird oft mit dem wesentlich häufigeren Kleinen Fuchs und dem Östlichen Großen Fuchs verwechselt. Generell gilt, dass die Farben beim Großen Fuchs stumpfer, also nicht so leuchtend sind.

Vom Ei zur Raupe zur Puppe zum Falter

Schmetterlinge gehören zu den faszinierendsten Geschöpfen der Natur. Und das nicht nur, weil sie in großer Farbenpracht vorkommen und einen der eigenwilligsten Flugstile der Tierwelt kreiert haben. Am meisten verblüfft ihr Lebenszyklus, die Metamorphose von der Raupe zum Falter.

Die Weibchen des Großen Fuchses legen im April und Mai ihre Eier als sogenannte Eispiegel rund um dünne Zweige in den Kronen von Salweiden, Pappeln oder Obstbäumen ab, den Futterpflanzen der aus den Eiern schlüpfenden Raupen. Diese leben zunächst gesellig in einem Netz aus Spinnfäden und gehen kurze Zeit später als wahre Fressmonster getrennte Wege. Nach mehreren Häutungen auf etwa 45 Millimeter Körperlänge herangewachsen, beginnt die Raupe nun mit ihrer Umwandlung in einen Schmetterling. Sie wandert zu einem ruhig gelegenen und geschützten Platz, hängt sich dort mit einem kleinen Seidenpolster fest, häutet sich ein letztes Mal und zum Vorschein kommt eine harte Hülle. Die Raupe ist zur Puppe geworden.

Die Raupe des Großen Fuchses. (Foto: Walter Schön/BUND)

In diesem Stadium geschieht nun das eigentliche Wunder, die Metamorphose der Raupe zu einem wunderschönen Schmetterling. Hormonelle Veränderungen in der Puppe lösen das bestehende Raupengewebe auf und bilden neu die Falterform aus. Beim Großen Fuchs vollzieht sich diese Wandlung innerhalb von zwei bis drei Wochen. Nach dem Schlüpfen, dem obligatorischen Sonnenbad und einer ersten Nektarmahlzeit beginnt mit der Braut-Bräutigam-Werbung der Reigen von Neuem.

Besorgte Lepidopterologen

Der Große Fuchs fliegt in Mitteleuropa in einer Generation von Ende Juni bis August, in südlicheren Ländern bringt er es auf zwei Generationen. Überwinternde Falter fliegen schon von März bis April.

Die BUND NRW Naturschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen küren seit 2003 den Schmetterling des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Arten aufmerksam zu machen. Nur ein Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland sind noch ungefährdet.

Jörg Parsiegla

Weitere Informationen:
www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de


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